Medizin
Arzt aus Uster setzt auf neue Therapie gegen Diabetes

Die Krankheit Diabetes Typ 2 kann mit dem «EPI-Konzept» behandelt werden. Schulmediziner haben dies zur Kenntnis genommen, sehen den Schlüssel zum Erfolg aber eher in der Verhaltensänderung der Patienten und einer intensiven Auseinandersetzung damit.

Roger Kündig
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Setzt auf eine neue Diabetes-Therapieform: Der Ustermer Arzt Robert Heiz im Gespräch mit einer Patientin.

Setzt auf eine neue Diabetes-Therapieform: Der Ustermer Arzt Robert Heiz im Gespräch mit einer Patientin.

Mano Reichling

Die Krankheit Diabetes Typ 2, auch Zuckerkrankheit genannt, tritt in unserer Gesellschaft immer häufiger auf. Von Altersdiabetes kann keine Rede mehr sein – die Menschen erkranken in immer jüngeren Jahren. «Wir ernähren uns allgemein zu süss und zu fettig», sagt der Ustermer Arzt Robert Heiz. Der stressige Lebensstil vieler trage zudem dazu bei, dass sich ihr Stoffwechsel in eine falsche Richtung entwickle. Verliert dabei das in der Bauchspeicheldrüse produzierte Insulin seine Wirkung, ist Diabetes Typ 2 – eine Blutzuckerstörung – die Folge.

In der Regel erhalten davon betroffene Patienten vom behandelnden Hausarzt antidiabetische Medikamente, die als Tabletten leicht geschluckt werden können. Zudem bekommen sie die Anweisung, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und die Ernährung umzustellen.

Während der Therapie 20 Kilo losgeworden

Susanne Reininghaus ist eine der ersten Diabetes-Typ-2-Patientinnen, die Robert Heiz aus Uster mit der Therapie gemäss dem EPI-Konzept behandelt. Im Jahr 2008 wurde bei der heute 56-Jährigen die Blutzuckerstörung diagnostiziert.

Sie fühlte sich tagsüber stets müde, nahe dem Burn-out-Syndrom. Mit den verordneten Medikamenten, vor allem einem Antidiabetikum, versuchte Reininghaus den Zuckerspiegel in ihrem Blut zu regulieren. Dies gelang mässig - die Dosis musste kontinuierlich erhöht werden. Die Pfäffikerin hatte die Medikamente nicht gut vertragen und hatte zusehends Bauchschmerzen und Verdauungsschwierigkeiten bekommen.

In ihrer Verzweiflung wandte sich Reininghaus im November 2013 an Robert Heiz, der sie für die Therapie gemäss dem EPI-Konzept begeistern konnte. «Er sagte mir, wenn ich so weitermache, führe dies zu einer Katastrophe», sagt Reininghaus. Ihr Entschluss, die neue Therapie zu versuchen, stand somit schnell fest. In den ersten Wochen der Therapie durfte sie nun gemäss streng verordnetem Diätplan höchstens 650 Kalorien pro Tag zu sich nehmen. «Dies bereitete mir weniger Probleme als angenommen. Ich fühlte mich dadurch auch nicht müde», erzählt sie. Reininghaus zeigt sich bis heute motiviert und diszipliniert und hält den Diätplan strikt ein. Mit Erfolg: Nach sechs Wochen Therapie konnte die Pfäffikerin die antidiabetischen Medikamente absetzen. Nach einem halben Jahr Therapie hat sich vieles in ihrem Stoffwechsel zum Normalen eingependelt.

Medikamente benötigt sie weiterhin keine mehr. Ihr Menüplan zeigt sich bereits wieder vielfältiger. Rund 1200 Kalorien pro Tag dürfen es heute sein. Seit Beginn der Therapie hat Susanne Reininghaus über 20 Kilogramm abgenommen. Gemäss Robert Heiz wird sich die Pfäffikerin am Ende der insgesamt ein Jahr lang dauernden Therapie von der Krankheit Diabetes Typ 2 erholt haben. (rku)

Die Medikamente vertragen aber nicht alle Patienten gleich gut. Oft führt die Behandlung zusehends dazu, dass die Menge der antidiabetischen Medikamente erhöht werden muss, obwohl diese beachtliche Nebenwirkungen haben können.

Robert Heiz, selbst Hausarzt, wendet in vielen Bereichen auch komplementärmedizinische Methoden an. Im Fall der Krankheit Diabetes Typ 2 empfiehlt er seinen Patienten neuerdings die Therapie namens EPI-Konzept, mit der die Krankheit nachweislich in die Schranken gewiesen wird. Entstanden ist die Therapie unter der Leitung von Markus Rohner. Sie kam als Pilotprojekt bei Simon Feldhaus, Paramed in Baar, zum Einsatz.

