Frau Fischer, in welchem Zustand ist Ihre Mandantin, die 27-jährige Mutter aus Flaach?

Daniela Fischer: Man muss auseinanderhalten, wie es ihr körperlich und psychisch geht. Körperlich ist sie schwach. Als ich sie am Montag in der psychiatrischen Klinik besuchte, hat sie gelegen. Wegen der Verletzungen, die sie sich selber zugefügt hat, kann sie nur flüstern und hat ein Pflaster am Hals. Psychisch geht es ihr so, wie man es den Umständen entsprechend erwarten könnte. Sie ist unter intensivster psychiatrischer Beobachtung.

Wann hatte Ihre Mandantin Sie erstmals kontaktiert?

Sie war erstmals am Nachmittag des 18. Dezember bei mir. Das war, nachdem sie von der Kesb mündlich erfahren hatte, dass die Kinder nach Weihnachten zurück ins Heim müssen. Sie war verzweifelt deswegen, aber bei weitem nicht so verzweifelt wie andere Mütter, die wir in den vielen Kesb-Fällen in unserer Kanzlei erleben. Sie war kämpferisch und hat mich deswegen eingeschaltet. Sie war sogar guten Mutes. Ich habe sie als ganz normal erlebt.

Der Bezirksrat lehnte eine superprovisorische Anordnung ab. Die Kinder hätten deshalb am 4. Januar zurück ins Heim müssen. Wie informierten Sie Ihre Mandatin darüber?

Ich habe ihr am Vormittag des 1. Januar den Entscheid per E-Mail zugestellt. Kenntnis davon hatte ich schon am Vortag, ich wollte ihr aber nicht auch noch den Silvester verderben. Im E-Mail, das ich in den letzten Tagen viele Male wieder gelesen habe, stellte ich klar, dass es sich nur um einen Zwischenentscheid handelt. Dass nichts in Stein gemeisselt ist und dass wir weiterkämpfen müssen. Ich schrieb, sie soll am Montag, also am 5. Januar, bei mir in der Kanzlei vorbeikommen und wir könnten uns dann weiter absprechen. Ich versuchte, ihr sehr viel Mut zu machen.

Ruedi Winet, Präsident der Kesb-Vereinigung, sprach in den Medien von einem «grauenvollen Missverständnis»: Ihre Mandantin habe ein Datum falsch gedeutet.

Nein. Das ist komplett erfunden. Meine Klientin hat auch verstanden, dass die Beschwerde als solches noch hängig war. Ausschlaggebend war wohl – so schätze ich ihr Verhalten ein –, dass die Kinder den definitiven Entscheid im Heim abwarten sollten.

Wann hatten Sie Ihre Mandantin zuletzt gesehen?

Seit unserer Begegnung am 18. Dezember gar nicht mehr. Wir standen in telefonischem und schriftlichem Kontakt.

Hatten Sie je den Eindruck, dass sich ihr Zustand verschlechtert hat?

Nein, überhaupt nicht. Wenn ich jeweils Informationen von ihr benötigte, schickte sie mir das Material innerhalb eines Arbeitstages zurück. Das hat alles reibungslos funktioniert.

Wie erlebten Sie die Tage seit dem 1. Januar?

Seit mich der Vater der Klientin über die Tat informierte, hatte ich keine ruhige Minute mehr. Ich muss einfach funktionieren. Es herrscht viel Informationsbedarf der Öffentlichkeit. Das Medieninteresse ist abartig. Laufend nehme ich Anrufe entgegen, treffen Mails ein. Personen berichten mir von ihren schlechten Erfahrungen mit der Kesb und bitten um meine Hilfe.

Wie erlebten Sie die Kesb?

Ehrlich gesagt: gar nicht. Ich hatte mit der Kesb zu tun, als ich die Akten bestellte, nachdem meine Mandantin bei mir war. Erst am 23. Dezember hörte ich wieder von der Kesb. Man liess mir ausrichten, sie hätten mich nicht erreicht und sie könnten die Akten nicht vor Jahresende versenden.

Hätte die Kesb aus Ihrer Sicht etwas besser machen müssen?

Ich tue mich schwer mit Generalkritik. Das machen jetzt andere genug. Für mich war die Zusammenarbeit mit der Kesb insofern schwierig, als dass ich nicht an die Akten kam, die ich benötigte. Und weil sie einen Entscheid fällten und dann in die Ferien gingen, ohne erreichbar zu sein. Mit den Akten hätte ich meine Mandantin umfassender und besser beraten können.

Die Grosseltern der Familie sind in den Medien sehr präsent. Wie finden Sie dieses «Vorpreschen» im Hinblick auf das laufende Strafverfahren?

Ich kann verstehen, dass sie ihr Unverständnis publik machen wollen. Ihre Aussagen werden das Strafverfahren ihrer Tochter nicht negativ beeinflussen.

Was als Kesb-Fall begann, ist jetzt eine Strafuntersuchung wegen zweifacher Tötung. Bleiben Sie die Vertreterin Ihrer Mandantin?

Ja. Meine Mandantin hat das am Montag so gewünscht, auch gegenüber der Staatsanwaltschaft. Nun wird es weitere Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft geben. Rechtsmedizinische Gutachten werden erstellt, Zeugen und Umfeld befragt. Vielleicht wird auch das Kesb-Verfahren untersucht, um die Situation meiner Mandantin zu erfassen. Die nächste Einvernahme meiner Mandantin wird, wegen ihrer gesundheitlichen und psychischen Verfassung, vermutlich erst nächste Woche stattfinden.