Gammelhäuser

Anklage wegen Mietzinswucher erhoben – nun droht bedingte Freiheitsstrafe

Die Polizei nahm damals den Liegenschaftsbesitzer Peter S. aus Küsnacht und drei Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung fest.

Die Polizei nahm damals den Liegenschaftsbesitzer Peter S. aus Küsnacht und drei Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung fest.

Rund viereinhalb Jahre nach der Razzia im Zürcher Langstrassenquartier hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gewerbsmässiger Mietzinswucher erhoben. Randständige mussten für schäbige kleine Zimmer 1100 Franken pro Monat bezahlen.

Die Liegenschaften an der Neufrankengasse 6 und 14 sowie an der Magnusstrasse 27 im Zürcher Langstrassenquartier erlangten im Oktober 2015 nationale Bekanntheit als «Gammelhäuser». Damals befragten Kantons- und Stadtpolizei Zürich zusammen mit der Staatsanwaltschaft 120 Bewohner der drei Mehrfamilienhäuser. Der Verdacht: Die Leute hatten deutlich überteuerte Mietzinse zu bezahlen. Für ein Zimmer mit rund 10 bis 20 Quadratmetern wurden Mietzinse von über tausend Franken pro Monat verlangt. Bei den Bewohnern handelte es sich um Personen aus sozial schwächeren Schichten, deren Wohnkosten teils die Sozialhilfe übernahm.

Zwei Monate und länger in Untersuchungshaft

Die Polizei nahm damals den Liegenschaftsbesitzer Peter S. aus Küsnacht und drei Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung fest – unter ihnen auch den Hauswart. Peter S. und zwei der Mitarbeiter blieben damals knapp zwei Monate in Untersuchungshaft, der Hauswart, der aus dem Libanon stammt, sogar länger. Ihm wurden weitere Delikte vorgeworfen und es herrschte Verdunkelungsgefahr.

Am 25. Februar – also rund viereinhalb Jahre nach der Razzia – hat die Staatsanwaltschaft gegen drei der vier Personen Anklage im abgekürzten Verfahren wegen gewerbsmässiger Mietzinswucher und weiterer Delikte erhoben. Für die drei Beschuldigten werden unter anderem bedingte Freiheitsstrafen sowie der Ausgleich des Schadens beantragt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Gegen die vierte Person sei das Verfahren eingestellt worden. Um wen es sich bei dieser Person handelt, schreibt die Staatsanwaltschaft nicht. Auch auf Anfrage gibt sie keine Auskunft. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Wirren um Hauskauf

Die Gammelhäuser befinden sich inzwischen im Besitz der Stadt Zürich. Sie hat dafür 32,3 Millionen Franken bezahlt und weitere Millionen in die Sanierung gesteckt. Der Zürcher Stadtrat geriet damals in die Kritik, weil er den Hauskauf in Eigenregie beschlossen hatte, ohne den Gemeinderat zu befragen.

FDP, SVP und CVP akzeptierten das Vorgehen des Stadtrats nicht und beschwerten sich beim Bezirksrat. Dieser stützte aber den Kaufentscheid des Stadtrats. Erst das Verwaltungsgericht gab den Beschwerdeführern recht und hob den Kauf auf. Der Stadtrat akzeptierte den Entscheid und liess das Geschäft nachträglich vom Gemeinderat absegnen.

SP, Grüne und AL reichten im Nachgang zu den Wirren um den Hauskauf eine Motion ein, welche dem Stadtrat mehr Kompetenzen beim Kauf von Immobilien einräumen ­sollte. Der Vorstoss wurde im November 2018 gegen die Stimmen von SVP, FDP und GLP überwiesen.

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