Der neue Direktor der von Krisen geschüttelten Stadtzürcher Dienstabteilung Entsorgung und Recycling (ERZ), Daniel Aebli, hatte gestern seinen ersten grossen Auftritt vor den Medien. Er ist Nachfolger von Urs Pauli, den die Stadt fristlos entliess, weil er unter anderem eine schwarze Kasse führte und happige Mehrkosten verschleierte.

Während Pauli einen teuren Dienstwagen fuhr, ist Aebli mit dem Velo unterwegs, wie dieser beiläufig erwähnte. «Neue Bescheidenheit», nennt Aebli diesen Stil. Er wolle damit Vorbild sein für seine 900 Mitarbeitenden, zu denen Müllmänner und Strassenreiniger zählen.

Aebli trat mit Stadtrat Richard Wolff (AL) auf, der ebenfalls neu ist. Er steht dem Departement Tiefbau und Entsorgung (TED) erst seit Juni vor. Der Nachfolger von Filippo Leutenegger (FDP), unter dem die ERZ-Wirren ans Tageslicht kamen, sagte gleich zu Beginn, worum es ihm geht: «Ich will den ramponierten Ruf des ERZ wieder herstellen.»

Was genau im ERZ schief gelaufen ist und warum es so spät aufflog, ist Gegenstand von zwei noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen. Die eine führt die Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), die andere hat der Stadtrat extern in Auftrag gegeben. Wolff sagte, er habe mit einer Zwischenbilanz nicht warten wollen, bis alle Ergebnisse vorlägen. Denn schon jetzt sei vieles klar.

Einfachere Strukturen

«Das ERZ ist im Patronalstil geführt worden», sagte Aebli. Das fördere Missbrauch und Fehlleistungen. Organisatorische Neuerungen sollen das inskünftig verhindern. Bis jetzt hatte jede Abteilung ihren eigenen Rechtsdienst, ihre eigene Beschaffung und ihr eigenes Controlling. Neu sind solche Querschnittsfunktionen zentralisiert worden.

Verkleinert wurde auch die Geschäftsleitung. Aebli will einige Schlüsselpositionen neu besetzen und generell Strukturen vereinfachen. Die sogenannten Brands «sauberes Zürich» und «sauberes Wasser» schafft er ab. Identität sei zwar wichtig, «aber diese verschiedenen Hüte braucht es nicht», sagte Aebli. Deswegen werde ERZ kein langweiliger Verwaltungsbetrieb.

Wolff und Aebli präsentierten auch folgende Neuigkeit: Das ERZ übernimmt auf Anfang 2019 die 32 Mitarbeitenden der Rolf Bosshard AG (RBAG). Die Stadt kaufte diese Firma 2005 in marodem Zustand und schanzte ihr Aufträge zum Papier- und Kartonsammeln zu.

Das Problem: Die Stadt schrieb die Aufträge nicht aus und bezahlte die Angestellten schlechter als das übrige Stadtpersonal. Als die Probleme ans Licht kamen, kündigte Filippo Leutenegger alle Verträge mit der RBAG, worauf die linke Mehrheit im Gemeinderat eine Motion überwies, welche die Rekommunalisierung der Firma verlangt. Genau dies geschieht nun, sofern der Gemeinderat der Job-Übernahme zustimmt. Die RBAG soll dann liquidiert werden.

Was mit anderen Baustellen im ERZ passiert, ist noch offen. Eine davon ist eine Betriebswerkstatt, die Dienstleistungen für städtische Fahrzeuge anbot. Sie produzierte Jahr für Jahr verschleierte Defizite, die durch Abwassergebühren querfinanziert wurden. Eine externe Firma analysiere die Sache nun, sagt Abeli.

Probleme nur oben

Er und Wolff bemühten sich ansonsten, das ERZ auch positiv darzustellen. Er habe einen modernen, effizienten Industriebetrieb angetroffen, in dem es auffallend viele kleine und gut funktionierende Teams gebe, sagte der neue Direktor. Und Wolff sprach den ERZ-Mitarbeitern sein Vertrauen aus: «Das was schief lief, betraf nur die oberste Ebene.»

Für die Müllmänner stellte Aebli eine kleine Verbesserung in Aussicht: Er lässt Abfallkübel bauen, die sich besser leeren lassen. Unter die Lupe genommen hat Aebli auch die Zürisäcke und festgestellt, dass sie ökologisch nicht die weltbesten sind. Der abbaubare Anteil der Säcke soll von 60 auf rund 80 Prozent erhöht werden. Ausserdem denkt Aebli darüber nach, wie sich die Abfallmenge reduzieren lässt. Konkretes konnte er dazu noch nicht sagen.