Tierhaltung
Auch integrierte Ziegen können stinken

Über zwei Zwergziegen musste das Baurekursgericht befinden: Die Tiere seien gut ins Quartier integriert, sagt der Züchter. Das Gericht ordnet dennoch weitere Abklärungen an.

Oliver Graf
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Das Leben zweier Geissen in Zürich ist zu Juristenfutter geworden.

Das Leben zweier Geissen in Zürich ist zu Juristenfutter geworden.

KEYSTONE

In der Schweiz ist fast alles bis ins letzte Detail reglementiert. Das beweist ein kürzlich publiziertes, noch nicht rechtskräftig gewordenes Urteil des Zürcher Baurekursgerichts. In einer Gemeinde im nördlichen Kantonsgebiet hält ein Privatmann seit Jahren Zwergziegen. Im Moment sind es zwei, die den Stall mit fünf Kaninchen teilen.

Lange keine Reklamationen

Dieser Stall hatte der Mann 2007 ohne Baubewilligung erstellt. Die lokale Baubehörde hat das kleine Gebäude nachträglich in einem einfachen Verfahren für legal erklärt. Die Immissionen durch die Tiere seien aber zu gross, klagte eine Nachbarin. Vor Gericht forderte sie, dass die Bewilligung für den Stall aufgehoben werde.

Der Züchter machte indes geltend, dass er seit 2002 Ziegen halte und es in all den Jahren nie Reklamationen gegeben habe, obwohl der Stall mitten in einem Wohngebiet liege. Zudem seien seine Tiere im Dorf gut integriert. Die Integration ins Dorf spielt aber keine Rolle: «Bauten und Anlagen», hält das Baurekursgericht in seinem Urteil fest, «dürfen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet werden.»

Die nachträgliche Stallbewilligung ist für das Gericht zu schnell erfolgt. Es seien die notwendigen Abklärungen nicht durchgeführt worden, es fehle an einer umweltschutzrechtlichen Prüfung. Denn: «Eine Ziegenhaltung ist grundsätzlich geeignet, die Interessen der Nachbarn zu tangieren», schreiben die Richter in ihrer nüchternen Sprache.

Bezüglich Hobbyziegenhaltung in Wohngebieten seien zwar keine Immissionsgrenzwerte definiert worden; als Annäherung könnten aber die Empfehlungen der eidgenössischen Forschungsanstalt für Betriebswirtschaft und Landtechnik hilfsweise herangezogen werden. «Die Geruchsbelastung (GB) durch eine Tierart errechnet sich aus der Anzahl Tiere multipliziert mit dem Geruchsfaktor für die entsprechende Tierart.» Bei geringer GB, wie sie für eine Hobbytierhaltung angenommen werden kann, ergebe sich zum Nachbargebäude «ein Normalabstand von 19,61 Meter».

Die Frage der Mistlagerung

Die lokale Baubehörde muss nun auf Geheiss der Baurekurskommission abklären, ob der Ziegenstall, der drei Meter breit, zwei Meter tief und 1,9 Meter hoch ist, die Mindestabstände einhält.

Im Weiteren verfügte das Gericht auch: Es sei im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens die im Stall maximal zulässige Anzahl Tiere festzulegen. Definiert werden sollte «bei Ziegen sinnvollerweise auch deren Geschlechtszugehörigkeit, da unkastrierte Ziegenböcke zu wesentlich höheren Immissionen führen als weibliche und kastrierte Tiere». Und schliesslich verlangt das Baurekursgericht, dass die Frage der Mistlagerung zu klären sei.