Kunsthaus Zürich

Anton Monn: «Wir mussten die Notbremse ziehen.»

Die Rekurrenten wollen eine neue Lösung für die Erweiterung. Anton E. Monn ist archäologischer Mitarbeiter und ehemaliges Vorstandsmitglied des Zürcher Heimatschutzes. Er hat einen anderen Vorschlag für den Ausbau des Kunsthauses.

Die Stiftung Archicultura, der Sie nahestehen, versucht den vom Volk bereits bewilligten Erweiterungsbau des Kunsthauses mit rechtlichen Mitteln zu verhindern. Wollen Sie ein Vorhaben vereiteln, das für Kunstinteressierte von grosser Bedeutung ist?

Anton Monn: Wir mussten die Notbremse ziehen, und sahen nach dem Volksentscheid, der viel knapper ausgefallen ist, als die Promotoren des Erweiterungsbaus gedacht hatten, eine gute Chance dafür.

Warum?

Damit in ein so tolles Gebiet nicht einfach ein Riesenklotz gestellt wird, wie ihn David Chipperfield vorsieht. Ich mache ihm keinen Vorwurf, er hatte ein riesiges Raumvolumen unterzubringen. Beim Areal handelt sich um ehemaliges Schanzengebiet, das noch durchgrünt ist, mit der Alten Kantonsschule mit ihrer grosszügigen Freitreppe als herausragendem Blickpunkt. Überall in Europa versucht man, die alten Schanzen als Grünräume zu erhalten, so weit sie noch bestehen, nur in Zürich baut man sie an einem sehr sensiblen Ort zu.

Das Kunsthaus braucht mehr Raum.

Diesen soll es auch erhalten. Wir machen den Vorschlag, die Alte Kantonsschule, aus der die Pädagogische Hochschule eben ausgezogen ist, zusammen mit weiteren Gebäuden, etwa dem Schulhaus Wolfbach und dem Schanzenberg, dem Kunsthaus zur Verfügung zu stellen. Die Sammlung Bührle könnte in der Alten Kantonsschule sehr schön untergebracht werden, die Looser-Sammlung im Wolfbachschulhaus. Die beiden historischen Turnhallen am Heimplatz liessen sich für Events nutzen, und dazu hätte es Raum für einen grosszügigen Skulpturengarten sowie für schönes Kunsthaus-Café unter Bäumen. Es tut mir als Kunstliebhaber weh zu sehen, dass man, um Raum für Kunst zu gewinnen, eine Situation zerstören will, die städtebaulich von hohem Wert ist.

Dann wird die Stiftung Archicultura den Entscheid des Baurekursgerichts, sie nicht als zu einem Rekurs berechtigt einzustufen, anfechten?

Das wird geprüft. Ohne dieser Abklärung vorzugreifen, denke ich, dass wir mit einer Beschwerde beim Verwaltungsgericht gute Chancen hätten. Die Archicultura, die sich um die Orts- und Landschaftsbildpflege verdient gemacht hat, hat schon in anderen Fällen rekurriert, ohne dass ihre Rekurslegitimation angezweifelt wurde. Sie ist gesamtschweizerisch tätig. Es ist natürlich ein Kampf David gegen Goliath. Aber wenn die Befürworter des Kunsthausneubaus sich mit uns zusammensetzen, um eine neue und diesmal eine gute Lösung zu finden, sind wir dazu gerne bereit.

Anton E. Monn ist archäologischer Mitarbeiter und ehemaliges Vorstandsmitglied des Zürcher Heimatschutzes.

Meistgesehen

Artboard 1