In dieser erstmaligen Anwendung sind fast alle Patienten ihre Blutzuckerstörung bleibend losgeworden. Auch Robert Heiz wendet diese neue Therapie jetzt bei seinen Diabetes-Typ-2-Patienten erfolgreich an.

Das Rezept der Therapie liegt in der Epigenetik – träge Gene sollen wieder munter gemacht werden. Der Patient muss dabei eine strikte Essensumstellung befolgen. Patienten von Robert Heiz erhalten von einer Ernährungsberaterin individuell ausgearbeitete Essensempfehlungen.

«Eine Gewichtsreduktion ist dabei die logische Folge», sagt Heiz. Das Wirkstoffprodukt Epigenosan fördert die aktive Fettverbrennung. Bewegung unterstützt zudem die Gewichtsabnahme. Vom Patienten wird verlangt, dass er bereit ist, die strikte Essensumstellung zu befolgen und etwas Sport zu treiben.

«Ohne die Mitarbeit des Patienten geht gar nichts. Der Patient muss motiviert sein, seinen Lebensstil dauerhaft zu verändern», sagt Simon Feldhaus. Die Kosten der Sprechstunden bei Robert Heiz werden von der Krankenkasse übernommen, da sie in der Grundversicherung abgedeckt sind. Das Wirkstoffprodukt Epigenosan sowie die Ernährungsberatung und die Ernährungspläne müssen vom Patienten getragen werden, sofern er nicht über Komplementärmedizin beinhaltende Zusatzversicherungen verfügt.

Diabetologen im Universitätsspital Zürich sowie in den Spitälern in Uster und Wetzikon, die Diabetes behandeln, ist die Therapie mittels EPI-Konzept nicht entgangen. «Wenn die Therapie erfolgreich ist, schreibe ich dies eher der Bereitschaft der Patienten zum intensivierten Umgang mit ihrer Erkrankung und den grundlegend angepassten Essens- und Bewegungsgewohnheiten zu als der Therapie selber», meint Urs Knobel, leitender Arzt der endokrinologischen Abteilung des Spitals Wetzikon.

Knobel führt weiter aus, dass Diabetes-Patienten im herkömmlichen hausärztlichen oder spezialärztlichen Setting grundsätzlich einer anderen Patientengruppe zugeordnet werden müssen als diejenige, die sich für eine Therapie nach dem EPI-Konzept entscheiden.

«Beim Hausarzt oder im Spital werden Patienten zuerst mit der Diagnose Diabetes Typ 2 konfrontiert. Verarbeitung und Krankheitsakzeptanz sind daher angesagt. Wer hingegen eine Therapie nach dem EPI-Konzept absolviert, hat dies in der Regel wohl hinter sich. Diese Patienten sind grundsätzlich motiviert, die Krankheit Diabetes durch Veränderungen in ihren Essens- und Bewegungsgewohnheiten anzugehen und die medikamentöse Therapie möglichst minimieren zu können.»

Im schulmedizinischen Modell blieben eben auch Patienten mit sehr unterschiedlichen sprachlichen und kulturellen Hintergründen hängen, was den anspruchsvollen Alltagsumgang mit der Erkrankung erschweren könne und die Notwendigkeit einer intensivierten medikamentösen Behandlung begünstige.

Neben der Motivation als wichtigstem Erfolgsfaktor zur Bekämpfung der Zuckerkrankheit nennt Knobel die Betreuung der Patienten als entscheidend, die Motivation hochzuhalten. Diese sei bei Robert Heiz durch die enge Zusammenarbeit mit der Ernährungsberaterin natürlich gegeben. «Die Schulmedizin schläft hier nicht», sagt Knobel und erwähnt, dass national unter dem Patronat der Schweizerischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie das Modell Diafit, ein Diabetes-Rehabilitationsprogramm, aufgebaut wurde.

Diafit soll Diabetes-Typ-2-Patienten in regionalen Gruppen helfen, zu einem gesunden Lebensstil zu finden. Einerseits enthält das Programm Bewegungstherapie, Ernährungsberatung, Diabetes-Beratung und ärztliche Beratung, andererseits soll es zur Bildung von Selbsthilfegruppen zur Erhaltung der Motivation des neuen Lebensstils führen. «Die Kosten werden durch die Krankenkassen in der obligatorischen Grundversicherung übernommen», erklärt Urs Knobel. In der Region Zürich existiert eine solche Gruppe vorerst im Spital Uster. Die Kontaktaufnahme erfolgt via Hausarzt oder Diabetologen.

Ein Vortrag über die Therapie gemäss dem EPI-Konzept von Dr. Markus Rohner findet am Dienstag, 3. Juni, im kleinen Regenbogensaal der Reformierten Kirchgemeinde Uster an der Zentralstrasse 40 statt. Beginn ist um 19 Uhr.