Unter dem Titel «Subventionierte Überkapazitäten» wirbt die Fluggesellschaft Swiss in ihrem Magazin «Aeropolitics» für günstigere Rahmenbedingungen in der Schweiz. Die Swiss rechnet vor: Täglich fliegen 650 Passagiere aus der Schweiz nach Dubai, Abu Dhabi und Doha. Dafür stehen nach Rechnung der Swiss 2329 Sitzplätze zur Verfügung. Die Flugzeuge wären damit im Schnitt nur zu 28 Prozent ausgelastet. So wenig Sitznachbarn zu haben, wäre fast schon ein Traum für Passagiere. Ganz so dramatisch wie von der Swiss geschildert, präsentiert sich die Lage aber nicht. Die Airline beruft sich bei ihren Daten auf das MIDT-System der Buchungsplattform Amadeus, die in der Reisebranche genutzt wird.

Diese Zeitung hat nachgerechnet und dafür die Statistiken des Bundes benutzt. Es zeigt sich für das Jahr 2014: Von Kloten aus fliegen täglich 1021 Passagiere nach Dubai, Abu Dhabi und Doha. Die Zahl von schweizweit 650 Reisenden ist also viel zu tief. Ab Zürich stehen den rund 1000 Passagieren knapp 1600 Plätze zur Verfügung, inklusive des Swiss-Flugzeugs, welches von Dubai noch in den Oman weiterfliegt. Angenommen, dass nur die Hälfte der Passagiere im Airbus A330 der Swiss nach Dubai reist und die andere Hälfte nach Muskat (Oman), dann beträgt die Auslastung an den Persischen Golf 69 Prozent. Das sind zwar weniger als die durchschnittliche Sitzplatzauslastung am Flughafen Zürich von
76 Prozent, aber nicht so dramatisch, wie das die Swiss darstellen möchte.

Strategie der Überkapazitäten

Die Auslastung nach Dubai war dabei mit knapp 70 Prozent am höchsten. Hier erhöhen die Araber ab Oktober aber den Druck auf die Swiss, indem sie auch abends mit dem Airbus-Flaggschiff A380 nach Kloten fliegen. Die Kapazität der Emirates erhöht sich dann von heute 872 Plätzen (A380 + Boeing 777) auf 1036 in den beiden Superjumbos. Die Swiss fliegt mit einem Airbus A330 mit 236 Passagieren nach Dubai und von dort via Muskat zurück in die Schweiz. Die Auslastung nach Dubai würde – bei gleichbleibender Anzahl Passagiere – damit auf 60 Prozent sinken. Für die Swiss wird die Luft dünn.

Die Strategie der Überkapazitäten wird die Lufthansa-Tochter hingegen kennen: Letztes Jahr verdrängte sie damit erfolgreich die Etihad Regional praktisch komplett vom Flughafen Zürich.

Die Destinationen Doha und Abu Dhabi, welche neuerdings beide mit einem Boeing 787 Dreamliner angeflogen werden, bedient die Swiss nicht. Klar ist aber, dass über die Flughäfen am Golf sowie Oman eine grosse Menge der Passagiere nach Asien oder Australien weiterfliegt. Die arabischen Drehkreuze bedrohen damit das Asiengeschäft der Swiss.

Subventionen und Sanktionen

Die Lufthansa-Tochter erhielt letztes Jahr zudem Konkurrenz durch Cathay Pacific auf der gut ausgelasteten Strecke nach Hongkong. Die Swiss selber hat mit Singapur eine Destination aufgenommen, welche Allianz-Partner Singapore Airlines mit ihrem Superjumbo A380 bereits anbietet. Die Zahlen des Jahres 2014 zeigen, dass auf dieser Strecke genügend Kapazität vorhanden ist: 543 Passagiere reisten 2014 in die südostasiatische Metropole, Swiss (219 Plätze im A340) und Singapore (471 Plätze im A380) brachten es damit auf eine durchschnittliche Auslastung von knapp 79 Prozent.

Es bleibt also die arabische Konkurrenz in den Nahen und Fernen Osten, welche die Swiss nicht nur mit mehr Kapazitäten, sondern auch mit modernsten Fluggeräten angreift. Die Swiss wirft den Arabern dabei massive staatliche Subventionen vor, was diese immer wieder vehement abweisen. Die Anzeichen, dass die arabischen Airlines tatsächlich viel Gratisgeld vom Staat erhalten, mehren sich indes. Die amerikanischen Airlines wehren sich deshalb ebenfalls. Die Swiss fordert derweil Sanktionen gegen das «wettbewerbswidrige Verhalten» der Araber, denen sie die «Ausnutzung marktwirtschaftlicher Grundsätze» vorwirft.