Zürich

Auch dank Zürcher Spenden: Diese Tagesplätze machen glücklich

Der Zürcher Verein Casa Colibri, gegründet von Maria Möhrlein und Oliver Dörner, unterstützt eine Kinderkrippe in Ecuador. 35 indigene Kinder im Alter von eins bis drei Jahren besuchen den Hort in der Hauptstadt Quito.

Die junge Indigena Siza steht jeden Tag in der Altstadt der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, um Streichhölzer, Taschentücher und Kaugummi zu verkaufen. Nur so sichert sie das Überleben ihrer kleinen Familie. Die 28-Jährige hat einen zweijährigen Sohn namens Juan, den sie bis vor kurzem zuhause einsperren musste, um der Arbeit nachzugehen. Denn mitnehmen darf sie ihren Sohn aufgrund des Gesetzes nicht. Doch Siza hatte Glück: Sie kann Juan nun in die Kindertagesstätte San Roque bringen, die in einem alten Gebäude über den Markthallen nahe der Altstadt untergebracht ist. Dort wird der Junge während des Tages betreut, gepflegt und gefördert.

Diese Geschichte wird auf der Website des Zürcher Vereins Casa Colibri erzählt, dessen Aufgabe es ist, die Krippe San Roque finanziell zu unterstützen. Gegründet wurde der Verein vor zehn Jahren von Maria Möhrlein und Oliver Dörner. «An der Party zu meinem 40. Geburtstag wollte ich meine Freunde zu einer Spende für diese Kindertagesstätte bewegen. Da entstand die Idee des Vereins», sagt Dörner, Präsident und Betriebsleiter einer Zürcher Tagesklinik. Auch Möhrlein war sofort begeistert. «Wir sagten uns, dass wir schliesslich alle fest im Leben stehen, entsprechend verdienen und deshalb eine längerfristige Unterstützung von Zürich aus starten können», sagt die Landschaftsarchitektin.

Das Paar ist mit Ecuador schon lange verbunden. «Meine Eltern lebten in den 1990er-Jahren für vier Jahre in Quito und für ein halbes Jahr sind auch Maria und ich hingeflogen und haben das Land von dort aus bereist», sagt Dörner. Seine Mutter arbeitete damals in einer Kinderkrippe, dessen Name Casa Colibri war. «Diese Krippe gibt es heute nicht mehr, aber für unseren Verein übernahmen wir den Namen.» Er und Möhrlein kamen damals ebenfalls in Kontakt mit dem deutschen Projekt Casa del Sol, dessen Gründerin Heidemarie Schäfer es bis heute leitet. Durch sie wurden sie auch auf die Krippe San Roque aufmerksam. Die Unterstützung ist ein Teilprojekt vom Projekt Casa del Sol; der Verein Casa Colibri arbeitet deshalb eng mit Schäfer zusammen.

Die Kinder sammeln spielerisch neue Erfahrungen

Ins Leben gerufen wurde die Krippe vor 20 Jahren von der Arbeitsgemeinschaft Atiry (Vereinigung der Unabhängigen Arbeiter Runacunapac Yuyay), bestehend aus Menschen aus dem Gebiet von Chimborazo und Cotopaxi, die in Quito versuchen, Geld zu verdienen. Die Männer meist als Lastenträger, die Frauen oft als Strassenverkäuferinnen. Es sind Eltern, die unter dem Existenzminimum leben, die aber dank der Krippe ihre Kinder in guten Händen wissen und sie auf diese Weise vor einem Leben auf der Strasse bewahren wollen. Mit der Hilfe von Casa del Sol und Casa Colibri besuchen heute 35 indigene Kinder im Alter von eins bis drei Jahren den Hort, in dem neben Spanisch auch Quechua gesprochen wird, eine Sprachfamilie aus dem Andenraum Südamerikas, die vor allem von Ureinwohnern gesprochen wird – und auch die Kinder im Hort sprechen sie. Deren Kultur soll gepflegt werden.

Geleitet wird die Tagesstätte, die vom Staat nicht unterstützt wird, von José Antonio Guapi. Vier Betreuerinnen kümmern sich um die Kinder, von denen die meisten unterernährt sind. Sie erhalten in San Roque ein Frühstück, ein warmes Mittagessen und eine Nachmittagsverpflegung. Ebenfalls wird eine medizinische Versorgung, bestehend aus Untersuchungen oder Impfungen, angeboten. Wichtig ist es zudem, dass die Kinder dort sich selbst sein dürfen und spielerisch neue Erfahrungen dazulernen. Damit dies gewährleistet ist, besucht einmal im Monat eine ausgebildete Kindergärtnerin vom Casa del Sol den Hort, um den Angestellten Tipps zu geben.

Kostenlos ist die Betreuung des Kindes in der Krippe jedoch nicht. «Die Eltern bezahlen zehn Dollar pro Monat, das ist ein für sie erschwinglicher Betrag», sagt Dörner. Er weiss allerdings auch, dass man ein Kind nicht zurückweisen würde, wenn Eltern dies nicht bezahlen könnten. Dann gäbe es oft andere Möglichkeiten. «Viele der Eltern helfen oft dabei, die Räumlichkeiten der Tagesstätte in Schuss zu halten.»

Sämtliche Spenden, die der Verein Casa Colibri einnimmt, gehen vollumfänglich in die Krippe nach San Roque. Der Verein ist zudem vom Steueramt der Stadt Zürich als gemeinnützig anerkannt. «Alle Kosten, die anfallen, etwa um Spenden zu gewinnen, wie beispielsweise Drucksachen, werden vom Vereinsvorstand aus privater Kasse übernommen», sagt Möhrlein, die als Vorstandsmitglied zuständig für die Finanzen ist. Rund 7800 Franken an Spenden konnten im vergangenen Vereinsjahr (Juli 2018 bis Juni 2019) erzielt werden. Das ist ein ordentlicher Betrag für den noch jungen Verein, der aktuell rund 20 Mitglieder und einen dreiköpfigen Vorstand zählt.

Möhrlein und Dörner reisen zudem auf eigene Kosten nach Ecuador, um die Tagesstätte zu besuchen. Erst im November waren beide für drei Wochen dort. «Es war sehr berührend, als wir die Kinder besuchten. Sie waren zunächst etwas schüchtern, wurden dann aber immer zutraulicher und wir haben gemeinsam gespielt», erzählt Möhrlein. Auch für Dörner war die Reise emotional. «Die Dankbarkeit, die wir erfahren durften, war gross.»

Der Besuch machte dem Paar aber auch die Notwendigkeit ihrer Spenden einmal mehr bewusst. «Es ist wichtig, dass die Kinder in der Krippe einen sicheren Ort vorfinden, denn das Viertel San Roque und besonders der Markt sind für ihre Kriminalität bekannt und liegen abseits der Touristenorte», sagt Dörner.

Vieles will der Verein Casa Colibri noch in Angriff nehmen. Kurzfristig ist man gerade dabei, Weihnachtspakete für die Kinder zu planen, bestehend aus Lebensmitteln, einem Spielzeug und Süssigkeiten. Dafür sind 875 Dollar geplant.

Zur Website des Vereins Casa Colibri

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