Coronavirus

Ansteckungsgefahr zu hoch: Auch die Gymis starten wohl mit Halbklassen

So gedrängt wie in dieser Klasse darf der Unterricht in nächster Zeit nicht stattfinden. Archivbild: Keystone

So gedrängt wie in dieser Klasse darf der Unterricht in nächster Zeit nicht stattfinden. Archivbild: Keystone

Sollten die Mittelschulen am 8. Juni wieder aufgehen, ist kein voller Präsenzunterricht möglich. Zu streng sind die Vorgaben des Bundes.

Die Zürcher Gymnasien werden vor den Sommerferien wohl nicht mehr zum Normalbetrieb übergehen können. Grund dafür sind die Grundprinzipien, die das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an Mittelschulen und Berufsfachschulen ausgearbeitet und letzte Woche publiziert hat. Sie sind wegleitend für die Schutzkonzepte, die die kantonalen Behörden erarbeiten müssen.

Die Vorgaben unterscheiden sich in einem Punkt wesentlich von den Auflagen, die für die bereits wieder eröffnete Volksschule gelten. Dort müssen nur Lehrerinnen und Lehrer die Abstandsregel einhalten, nicht aber die Schüler untereinander, da Kinder nicht als besonders ansteckungsgefährdet gelten. Die Jugendlichen an den Mittelschulen sollen hingegen untereinander auf Distanz gehen.

«Jugendliche haben gemäss aktuellem Stand des Wissens ein mit erwachsenen Personen vergleichbares Risiko für eine Covid-19-Erkrankung und eine Übertragung auf andere Personen», lautet die Begründung des SBFI. Es schreibt deshalb vor, dass in den Unterrichtsräumen jeder Person vier Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen. Nur so sei der Abstand von zwei Metern gewährleistet.

«Damit ist klar, dass der ­volle Präsenzunterricht nicht möglich sein wird», sagt Niklaus Schatzmann, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamts. Er bestätigt damit einen ­entsprechenden Bericht der «NZZ». Ein Klassenzimmer, in dem sich 20 Personen aufhalten, müsste beispielsweise mindestens 80 Quadratmeter gross sein. Über so grosse Räume ­verfügen die Mittelschulen nicht.

Somit müssen die Klassen an den Gymnasien aufgeteilt werden – ähnlich wie in der Volksschule, wo die Schüler seit heute vor einer Woche in Halbklassen unterrichtet werden. Auch der Kanton Bern hat ­bereits angekündigt, dass er auf flächendeckenden ­Präsenzunterricht an den ­Mittelschulen verzichten will.

Viele Details sind noch unklar

Die Gymnasien sollen, so ist es im ursprünglichen Fahrplan vorgesehen, am 8. Juni wieder mit dem Präsenzunterricht ­beginnen. Den definitiven ­Entscheid darüber will der ­Bundesrat am 27. Mai fällen. Den Kantonen bleibt somit noch etwas Zeit, um ihre je­weiligen Konzepte für den Unterricht auszuarbeiten. Wie der Unterricht an den Zürcher Mittelschulen im Detail ab­laufen wird, steht deshalb noch nicht fest. «Wir stehen am Anfang der Planung», sagt Schatzmann.

Klar ist lediglich, dass nicht parallel zueinander Präsenz- und Fernunterricht stattfinden soll. Organisatorisch und personell wäre das kaum zu stemmen. Gemäss Schatzmann wird es auf eine Mischform aus Präsenzunterricht und selbstorganisiertem Lernen zuhause hinauslaufen. Er sieht darin auch eine Chance. «Wir haben in den vergangenen Wochen gesehen, dass viele Jugendliche sehr gut in der Lage sind, einen Arbeitsauftrag selbstständig auszuführen – viel besser, als wir dies erwartet haben.» Hier gebe es also einen positiven Lerneffekt.

Aus Sicht des Amts braucht es zudem ein pädagogisches Konzept, das nicht nur für die ersten Wochen funktioniert, sondern auch über längere Zeit hinweg. Die Mittelschulen sollen nämlich vorbereitet sein für den Fall, dass sie auch nach den Sommerferien ihren Normalbetrieb noch nicht aufnehmen können.

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