Protest
Angehende Ärzte drohen der Universität Zürich

Die Zürcher Medizinstudenten prüfen rechtliche Schritte gegen die Universität Zürich. Sie wollen sich gegen die Erhöhung der Studiengebühren im so genannten Wahlstudienjahr wehren.

Anna Wepfer
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Die Universität Zürich will die Erhöhung der Studiengebühren nicht rückgängig machen.

Die Universität Zürich will die Erhöhung der Studiengebühren nicht rückgängig machen.

Keystone

Die Leitung der Universität Zürich hat kein Gehör für Medizinstudenten in finanziellen Nöten. Wie Sprecher Beat Müller bestätigt, will sie die umstrittene Erhöhung der Studiengebühren nicht rückgängig machen. Damit stösst die Universität die angehenden Ärzte vor den Kopf. Und sie erteilt dem Vorsteher der medizinischen Fakultät, Dekan Klaus Grätz, eine Abfuhr. Dieser hatte sich im Herbst hinter die Studierenden gestellt und eine Reduktion beantragt.

Es geht um 1300 Franken

Konkret dreht sich der Streit um 1300 Franken pro Studentin und Student. Um diese Summe hat die Unileitung im Sommer 2011 die Studiengebühr für das fünfte Jahr erhöht. Während dieses sogenannten Wahlstudienjahres absolvieren die Jungmediziner ein Praktikum in einem Spital. Sie haben während dieser Zeit nichts mit der Uni zu tun, ausser dass sie Angebote wie Bibliotheken, Mensen oder das Sportprogramm weiter nutzen dürfen. Entsprechend bezahlten sie jeweils nur eine symbolische Studiengebühr von 100 Franken. Neu müssen sie aber auch im Wahlstudienjahr die volle Jahresgebühr von 1400 Franken bezahlen.

Als Hauptgrund führt die Unileitung das Bologna-Regime an: Wer sich Leistungen in Form von Kreditpunkten anrechnen lassen wolle, müsse voll immatrikuliert sein – auch wenn es sich bei den Leistungen um ein auswärtiges Praktikum handelt. Das finden die Studierenden unfair: «Die Universität schiebt formalistische Gründe vor, um bei uns mehr Geld zu holen», sagt Martin Faltys vom Fachverein der Mediziner. Die höhere Gebühr spült jährlich bis zu 300000 Franken zusätzlich in die Unikasse.

Laut Universitätsleitung waren für den Gebührenentscheid nebst den Kreditpunkten aber ganz andere Gründe ausschlaggebend. Zunächst einmal sehe das Universitätsgesetz keine reduzierten Gebühren vor. Zweitens sei die Studiengebühr keine Entschädigung für konkrete Leistungen, sondern eine Pauschale, die für alle gelte. Und drittens müssten auch andere Studierende während Praktika und Auslandaufenthalten die volle Gebühr bezahlen.

«Es gibt noch Spielraum»

Vor allem Letzteres bezweifeln die Medizinstudenten aber. Denn auf der Homepage der Universität ist explizit davon die Rede, dass bei Austauschsemestern ein Teil der Studiengebühren entfällt. «Es stimmt also nicht, dass es für Reduktionen grundsätzlich keinen Spielraum gibt», so Faltys. Die Studierenden geben sich darum noch nicht geschlagen. «Bis jetzt haben wir mehr auf der Betroffenheitsschiene argumentiert. Jetzt gilt es, den Protest zu professionalisieren.» Auf welchem Weg, ist allerdings noch unklar. Derzeit prüfen die Mediziner mit Kollegen von der juristischen Fakultät, wie sie die Gebührenerhöhung rechtlich bekämpfen können.

Sollte das keinen Erfolg bringen, steht eine Beschwerde beim Ombudsmann zur Debatte, ebenso Lobbying im Kantonsrat, um einen politischen Vorstoss zu bewirken. «Auf jeden Fall wollen wir Licht in die undurchsichtige Gebührenpolitik der Universität bringen», sagt Faltys.

Den Studierenden rät er aber, sich dem neuen Regime vorerst zu beugen und die erhöhten Gebühren zu bezahlen. Falls der Fachverein in einem Verfahren Recht bekomme, könne das Geld zurückgefordert werden.