Weil er so cool wirkt, nennen ihn im Kantonsrat einige «George Clooney». Wir treffen den 51-jährigen GLP-Politiker Andreas Hauri an seinem Arbeitsort in Zürich. Der Geschäftsleiter der KV-Bildungsgruppe präsentiert sich im verglasten Konferenzraum mit toller Panoramasicht. Angesprochen auf den Übernamen, schmunzelt Hauri und nippt am Kaffee. Er sehe dem Werbestar kein bisschen ähnlich, findet er. Mag sein. Trotzdem hat der Vergleich etwas: Der grau melierte Mann mit Bart, Brille und Gilet hat einen souveränen und lockeren Auftritt.

Diese beiden Eigenschaften kann einer gebrauchen, der für das Amt des Stadtpräsidenten kandidiert. Aber sie reichen nicht aus. Dass seine Chancen gering sind, weiss Hauri. Er fungiert für die GLP als Wahllokomotive, muss also aufs Ganze gehen, um etwas erreichen zu können. Es wäre bereits eine Sensation, eroberte er einen Stadtratssitz.

Frischen Wind bringen

Die jüngsten Wahlumfragen ermutigen Hauri. Sie brachten ihm immerhin Platz 10 ein – bei 14 Kandidierenden. Für den Wahlkampf kurvt er mit einem Elektro-Tuktuk in der Stadt herum. «Ich bringe frischen Wind in den Stapi-Wahlkampf. Ohne mich wäre er genau gleich wie vor vier Jahren.» Hauri findet, ein GLP-Stadtpräsident wäre ein idealer Vermittler zwischen den Polen. Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) mache zwar vieles richtig, verteidige aber lediglich das Erreichte.

Den Anspruch des linksgrünen Lagers auf 7 von 9 Sitzen hält Hauri für «ungesund». Diversität sei auch im Stadtrat wichtig. Kritisch beurteilt Hauri auch FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, der ebenfalls fürs Stadtpräsidentenamt kandidiert. Er rede im Wahlkampf vieles schlecht und schüre Ängste.

Als Geschäftsleiter der KV-Bildungsgruppe ist Hauri Chef von 2 festen und über 100 freien Mitarbeitenden. Mit ihnen konzipiert er neue Bildungsinhalte für Kaufleute. Dafür stehe er oft in Kontakt mit Arbeitgebern und Fachleuten, die wissen, was Angestellte in Zukunft können und wissen müssen. Hauri selber hat ebenfalls eine KV-Lehre absolviert – bei der damaligen Swissair, weil ihn die Firma und ihr grosses Fortbildungsangebot fasziniert hätten. Später bildete er sich zum Marketingleiter weiter und war in dieser Funktion bei verschiedenen Grossfirmen tätig. Unter anderem bei der ZKB. «Ich habe immer wieder neue Themen angepackt», sagt Hauri von sich.

Zur GLP stiess Hauri 2008 – vier Jahre nach der Parteigründung. Ein politischer Mensch sei er schon viel früher gewesen – dank den Diskussionen mit seinem Vater, der für die EVP im Klotener Gemeinderat sass. Er sei aber parteilos geblieben, weil ihm keine Partei zugesagt habe. Bis die GLP kam. An ihr gefalle ihm die Verbindung zwischen liberal und ökologisch. Die Grünen findet er zu einseitig und zu deckungsgleich mit der SP. Bei der FDP fehle ihm die Umweltpolitik.

Pragmatisch wie das Volk

«Das Links-Rechts-Schema ist komplett veraltet», findet Hauri. Es entspreche nicht dem Denken der Leute. Diese seien mehrheitlich pragmatisch eingestellt – wie die GLP. «Drei Viertel der Stadtbevölkerung denkt oder lebt grünliberal», sagt Hauri. Für ihn zeigt sich dies darin, dass die Mehrheit der Stadtzürcher kein Auto besitze, die Ehe für alle befürworte und gewerbefreundlich sei.

Wenn Hauri über sich und die GLP spricht, gebraucht er oft die Begriffe innovativ, progressiv und digital. Er fordert einen Digitalisierungsminister, einen Stadtrat also, der für die Digitalisierung zuständig ist und diese vorwärtstreibt. «Wir hinken in Zürich hinterher», sagt er, räumt aber ein, auf hohem Niveau zu kritisieren. Dennoch brauche es mehr Tempo, denn die Digitalisierung vereinfache das Leben der Bürger, sei es bei der Parkplatzsuche oder beim Verkehr mit den Ämtern.

Hauri ist geschieden, hat einen 25-jährigen Sohn und eine 22-jährige Tochter. 2001 zog er nach Zürich. Er wohnt zusammen mit seiner Tochter «in einer Art WG». Auch mit ihr diskutiere er über Politik. Sie ist aber nicht Mitglied der GLP – noch nicht.