Am Morgen rasch ein Redbull zum Aufwachen, über Mittag Fischstäbchen vor dem Fernseher und abends gibt es dann eine richtige Mahlzeit, weil Mama zu Hause kocht. So oder ähnlich können die Essgewohnheiten vieler Jugendlicher zusammengefasst werden. Zusätzlich betreiben die meisten viel Daumensport vor dem Bildschirm.

Die motivierten Freestylesportler und Köche von «Gorilla», einem nationalen Programm für Gesundheitsförderung, wollen Jugendlichen zeigen, dass das Leben doch mehr zu bieten hat. Frei nach dem Motto «Das Leben braucht mehr Uga-Uga» möchten sie die Schüler der 2. und 3. Sek B in Dübendorf dazu anstiften, mehr Freude an Sport und guter Ernährung zu haben. Denn das wiederum führt zu mehr Leistungsfähigkeit und auch mehr Spass im Leben allgemein. Die Idee besteht darin, dass diese Erkenntnis für einmal nicht von den Eltern oder Lehrern aufgezeigt wird, sondern von jungen, sportlichen Menschen, die diese Prinzipien selbst vorleben, statt zu predigen.

Als Erstes erhält jede und jeder der knapp 100 Schülerinnen und Schüler eine Wasserflasche, denn genug trinken ist essenziell. Danach gehts ab in die Workshops. Die «Gorillas» stellen an diesem Tag die Freestylesportarten Capoeira, Footbag, verschiedene Skate-Arten und Breakdance vor. «Es sind nicht immer dieselben Sportarten vertreten, aber wir wollen immer eine grosse Palette von Bewegungsformen anbieten, die die Kids sonst vielleicht nicht so kennen», erklärt der Zürcher Jojo Linder, der die Workshops mitorganisiert. Seit «Gorilla» vor rund vier Jahren gegründet wurde, erreicht die Initiative jährlich etwa 150'000 junge Menschen zwischen 10 und 18 Jahren mit dem Ziel, ihnen zu einem gesunden Körpergewicht zu verhelfen – und das auf trendige Art.

«Macht mal alle ein Rad», sagt Nicolas «Artista» Nägeli, der den Capoeira-Teil leitet. Er erntet ein paar fragende Blicke. «Sie, ich kann das nicht», rufen bereits die ersten Jugendlichen. Doch «Artista» kann sie beruhigen: «Für die, die es nicht können, gilt: Es kann übrigens jeder alles.» Kurz zugeschaut, wies geht, schaffen nach wenigen Minuten tatsächlich alle Schüler nicht nur ein Rad auf die eine Seite, sondern auch auf die andere. «So wird auch das Selbstvertrauen gestärkt, ein sehr positiver Nebeneffekt», verrät «Artista» anschliessend.

Zum Znüni steht draussen ein grosses Buffet mit Früchten, Müesli, Joghurt, Nüssen und vielem mehr bereit. Neben Geschichten über den Vitaminmangel der Seefahrer lernen die Schüler auch einfache Tricks, um sich ausgewogen zu ernähren: «Verschiedene Farben der Früchte oder des Gemüses entsprechen auch verschiedenen Vitaminen», erklärt Jojo Linder. Auch über Kohlenhydrate, Proteine und alle anderen wichtigen Nahrungsbestandteile weiss er bestens Bescheid. Als ein Junge sämtliche Inhaltsstoffe eines Joghurts aufzählen kann, fragt Linder verblüfft nach, woher er das weiss. Die Antwort: «Schauen Sie nie ‹Galileo›?» Über die Nahrungspyramide wissen viele Jugendliche ebenfalls Bescheid – aus dem Kochunterricht.

Anschliessend steht wieder Sport auf dem Programm. Oben auf dem Platz wagen sich einige auf Skateboards eine Rampe hinunter, während andere auf Slalomboards einen Parcours abfahren. «Man muss sich nur ein bisschen vorbeugen, in die Knie gehen und etwas Mut haben», sagt Alessandra (15), die es auf Anhieb die Rampe runter geschafft hat. Kein Wunder, denn bei «Gorilla» lernt man von den Besten, wie beispielsweise Jugendeuropameister und Schweizer Meister Kilian Zehnder. Nebenan zeigt Flavio Lötscher, mehrfacher Schweizer Meister im Footbag, was man mit dem kleinen, mit Sand oder Granulat gefüllten Stoffball alles anstellen kann. Die beobachtenden Schüler sind beeindruckt von den Tricks.

Nach einem ausgewogenen und bunten Mittagessen geht es nachmittags weiter zu einem Postenlauf, wo die Jugendlichen erfahren, woher ihr Essen stammt und weshalb die Abfalltrennung wichtig ist. Sie haben aber auch die Gelegenheit, sich zu gesunden, frisch gemixten Shakes zu entspannen und mit den Trainern zu plaudern. Hier wird das Konzept der Schtifti Foundation, die hinter dem Programm «Gorilla» steht, sichtbar. Der praktische Bezug und der entspannte Umgang mit den Trainern bietet den Schülern einen ungezwungenen Zugang zu gesunder Bewegung und ausgewogener Ernährung, der über Autoritätspersonen so kaum möglich wär. Statt Belehrungen soll «Gorilla» ein modernes, cooles Lebensgefühl vermitteln. Dieses Unterfangen stösst auch beim Lehrpersonal auf positive Resonanz: «Ich hoffe, wir können solche Tage nun regelmässig durchführen», zeigt sich Klassenlehrerin Andrea Steiger begeistert über den sportlichen Tag.