Bestechungs-Skandal
Ans Oktoberfest auf Kosten des Milieu: Verfahren gegen 6 weitere Polizisten

Passive Bestechung und Vorteilnahme lautet der Vorwurf gegen sechs weitere Sitten-Polizisten der Zürcher Stadtpolizei. Damit sind nun 11 von insgesamt 17 Milieu-Polizisten im Fokus der Staatsanwaltschaft. Die Beamten sind weiterhin im Dienst

Remo Hess
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Die begehrten Plätze am Oktoberfest auf dem Zürcher Bauschänzli wurden den Sittenpolizisten von einem Milieu-Wirt spendiert.

Die begehrten Plätze am Oktoberfest auf dem Zürcher Bauschänzli wurden den Sittenpolizisten von einem Milieu-Wirt spendiert.

Die Affäre um die unter Korruptionsverdacht stehenden Sittenpolizisten der Stadt Zürich zieht weitere Kreise. Zusätzlich zu den drei sich in U-Haft befindenden Polizisten wird nun gegen 6 weitere Polizisten ein Strafverfahren wegen passiver Bestechung und Vorteilnahme eröffnet, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet.

Die Verdachtsmomente kamen im Zuge der Ermittlungen gegen die fünf Hauptverdächtigen, wovon sich drei noch immer in U-Haft befinden, zu Tage.

Konkret handelt es sich um eine Einladung ans Oktoberfest auf dem Bauschänzli in Zürich von 2012. Diese Tischreservation, welche jeweils 70 Franken pro Person kostet, soll der Wirt des «Schweizer Degen» spendiert haben. Im einschlägigen Kreis-4-Lokal schaffen bekannter Weise Prostituierte an und die Beamten dürften beruflich öfters da verkehrt haben.

Keine Geschenke über 50 Franken

Wirte erhalten als Kunden von der Bierbrauerei Feldschlösschen Gutscheine für Tischreservationen für das Oktoberfest. Konsumationen müssen selbst berappt werden. Der Wirt des «Schweizer Degen» trat diese Gutscheine an die Polizisten ab.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei, hält fest, dass es sich aus Sicht der Stadtpolizei beim mutmasslichen Vorfall «höchstens um einen einmaligen Verstoss gegen eine interne Dienstvorschrift» handelt. Diese sieht vor, dass keine Geschenke über 50 Franken angenommen werden dürfen. Für Geschenke und Gefälligkeiten über 50 Franken, so Cortesi, müsse eine Bewilligung eingeholt werden.

Rund zwei Drittel sind betroffen

Nun wird also insgesamt gegen 11 von 17 Polizisten der Fachgruppe Sexualdelikte/Milieu der Zürcher Stadtpolizei ermittelt. Ob neben den sechs besagten Milieu-Polizisten plus einige der letzten Woche inhaftierten Beamten noch weitere Polizisten von der Vorteilnahme am Oktoberfest profitierten ist noch unklar. Anscheinend nicht betroffen von der Angelegenheit jedoch ist die Leiterin der Fachgruppe.

Die Stadtpolizei wartet die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ab. Die sechs Beamten seien weiterhin im Dienst, so Cortesi zur NZZ.