Zürich

Auch im Misserfolg erfolgreich

Weshalb zwei Bündner einen Film über die ZSC Lions gemacht haben.

Bernard Thurnheer und seine Moderationskollegen vom «Sportpanorama» sangen dem Club einst ein Ständchen: «Stägeli uf, Stägeli ab, juhe.» Es waren die 1980er-Jahre, als der ZSC eine Liftmannschaft war; in der Nationalliga A dümpelte der Verein jeweils am Ende der Tabelle herum und stieg Ende Saison ins B ab, um im folgenden Jahr wieder mit grossen Erwartungen aufzusteigen – und postwendend erneut abzusteigen.


Der Geschichte dieses Zürcher Schlittschuhclubs haben nun zwei Bündner nachgespürt; Sandro Zollinger und Roman Vital haben den ersten Teil von «ZSC Lions – der Film» veröffentlicht, der sich gerade dieser Liftmannschaft und ihrem Mythos widmet.


Sportfilme, sagt Roman Vital, seien in der Regel Gewinnergeschichten. Einfach gesagt: Schuss, Tor, Sieg – und Meistertitel. «Die Dramaturgie ist dann einfach und klar.» Die beiden Bündner hatten zuvor schon ihrem EHC Arosa, für den sie im Juniorenalter gespielt haben, einen Film gewidmet («Arosa isch besser»). Auch über den Kantonsrivalen HC Davos haben sie einen Dokumentarfilm vorgelegt, ebenso über den SC Bern.


Unvollkommen – aber geliebt


Beim Film über die ZSC Lions mussten sie nun einen anderen Zugang finden: Zwar sei der Club in den vergangenen Jahren erfolgreich unterwegs, doch nicht diese neuen Meistertitel, sondern ebendiese wechselvollen, mit Ab- und Wiederaufstiegen sowie finanziellen Nöten geprägten 1980er Jahre habe den ZSC und dessen Charakter wesentlich geprägt, sagt Zollinger. «Der Zürcher Verein war lange Zeit kein Gewinnerclub und auf eine Art unvollkommen, und dennoch war er derart populär und von seinen Fans heiss geliebt.»


Diesem Phänomen spüren die Filmemacher im ersten Teil ihrer ZSC-Geschichte nach. Sie verwenden dazu einerseits TV-Berichte im Originalton (inklusive «Stägeli uf, Stägeli ab»), andererseits lassen sie vor allem Spieler und Exponenten aus dem Umfeld des Clubs zu Wort kommen. Bewusst verzichten Vital und Zollinger dabei auf zusätzliche Kommentare. «Ein Kommentar schafft Distanz», begründet Zollinger. «Ein Kommentar sagt, in welche Richtung der Zuschauer denken soll.» Indem sie die Bilder und vor allem die Personen einfach sprechen lassen, wirkt alles direkter.


Dies ist auch eine Stärke des Films. Auch wenn er – natürlich – mit einem emotionalen Jubel über einen Meistertitel beginnt, auch wenn er diesem wichtigen, langsam geschossenen Penalty des legendären, aber leicht übergewichtigen Wladimir Krutows im Viertelfinal gegen das übermächtige Lugano im Frühjahr 1992 ein Kapitel widmet, bleibt der Film doch jeglichem überschwänglichen Pathos fern. Der Film ist direkt, ungeschminkt; die Exponenten werfen einen selbstkritischen Blick auf ihre Geschichte und ihren Club.


«Vom Namen her war der ZSC eine gute Adresse, aber eher nicht von der Leistung her», sagt etwa Fredy Duttweiler nüchtern, der in den Jahren von 1969 bis 1970 und von 1979 bis 1988 Präsident war. Andreas Zehnder, der beim ZSC von 1989 bis 2001 verteidigte, erzählt, dass es «mehrmals während meiner Karriere geheissen hat, dass es finanziell nicht so gut aussehe, dass wir alle mithelfen müssten, dann hat jeder zehn Prozent abgegeben».


Das Herumdümpeln zwischen Nationalliga A und B führen mehrere Spieler vor allem auf die Strukturen zurück. Der ZSC habe über keine eigene Juniorenabteilung verfügt und sei deshalb eher eine zusammengewürfelte Mannschaft gewesen, sagt etwa Hans Schmid (ZSC-Stürmer, 1977-1986). Und Mario Eichholzer (Verteidiger, 1973-1982) verweist auf die fehlenden Trainingsmöglichkeiten: Sie hätten als Spieler nach Wetzikon, Frauenfeld und anderswo ausweichen müssen, wo sie erst nach den Einheimischen zu später Stunde aufs Eis konnten. «Das war anstrengend, wir arbeiteten alle ja auch noch zu 100 Prozent.»

Eine anfänglich ungeliebte Fusion


Die Strukturen wurden schliesslich völlig umgekrempelt und professionalisiert; in einem für die hiesige Sportwelt einzigartigen Schritt fusionierten 1997 der Nationalliga-B-Club GC von Walter Frey und der ZSC. Dieser Zusammenschluss stiess auf heftige Widerstände – vor allem der geplante Kunstname «Züri Lions» sorgte bei den Fans für heftige Missstimmung. Er habe die Namensbildung unterschätzt, räumt Walter Frey im Film ein. Er habe gedacht, dass der Name nicht so entscheidend sei. Aber rasch habe er gemerkt, dass dem eine grosse Rolle zukomme. Am Ende wurde als Kompromiss das Kürzel «ZSC» beibehalten.


Trotz des Widerstands; der Zusammenschluss der beiden Zürcher Clubs hat sich gelohnt; in der Saison 2000/2001 holten sich die «neuen» ZSC Lions ihren ersten Meistertitel (der ZSC hatte zuvor seinen letzten Titel 1961 erspielt, GC seinen einzigen 1966).


Der zweite Teil des ZSC-Film, der Ende nächstes Jahr veröffentlicht wird, rückt die Anfänge des «Zürcher SC» sowie die Erfolge der «ZSC Lions» ins Zentrum.

ZSC Lions - Der Film (Trailer)

ZSC Lions - Der Film (Trailer)

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