Zürich Marathon
Applaus für die Marathonläufer auf der grossen Kreuzung

Am Bürkliplatz ist während des Rennens am meisten los. Denn dort schlägt das Herz des Zürich Marathons. Rund 3200 Läufer nahmen teil und bewältigten die 42 Kilometer Laufstrecke.

Daniel Stehula
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Die Deutsche Mona Stockhecke gewint den Zürich - Marathon.
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Zürich Marathon
Der Äthiopier Lemi Berhanu Hayle gewinnt den Zürich Marathon.
Ursula Spielann-Jeitzin freut sich als beste Schweizerin über ihr Resultat im Ziel vom Zürich - Marathon.

Die Deutsche Mona Stockhecke gewint den Zürich - Marathon.

Heinz Diener

Das Herz des Zürich Marathons schlägt am Bürkliplatz. Der Ort am Seebecken ist an normalen Tagen vom Auto- und Tramverkehr stark belastet und zerteilt. Am Sonntag aber gehörte der Bürkliplatz nur den Fussgängern und vor allem den Läufern. Die Ampeln sind abgestellt, auf den Bänken wartet man nicht auf das Tram, sondern auf den Bekannten, der sich als einer der rund 3200 Marathonläufer auf den 42 Kilometern schindet, oder wie rund 2700 andere am zehn Kilometer langen Cityrun teilnimmt. Vielleicht gehört er auch zu einem der 900 Teams, die den Marathon als Staffellauf bewältigen.

Maurus Strobel, Medienverantwortlicher des Anlasses, sagt, man habe an der zwölften Ausgabe des Zürich Marathons den Zuschauern etwas mehr bieten wollen. Deshalb steht am Bürkliplatz neben den Wurst- und Magenbrotständen auch zum ersten Mal eine Grossleinwand. Auf ihr sind Live-Bilder vom Wendepunkt in Meilen und auch vom Zieleinlauf zu sehen. Wer am Bürkliplatz steht, bekommt das wichtigste vom Rennverlauf mit, deshalb hat es hier so viel Publikum. Viermal überqueren die Läuferinnen und Läufer den Platz - bevor sie auf die lange Schlaufe nach Meilen und zurück einbiegen. Auf den letzten und entscheidenden vier Kilometern passieren sie den Bürkliplatz noch zweimal.

Es ist gegen halb elf Uhr, als die besten Läufer durch das Spalier der Zuschauer auf dem Platz rennen. Immer wenn einer der Läufer von der Quaibrücke her kommt und in die Bahnhofstrasse einbiegt, brandet Applaus auf, aufmunternde Worte fliegen ihm zu. Der Speaker, der sein kleines Büro mit Laptop und Startliste auf einer der Bänke der Tramhaltestelle aufgebaut hat, gibt Abstände durch und kündigt die nächsten Athleten an.

Als um 10.50 Uhr Mona Stockhecke als erste Frau vorbeiläuft, wird es richtig laut. Die Deutsche lebt in Zürich, trainiert beim LC Unterstrass und kämpft darum, die deutsche Limite für die EM-Teilnahme zu schaffen. Die Leichtathletik-Europameisterschaften finden im August in Zürich statt - Stockhecke hätte ein Heimspiel. Aber der Speaker meint, es werde knapp: Die letzten vier Kilometer muss sie in 13 Minuten absolvieren.

Nun schrumpfen die Abstände zwischen den Läuferinnen und Läufern. Das Publikum muntert sie unermüdlich auf.

Kurz vor elf Uhr sagt ein älterer Mann in bordeauxfarbener Wildlederjacke zu seiner Frau: «Jetzt musst du rufen, die Spirig kommt.» Von drei Läufern umgeben, rennt die Triathlon-Olympiasiegerin über den Bürkliplatz. Das Publikum jubelt, treibt sie an. Es könnte knapp werden mit der Schweizer Limite. Spirig läuft nicht mehr rund, sondern eckig. Sie kämpft und die Zuschauer fiebern mit.

Dann erscheinen auf der Grossleinwand aktuelle Bilder aus Meilen. Am Wendepunkt tragen die Teilnehmer einen anderen Kampf aus. Hier geht es nicht um eine EM-Limite, sondern darum, das Ziel zu erreichen. Etliche gehen dort einige Meter und verpflegen sich in Ruhe.

Hinter der Leinwand dreht sich ein Kinderkarussell unablässig im Kreis. Es gehört zu einer kleinen Chilbi, die in dieser Phase des Rennens jedoch unbeachtet bleibt.

Um neun Minuten nach elf erreicht Nicola Spirig, aus der Talstrasse kommend, wieder den Bürkliplatz. Wieder jubeln die Zuschauer. Als sie vorbei ist, braust ein Motorrad los, auf dem hinter dem Fahrer ein Kameramann sitzt. Dieser filmt die Zürcherin auf dem letzten Kilometer.

Zu diesem Zeitpunkt ist Mona Stockhecke bereits im Ziel. Sie hat den Frauen-Marathon zwar gewonnen, aber die deutsche Limite um drei Sekunden verpasst.

Auf dem Bürkliplatz treffen nun Personen mit Plakaten und Transparenten ein. Sie warten auf ihre Verwandten und Freunde, die dreieinhalb Stunden und länger brauchen werden. Einer hat auf sein Plakat geschrieben, am Ziel gebe es Bier und Burger, eine andere, dass der Actionfilm-Schauspieler Chuck Norris nie einen Marathon gelaufen sei. Kommt einer dieser Freunde vorbei, ist der Lärm lauter als zuvor bei der Olympiasiegerin.

Spirig hat sich übrigens die EM-Teilnahme gesichert. Und auch das Zürcher Marathonpublikum ist bereit für den Grossanlass.