Tiefbauamt
Andres Türlers Amtsabgabe nicht politisch motiviert

Ruth Genners Stellvertreter Andres Türler wird von Sozialvorsteher Martin Waser im Tiefbauamt unterstützt. Er wolle und könne Ruth Genners Absenz nicht für politische Kurskorrekturen nutzen, sagt Türler.

Thomas Schraner
Drucken
Andres Türler

Andres Türler

Limmattaler Zeitung

Noch bis mindestens Anfang April ist Ruth Genner (Grüne), Vorsteherin des Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes (TED), wegen Herzproblemen krank geschrieben. Gestern teilte der Stadtrat mit, dass ihr Stellvertreter Andres Türler (FDP), Direktor der Industriellen Betriebe, ab sofort von Sozialvorsteher Martin Waser (SP) unterstützt wird.

Als ehemaliger TED-Vorsteher übernimmt Waser einen zentralen TED-Teilbereich, das Tiefbauamt. Dort laufen die Fäden für Verkehrsfragen zusammen. Türler bleibt zuständig für die TED-Abteilungen Grün Stadt Zürich, Entsorgung und Recycling, Geomatik und Vermessung.

Hat Türler das politisch sensible Tiefbauamt abgegeben, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, er fahre einen anderen Kurs als Genner? Türler winkt ab. Als Stellvertreter habe er einfach gesehen, dass das Tiefbauamt am meisten zu tun gebe. Daher habe er in der Stadtratssitzung den Antrag gestellt, es abgeben zu können. Waser habe sich als TED-Kenner spontan bereit erklärt, diese Aufgabe zu übernehmen.

Keine politische Slalomfahrt

Türler relativiert auch eine im «Tages-Anzeiger» gemachte Aussage, wonach er als Stellvertreter seine eigene politische Meinung einbringen werde. «Ein Departement ist wie ein Ozeandampfer. Sie können damit nicht Slalom fahren», sagt er. Wer einem Departement seinen Stempel aufdrücken wolle, müsse eine Strategie haben und über längere Zeit Vorsteher sein. Als Stellverteter könne und wolle er das nicht. «Ich würde damit nur Unruhe stiften und die Leute gegen mich aufbringen.» Allerdings bringe es die Arbeit mit sich, dass man da und dort seine Handschrift sehe. «Ich kann mich nicht verleugnen.» Letztlich sei er dem Stadtrat und nicht Genner Rechenschaft schuldig.

Türler bestätigt, dass die Doppelbelastung gross ist. Er arbeite bis spät in die Abende und auch an Samstagen und Sonntagen. «Das Privatleben kann ich mir abschminken.» Mit einer Prise Humor fügt er an: «Ich würde gerne wieder einmal etwas lesen, wo nicht das Zürcher Wappen draufsteht.» Eine zeitliche Begrenzung für seine Stellvertretung will er nicht setzen. Sie dauere so lange, bis Stadträtin Genner wieder zurückkomme. «Wir sind im Stadtrat ein Team, wir schaffen das.»

Aktuelle Nachrichten