Zürich

Angst vor Randale: Polizei greift nicht ein

Trotz nächtlicher Lärmklagen und Anzeigen wegen Sachschaden: Die Polizei lässt die Aktivisten auf dem Binz-Areal gewähren.

Trotz nächtlicher Lärmklagen und Anzeigen wegen Sachschaden: Die Polizei lässt die Aktivisten auf dem Binz-Areal gewähren.

Binz-Areal Tätliche Angriffe auf Politiker und viele Lärmklagen – die dreitägige illegale Party wird dennoch toleriert

Auf dem seit zwei Jahren leerstehenden, zuvor über Jahre hinweg besetzten Binz-Areal in Zürich ist über das Wochenende eine grosse Party gefeiert worden. Bis zu 500 Personen haben sich laut der Stadtpolizei auf dem Gelände aufgehalten. Eingeschritten ist die Polizei nicht. Gestern Abend um 21 Uhr sind die letzten Besetzer, wie sie es angekündigt hatten, wieder abgezogen.

Die Polizei hatte sich zuvor zurückgehalten, obwohl der Kanton Zürich als Grundstückbesitzer die Räumung des Areals verlangt hatte, aus der Anwohnerschaft 50 Lärmklagen eingegangen waren und Politiker wie Stadtrat Filippo Leutenegger bei einem Augenschein vor allem verbal, aber auch tätlich angegangen und vom Gelände vertrieben worden waren. Tiefbauvorstand Leutenegger, der den ferienabwesenden Polizeivorstand Richard Wolff vertrat, sprach von einer Interessenabwägung: «Ich bin ja nicht derjenige, der einem Polizeieinsatz grundsätzlich abgeneigt wäre», sagte der FDP-Politiker gestern. «Aber der alternative Sachschaden wäre einfach zu gross gewesen.» Denn der Stadtrat und die Stadtpolizei befürchteten, dass es bei einem Polizeieinsatz zu grossen Ausschreitungen kommen könnte – und dies in der ganzen Stadt.

Da das grosse Fest der «Besetzer» gemäss einem Flugblatt auf drei Tage beschränkt war, entschieden sich die Verantwortlichen, den illegalen Anlass vorübergehend zu tolerieren. Leutenegger sprach von einem «bedauerlichen», aber «unumgänglichen Entscheid»: Ein Einsatz wäre, angesichts der möglichen Folgen und Schäden, einfach nicht vertretbar gewesen.

Die bürgerlichen Parteien sprachen gestern von einer «Kapitulationserklärung» des Zürcher Stadtrates. Die SP ruft «zu etwas Gelassenheit» auf; es sei niemand wirklich zu Schaden gekommen. Kommentar unten, Seite 17

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