Fall Hirschmann
Anwälte der mutmasslichen Opfer verlangen Geld und Haft wegen Fluchtgefahr

Nebst einer Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis könnte auf Carl Hirschmann auch eine grosse Rechnung zukommen: Die Opfer-Anwälte forderten gestern vor dem Zürcher Bezirksgericht hohe Genugtuungen. Zusätzlich soll er in Haft genommen werden.

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Carl Hirschmann taucht in einem grauen Anzug auf
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Carl Hirschmann auf dem Weg zum Bezirksgericht (7. September 2011)
L.W., eine der Klägerinnen, mit Familie
Carl Hirschmann vor dem Bezirksgericht Zürich
Das Medieninteresse am Prozess ist riesig

Carl Hirschmann taucht in einem grauen Anzug auf

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Der Anwalt des ersten Opfers verlangt eine Genugtuung von 20'000 Franken sowie eine Entschädigung von 49'617 Franken. Er vertritt jene junge Frau, die Hirschmann im Jahr 2005 auf einer Toilette zum Oralsex und zum Schlucken des Spermas gezwungen haben soll, indem er ihr den Mund zuhielt. Diese Tat gilt rechtlich zwar als sexuelle Nötigung, gemäss Anwalt ist die Tat von der Schwere her aber «einer Vergewaltigung ähnlich». Für Vergewaltigungen sind Genugtuungen von 15'000 bis 30'000 Franken üblich.

«Freiwilliger Sexualakt»

Die Anwältin des zweiten Opfers fordert 42'800 Franken Entschädigung sowie 15'000 Franken Genugtuung wegen sexueller Nötigung und Körperverletzung. Ihre Mandantin soll von Hirschmann auf dem Dach des Clubs Saint Germain mit Gewalt zum Oralsex gezwungen und dann verprügelt worden sein, weil sie sich mit einem Biss in den Penis gewehrt haben soll.

10'000 Franken für das Zürcher Frauenhaus

Der dritte Opfer-Anwalt, jener der 20-jährigen Studentin, mit der Hirschmann eine «Amour fou» führte, forderte eine Genugtuung von 10'000 Franken. Diesen Betrag soll Hirschmann im Namen des Opfers dem Zürcher Frauenhaus spenden.

Weiter soll er seiner Ex-Gespielin einen Schadenersatz von 160'100 Franken bezahlen. Hirschmann räumt in diesem Fall selber ein, dass es Tätlichkeiten gegeben habe, allerdings von beiden Seiten. Die Anklage wirft ihm jedoch vor, die junge Frau grün und blau geprügelt zu haben.

Angst vor Flucht

Einer der Opfer-Anwälte im Fall Carl Hirschmann befürchtet, dass der Angeklagte nach dem Prozess am Zürcher Bezirksgericht flüchten könnte. Angesichts einer drohenden, mehrjährigen Haftstrafe sei der Beschuldigte in Haft zu nehmen.

Es gebe Hinweise, dass Hirschmann am kommenden Wochenende an die Fashion-Week in den USA fliegen wolle, sagte der Opfer-Anwalt am Donnerstag während des Prozesses. Diese Veranstaltung beginnt am heutigen Donnerstag und dauert eine Woche lang. «Es besteht eminente Fluchtgefahr». Er befürchte, dass Hirschmann sich absetze und eine Strafe «nie antritt».

Der Fall weckt Erinnerungen an Regisseur Roman Polanski. Dieser entkam einem Vergewaltigungsverfahren in den USA, indem er sich nach Frankreich absetzte. Polanski flüchtete 1978, noch bevor der Prozess abgeschlossen war.

(sda)