Ob Warenhaus oder Möbelgeschäft: Bilder kann man heute überall kaufen. Doch genau an diesen Massenproduktionen stören sich die vier Inhaber von Artiazza. Das Luzerner Startup mit seinen Büros in Schlieren hat vor einem Monat eine Plattform lanciert, auf der Newcomer-Künstler ihre Werke zum Kauf anbieten. Neben Fotografien gibt es Malerei oder Skulpturen. Interessierte können sich das Objekt der Begierde online ansehen, Informationen über den Künstler beziehen und wenn etwas gefällt direkt online kaufen.

Was vergangenen Frühling als Studienprojekt an der Hochschule Luzern angefangen hat, existiert nun seit einem Monat im Internet. «Seit die Plattform live ging, wurden 13 Kunstwerke verkauft», sagt Mitgründerin Alexandra Scherrer. Bereits über 15 Künstler haben auf der Kunstplattform ein Profil angelegt. Etwa genau so viele potenzielle Käufer haben sich registriert. Die Plattform braucht es, ist Scherrer überzeugt: «Menschen wollen ihre Wohnung oder Büro mit etwas Speziellem und Einzigartigem ausstatten. Wir leben im Zeitalter der Individualisierung.»

Artiazza hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, kaum bekannte Schweizer Künstler zu unterstützen und ihre Kunst unter Interessierte zu bringen. Von Hobbykünstlern zu reden, sei abwertend, so die 26-jährige Luzernerin. «Wir bieten Newcomer-Künstler eine Ausstellungsmöglichkeit. Viele davon haben ihre Werke bislang über Mundpropaganda oder Facebook unter die Leute gebracht», so Scherrer.

Bezahlbare Kunst anbieten

Deswegen würden sie derzeit bei der Akquise der Künstler darauf achten, dass es sich um Newcomer handelt, die noch wenig bekannt sind. Den Preis setzen die Künstler auf Artiazza im Übrigen selber fest. Pro verkauftem Werk bezahlen diese den Plattform-Betreibern eine 25-prozentige Kommission. Was laut Scherrer vergleichsweise günstig ist. Herkömmliche Galerien würden zwischen 40 und 50 Prozent des Verkaufspreises als Kommission verlangen.

Das Start-up will sich von der hochpreisigen Kunstszene abheben und den Kunstmarkt demokratisieren. Dort würden Experten entscheiden, was welchen Wert hat. «Bei uns stimmt die Community ab, welche Kunst ihr gefällt», so Scherrer. Ebenso einzigartig wie der Community-Ansatz ist das Artiazza-Modell. Die Idee dahinter: Die Künstler profitieren am gesamten Lebenszyklus ihrer Werke. Wenn also dem Käufer eines Bildes das Werk vielleicht nach einiger Zeit nicht mehr gefällt und dieses wiederum über die Kunstplattform weiterverkauft, erhält der Künstler einen Teil des Verkaufspreises als Kommission. Dieses Modell wendet bislang noch keine Online-Kunstplattform an.

Zuerst die Qualität prüfen

Das Jungunternehmen unterscheidet sich noch in anderen Punkten von Galerien oder klassischen Kunstauktionen: «Wir kuratieren nicht.» Trotzdem liegt die Qualitätssicherung in den Händen der Firma. «Wir akquirieren die Künstler aktiv. Die Zahl der Anbietenden ist derzeit überschaubar. So können wir sicherstellen, dass kein ‹Ramsch› verkauft wird.»
Scherrer ist sich bewusst, dass es schwierig wird, bei steigender Zahl der Künstler auf der Plattform, den Überblick zu behalten. «Längerfristig entscheidet die aktive Community, was gut ist», so Scherrer.

Ebenso klar ist der Mitgründerin, dass die Preise der Kunstwerke mit der Zeit steigen. Vor allem dann, wenn ein Künstler an Bekanntheit gewinnt. An dieser muss das Jungunternehmen selber noch arbeiten. So starten sie neben Flyeraktionen diesen Samstagnachmittag eine Auktion am Pop-Up-Markt im Puls 5 in Zürich. «Solche Aktionen sorgen für steigende Besucherzahlen auf unserer Website», erklärt Scherrer.

Derzeit finanzieren sich die Jungunternehmer komplett selbst. «Wir sind in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Zuerst hat aber die Akquise von Künstlern und Käufern Priorität», so Scherrer. Deshalb wohl bezeichnet die Jungunternehmerin die Plattform noch als Prototypen: «Es gibt noch viel zu tun.»