Zürcher Kantonsrat
Atommülllager-Standortsuche: Verzicht auf Standesinitiative

Die Suche nach einem Standort, an dem die hochradioaktiven Abfälle aus den Schweizer Atomkraftwerken langfristig unterirdisch entsorgt werden können, zieht sich seit Jahrzehnten hin. Nun steht ein wichtiger Zwischenentscheid an.

Matthias Scharrer
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Zürcher Kantonsrat: Atommülllager Standortsuche

Zürcher Kantonsrat: Atommülllager Standortsuche

Keystone
Gebiete für das Tiefenlager.

Gebiete für das Tiefenlager.

zvg AZ

Ende Januar wird das Bundesamt für Energie bekannt geben, welche der möglichen Standorte im Rennen bleiben. Der Bund stützt sich dabei auf Empfehlungen der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra). Zurzeit fokussiert sich die Standortauswahl auf drei Regionen: Zürich Nordost (Zürcher Weinland um Benken), Nördlich Lägern (die Gegend zwischen Glattfelden ZH und Schneisingen AG) und Jura Ost (Region Bözberg AG).

Gleich zwei der drei möglichen Standorte für ein Tiefenlager liegen somit im Kanton Zürich. Dies veranlasste Vertreter von SP und Grünen im Kantonsrat zur Forderung, wonach die Eignung der möglichen Standorte jeweils auf die gleiche Art zu untersuchen sei. Konkret: durch spezielle Bohrungen und seismografische Messungen. Mit einer Standesinitiative wollten die linksgrünen Kantonsräte diesem Anliegen in Bundesbern Nachdruck verleihen.

Dazu kommt es jedoch nicht: Die entsprechende parlamentarische Initiative wurde gestern im Rat klar abgelehnt. SP und Grüne blieben allein auf weiter Flur. «Sie rennen offene Türen ein», sagte Konrad Langhard (SVP, Oberstammheim). «In Bözberg und im Zürcher Unterland wurden zusätzliche Messungen vorgenommen. Die Vergleichbarkeit ist somit gewährleistet.»

Dies wollte SP-Fraktionschef Markus Späth (Feuerthalen) so nicht stehen lassen: «Es geht um eine sichere Lösung für Jahrtausende.» Bis das Tiefenlager gebaut werde, dauere es ohnehin noch 35 Jahre. «Nützen wir diese Zeit!» Der Bund habe sich jedoch längst entschieden, und die Nagra gehe immer noch vom Standort Zürcher Weinland aus. Doch es brauche für alle Standorte den gleichen Wissensstand, betonte Späth. Roland Brunner (Grüne, Steinmaur) ergänzte, auch der renommierte Geologe Markus Buser habe das Vorgehen der Nagra als nicht ergebnisoffen kritisiert.

«Die Unterstellung, die Nagra habe längst entschieden, ist mehrfach widerlegt worden», konterte Gabriela Winkler (FDP, Oberglatt). Auch der nun anstehende Zwischenentscheid der Nagra sei noch keine endgültige Weichenstellung. Laut Gerhard Fischer (EVP, Bäretswil) haben Experten des Bundes der zuständigen Kantonsratskommission klar dargelegt, dass ein gleicher Wissenstand auch ohne die exakt gleichen Untersuchungen vorhanden sei. Die Forderung der SP und Grünen sei somit erfüllt.

Weinland intensiver untersucht

Gemäss Nagra wurden sowohl in Zürich Nordost als auch in Nördlich Lägern und Jura Ost Tiefbohrungen und sogenannte 2-D-seismische Untersuchungen vorgenommen. In Zürich Nordost fanden ausserdem noch 3-D-seismische Untersuchungen statt. «Zürich Nordost wurde in den 1990er-Jahren besonders intensiv untersucht», erklärte Nagra-Sprecherin Jutta Lang gestern auf Anfrage. Der Grund: Damals wurde der Nachweis erbracht, dass eine Entsorgung hochradioaktiven Abfalls in der Schweiz überhaupt möglich wäre.

Baudirektor Markus Kägi (SVP) appellierte an die Kantonsräte, die Atommüllager-Standortsuche nicht zu verpolitisieren. Es gelte einen Sachentscheid zu fällen. Sicherheit habe dabei oberste Priorität. Er erinnerte daran, dass der Regierungsrat künftig dem Kantonsrat über den Fortgang der Standortsuche jährlich Bericht erstattet.