Zürich
Athleten testen das Letzigrund für die EM

Bevor am Dienstag die Leichtathletik-EM beginnt, wird die ganze Infrastruktur im Zürcher Letzigrund durch Schwiezer Athleten unter Wettkampfbedingungen geprüft.

Anina Gepp
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Athleten testen das Letzigrund für die EM
5 Bilder
Maskottchen Cooly empfängt die Sieger im Ziel
im Ziel beglückwünschen sich die Sportler
Kurz vor dem 800-Meter-Lauf
Die Uhren im Stadion müssen auf den Hunderstel genau stimmen

Athleten testen das Letzigrund für die EM

Limmattaler Zeitung

Bevor die Spitzensportler der Leichtathletik-EM im Zürcher Letzigrund den Wettkampf aufnehmen, durften interessierte Schweizer Athleten am Sonntag die Anlage ausprobieren. Unter Wettkampfbedingungen sollten alle Abläufe, die TV-Übertragung sowie die Kampfgerichte getestet werden.

Kurz nach 14 Uhr haben sich fünf 100-Meter-Läufer an der Startlinie eingefunden. In Begleitung von feierlicher Musik werden sie einzeln mit Namen und Nation vorgestellt. Obwohl alle Teilnehmenden Schweizer sind, werden sie für den Testwettkampf als Finnen, Holländer, Deutsche, Türken und Spanier gehandelt. Die Kamera schwenkt zu jedem Sportler und zoomt sein Gesicht heran. Brav lächeln die Läufer in die Kamera und winken dem Publikum zu.

Dann erfolgt der Startschuss, die Läufer sprinten los. Schon nach wenigen Metern aber bremsen sie wieder ab. «Fehlstart. Die Karte ist grün, alle müssen nochmals zurück auf ihre Position und neu starten», dröhnt es aus den Lautsprechern im Stadion zuerst auf Deutsch und kurz darauf auf Englisch. Beim zweiten Start klappt alles reibungslos. Pascal Müller schafft die 100 Meter in 10.94 Sekunden.

Plüschkuh erwartet den Sieger

«Mit leichtem Rückenwind hat der Holländer gewonnen», verkündet der Moderator im Stadion. Er sei der grosse Sieger der diesjährigen Leichtathletik-EM im 100-Meter-Lauf. Kameramänner stürzen sich auf den Sieger und filmen ihn von allen Seiten. Auch das Maskottchen Cooly kommt angerannt und umarmt Müller. Dieser ist sichtlich überfordert vom inszenierten Medienrummel und der plüschigen Kuh, die ihn an der Hand nimmt und mit ihm einen Freudentanz machen will. Etwas gequält schenkt er den Kameras ein Lächeln und verschwindet vom Platz.

Nebenan im «grünen Käfig» bereiten sich die Hammerwerferinnen auf ihren Wurf vor. Nicole Zihlmann tritt am Testwettkampf für Kroatien an. Sie ist die klare Favoritin. Die Metallkugel an einem Stahldraht ist fest in Zihlmanns Griff. Ihre muskulösen Oberarme angespannt, beginnt sie sich im Kreis zu drehen und lässt den Wurfhammer gekonnt fliegen. Sie erreicht eine neue Bestweite.

Damit die Zuschauer das Geschehen im Letzigrund bestens im Blick haben, übertragen mehrere grosse Bildschirme live. Die Kameraleute sind für die Aufnahmen überall im ganzen Stadion verteilt.

Pingelige Kampfrichter

Als Nächstes steht Livia Odermatt im Rampenlicht. Sie konnte sich zwar nicht für die EM qualifizieren , am Testwettkampf gilt sie aber als Favoritin für die Kategorie Hochsprung. Die gross gewachsene Athletin bereitet sich für ihren Sprung über die 1,71 Meter hohe Latte vor. «Knackt sie als Einzige die Höhe und gewinnt den Titel?», fragt die Moderatorin durch den Lautsprecher rhetorisch. Odermatt fokussiert das Hindernis und bewegt sich mit langen Schritten darauf zu. Ohne Mühe schafft sie den Sprung. Die Latte wird um weitere drei Zentimeter erhöht. Sofort sind die Kampfrichter zur Stelle und überprüfen die Einstellung akribisch genau.

Nebenan beginnt der 800 Meter Lauf der Frauen. «On your marks», ordnet der Kampfrichter an, bevor der Schuss zum Start fällt. Die jungen Sportlerinnen rennen die ersten 100 Meter in ihren Bahnen und müssen sich danach eine gute Position erkämpfen. Die Trainer der Läuferinnen stehen angespannt am Rand der Banden und rufen den Sportlerinnen zu. «Los, los, los», feuern sie sie an. Die Bestzeit schafft Sandra Pool. Die verlässliche Omega-Uhr misst ihre Zeit auf die Hundertstelsekunde genau.

Während auf dem Platz alles nach Plan läuft, sind Putzkräfte damit beschäftigt, jeden Klappstuhl von Schmutz zu befreien. Auch das Schweizer Fernsehen hat noch einiges zu tun. Dutzende Computerbildschirme stehen noch in Plastik verpackt herum. An ihnen werden schon morgen zahlreiche SRF-Mitarbeiter das Geschehen mitverfolgen und die Sendungen vom 12. bis 17. August zusammenschneiden.