Nach Fall Flaach
Andelfingen soll eigene Kinderschutzbehörde führen

SVP-Kantonsräte fordern in einem Vorstoss eine eigenständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) für den Bezirk Andelfingen. Diese ist Anfang Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil eine Mutter ihre zwei Kinder getötet hatte.

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Familiendrama in Flaach ZH

Familiendrama in Flaach ZH

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Zwei Zürcher SVP-Kantonsräte fordern in einer Parlamentarischen Initiative eine eigenständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) für den Bezirk Andelfingen. Dieser ist bis jetzt mit Winterthur zusammengeschlossen. Das Problem des Weinländer Bezirks ist aber seine Grösse.

Der Bezirk Andelfingen sei ein regulärer Zürcher Bezirk mit eigenen Strukturen und Behörden und keine Verwaltungseinheit von Winterthur, heisst es im am Donnerstag veröffentlichten Vorstoss der beiden Kantonsräte aus dem Weinland. Seine Bürger hätten Anspruch auf die gleichen Rechte wie im übrigen Kantonsgebiet.

Es sei rechtsstaatlich höchst bedenklich, dass dies beim Kindes- und Erwachsenenschutzrecht nicht der Fall sei. Besonders stossend erachten es die Initianten, dass bei Rekursen gegen KESB-Erlasse nicht der eigene Bezirksrat Andelfingen erstinstanzlich entscheide, sondern der Bezirksrat Winterthur.

Es gebe keinen Grund, Andelfingen als Sonderfall zu behandeln und herabzustufen, schreiben die Initianten. Ausserdem würden sich bestens geeignete Personen mit den nötigen Fähigkeiten für die Arbeit bei der KESB finden- vor allem wenn die starren Regeln bezüglich Mindestpensum und Ausbildung wegfallen würden.

Die Parlamentarische Initiative hat einen aktuellen Hintergrund. Die KESB Winterthur-Andelfingen war Anfang Jahr in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine Mutter in der Weinländer Gemeinde Flaach ihre beiden Kinder getötet hatte.

Die Behörde hatte ihr wegen eines Strafverfahrens das 2-jährige Mädchen und den 5-jährigen Knaben weggenommen und in einem Heim platziert. Über Weihnachten durften die Kinder zur Mutter nach Hause. Anstatt die beiden danach wieder zurück ins Heim zu bringen, tötete die Frau die Kinder am Neujahrstag.

Für Professionalisierung zu klein

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) entstanden, nachdem der Bund das Zivilgesetzbuch geändert hatte. Die Kantone mussten daraufhin ihr Vormundschaftswesen komplett neu organisieren. Die Behörden müssen seither aus mindestens drei Personen bestehen, professionell arbeiten und interdisziplinär zusammengesetzt sein.

Das Problem von Andelfingen ist aber seine Grösse. Der Bund schreibt nämlich auch vor, dass für einen eigenen KESB-Bezirk mindestens 50'000 Einwohner im Gebiet wohnhaft sein müssen. In den 24 Gemeinden des Bezirks Andelfingen leben aber nur knapp über 30'000 Einwohner.

Gemäss den Vorgaben des Bundes braucht es für eine Professionalisierung aber eine "kritische Menge" an Fallzahlen. Wenn man nur selten mit Fällen konfrontiert werde, fehle die nötige Erfahrung für eine Professionalisierung.

Ursprünglich kantonale Lösung geplant

Der Zürcher Regierungsrat hatte ursprünglich eine kantonale Lösung angestrebt, wie Benjamin Tommer, Sprecher der Direktion der Justiz und des Innern, gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. "Die Gemeinden haben dies aber mehrheitlich abgelehnt, sie wollten die Sache selber regeln."

Der Gemeindepräsidentenverband von Andelfingen sei damals auf Winterthur zugekommen und habe um eine Zusammenarbeit gebeten, sagte der Winterthurer Sozialvorstand Nicolas Galladé gegenüber der sda. "Restlos alle Gemeindepräsidenten des Bezirks haben für eine gemeinsame KESB unterschrieben." Der Vertrag könne aber jederzeit gekündigt werden.

Im Kanton Zürich existieren 13 interdisziplinär zusammengesetzte KESB. Zu diesem Zweck haben sich die Gemeinden - mit Ausnahme der Stadt Zürich - interkommunal organisiert. Mittels Anschlussvertrag oder Zweckverband schlossen sie sich zusammen. Der Regierungsrat legte die Kreise anschliessend fest.