Kirchensteuern
Auch Bischof Huonder und das Bistum Chur kämen nicht ungeschoren davon

Will das Volk die Kirchensteuern für Firmen abschaffen, müssen die Zürcher Landeskirchen sparen. Aber nicht nur sie, auch der Bistumsbeitrag müsste um mindestens einen Viertel gekürzt werden. Dafür bräuchte es einen Beschluss der Synode.

Thomas Schraner
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In der Ruhe liegt die Kraft. Doch das Klima zwischen Zürich und Chur ist aktuell auch wegen unterschiedlicher Positionen zur Abschaffung der Kirchensteuer für Firmen gereizt. Keystone

In der Ruhe liegt die Kraft. Doch das Klima zwischen Zürich und Chur ist aktuell auch wegen unterschiedlicher Positionen zur Abschaffung der Kirchensteuer für Firmen gereizt. Keystone

Der Gegensatz zwischen Bischof Vitus Huonder und den Zürcher Katholiken, die Teil des Bistums Chur sind, bricht immer wieder auf. Jüngster Anlass waren Worte von Regierungsrat Martin Graf (Grüne), der die römisch-katholische Kirche als rückständig schalt, worauf ein verbales Pingpong zwischen Chur und Zürich folgte. Der Bischof brachte einmal mehr seine Geringschätzung der staatskirchlichen Strukturen – Kirchenparlament und Kirchgemeinden – zum Ausdruck.

Gereizt ist das Klima zwischen Zürich und Chur aktuell auch wegen der unterschiedlichen Positionen zur Abschaffung der Kirchensteuer für Firmen. In drei Kantonen – in Graubünden, Nidwalden und Zürich – haben die Jungfreisinnigen eine entsprechende Initiative eingereicht. In Zürich hat sich der Regierungsrat bereits klar gegen die Initiative ausgesprochen, unter anderem, weil der Staat von den Leistungen der Kirchen im Sozial- und Bildungsbereich profitiert. Auch die beiden Landeskirchen – die katholische und reformierte – lehnen die Initiative dezidiert ab.

In Zürich ist das Geschäft derzeit in der vorberatenden Kommission des Kantonsrates. Anders als die Regierung, brütet diese darüber, ob sie der Initiative einen Gegenvorschlag gegenüberstellen soll, wie Martin Farner (FDP), Präsident der Kommission Staat und Gemeinden, auf Anfrage sagte. Befürworter und Gegner finden sich laut Farner in allen Parteien. Er selber lehnt die Initiative ab, aber seine Partei heisst sie gut.

Es geht um 50 Millionen

Für die Zürcher Katholiken ist es ein grosses Ärgernis, dass sich Bischof Huonder der Initiative nicht deutlich entgegenstellt, sondern im Gegenteil mit ihr liebäugelt. Warum, ist für Benno Schnüriger, Präsident des katholischen Synodalrates (Exekutive der Katholiken), sonnenklar: Nimmt das Volk, das voraussichtlich im Sommer 2014 abstimmt, die Initiative an und schafft die Kirchensteuer für Firmen ab, schwächt dies die vom Bischof so ungeliebten staatskirchlichen Strukturen. Die Kirchensteuern von Firmen machen bei den Zürcher Katholiken mit 50 Millionen jährlich rund ein Viertel der Gesamteinkünfte aus. Zu diesen zählen auch Kirchensteuern von natürlichen Personen (125 Millionen) und der jährliche Kantonsbeitrag (22 Millionen).

Wo und wie die Zürcher Katholiken einen Viertel einsparen wollen, ist völlig offen. Bischof Huonder muss dies im Prinzip nicht weiter kümmern, denn er hat direkt nichts von den Kirchensteuern. Von den sechs Kantonen, die dem Bistum Chur angehören, erhält er «nur» seine Bistumsbeiträge. Im Kanton Zürich beträgt dieser Beitrag pro Katholik 2.50 Franken, sodass unter dem Strich letztes Jahr 970 000 Franken von Zürich nach Chur flossen.

Trotzdem käme aber auch der Bischof nicht ungeschoren davon, betont Schnüriger: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir überall sparen und den Bistumsbeitrag nicht antasten.» Huonder müsse damit rechnen, dass der Bistumsbeitrag um mindestens einen Viertel gekürzt würde. Dafür braucht es einen Beschluss des katholischen Kirchenparlamentes, der Synode.

Wie schmerzhaft dies für den Bischof wäre, lässt sich schwer abschätzen. Sein Sprecher, Giuseppe Gracia, gab sich auf Anfrage gelassen und zeigte sich erstaunt über die Drohkulisse aus Zürich. Anders als etwa die Bistümer St. Gallen und Basel, die fast vollständig von den Bistumsbeiträgen lebten, finanziere sich das Bistum Chur nur teilweise über. Allerdings seien diese Gelder auch für Chur «wesentlich», denn sie machten rund die Hälfte der gesamten Einkünfte aus. Der Rest stamme aus eigenen Ländereien und Stiftungen des Bischofs.

Bischof unbeeindruckt

Wegen der Drohung aus Zürich werde der Bischof aber seine Haltung zur Initiative nicht ändern. «Sollte die Synode den Bistumsbeitrag kürzen, müssen wir dies eben in Kauf nehmen», sagt Gracia. Den Churer Standpunkt zur Initiative fasst er so zusammen. Der Bischof dürfe materielle Solidarität nur von Katholiken verlangen. Da in Firmen aber nicht nur Katholiken arbeiteten, habe der Bischof kein Recht, via Kirchensteuer Geld von allen einzufordern.

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