Abstimmung Stadion Zürich
Ancillo Canepa und André Dosé gemeinsam am Ball

Die Präsidenten von FCZ und GC lancierten am Donnerstag den Abstimmungskampf fürs neue Hardturm-Stadion. Sie schicken einen Stadionbus in die Quartiere Zürichs.

Matthias Scharrer (Text und Foto)
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Donnerstagvormittag an der Zürcher Bahnhofstrasse: Ancillo Canepa (links) und André Dosé werben fürs neue Stadion Zürich.

Donnerstagvormittag an der Zürcher Bahnhofstrasse: Ancillo Canepa (links) und André Dosé werben fürs neue Stadion Zürich.

matthias scharrer

Zwei Männer in Hemd und Jackett spielen an der Zürcher Bahnhofstrasse Fussball, am helllichten Donnerstagvormittag. Beide tragen glänzende Lederschuhe, der eine Jeans, der andere eine Anzughose aus feinem Stoff.

Sie haben ein Stück Kunstrasen auf dem Trottoir ausrollen und eine Torwand an einem Bus befestigen lassen. Der Bus ist aussen mit Bildern von einem Fussballstadion verziert, das es noch nicht gibt.

Innen sind auf der einen Seite die Wappen aller 55 Stadtzürcher Fussballklubs mit ein paar statistischen Daten auf eine Plane gedruckt; auf der anderen Seite Stadionszenen aus alten Zeiten. Und in der Mitte steht ein Fernseher, auf dem eigentlich ein Werbefilm laufen sollte. Doch irgendwie funktioniert das noch nicht.

Die Männer sind eigentlich Stadtrivalen. Jetzt machen sie gemeinsame Sache. Die Sache ist: das neue Fussballstadion auf dem Hardturm-Areal, über das in der Stadt Zürich am
22. September abgestimmt wird.

Die Männer sind: Ancillo Canepa, Präsident des FC Zürich; und André Dosé, Präsident des Grasshopper Clubs Zürich. Sie schicken den für den Abstimmungskampf gestalteten Stadionbus auf Tournee durch die Quartiere.

Der Abstimmungskampf hat früh begonnen. Das Volk denkt derzeit wohl eher an Sommerferienpläne oder an die Zukunft der Schweizer Banken. Die Abstimmung über den 216-Millionen-Kredit für das Stadion Zürich scheint noch wenig präsent. Passanten, denen vier junge Frauen die Broschüre mit dem Titel «Zwei Clubs, ein Stadion» in die Hand drücken wollen, lehnen oft ab oder laufen einfach weiter.

Haben die Clubpräsidenten Bammel, dass das Stadionprojekt scheitern könnte, wie sein Vorläufer nach jahrelanger Planung?

Immerhin hat mit alt Stadtpräsident Elmar Ledergerber kürzlich der einstige Stadion-Promotor schlechthin vor laufender Kamera des Schweizer Fernsehens gesagt: «Nach all diesen Geschichten mit den Hooligans bin ich nicht mehr bereit, 300 Millionen Franken aus Steuergeldern in ein solches Stadion zu investieren.»

Ledergerber rechnete dabei die mit der Stadionvorlage verknüpften 103 Millionen Franken für den Bau günstiger Wohnungen neben dem Stadion gleich hinzu. Und: Er gab letztlich den Clubs die Schuld am Scheitern des alten, einst von ihm geförderten Stadionprojekts.

Selbstverständlich zeigen sich die Club-Präsidenten Dosé und Canepa «zuversichtlich», was die Abstimmung am 22. September betrifft. Sie führen an, was für das Stadion spreche: Zürich sei eine Weltstadt und brauche daher ein «richtiges» Fussballstadion.

Vom Stadion würden nicht nur die Spitzenclubs, sondern auch der Breitensport profitieren, denn ohne Spitzenclubs kein Breitensport, so ihre Logik. Und: Die Clubs leisteten viel Jugend- und Integrationsarbeit.

Ausserdem könnten GC und FCZ mit einem «richtigen» Fussballstadion endlich Geld verdienen. Noch dazu sei das Letzigrund-Stadion, wo sie jetzt spielen, nicht immer verfügbar. Daher hätten die Clubs für die Champions-League-Qualifikation und die Europa League vorsorglich Verträge mit Bern und Luzern gemacht, um bei Bedarf dort spielen zu können, erwähnt Dosé.

Aus Sicht der Clubpräsidenten spricht eigentlich nichts gegen den Stadionbau. Auch nicht die hohen Kosten, an denen sich im Stadtparlament praktisch nur die Grünliberalen ernsthaft störten. «In Zürich baut man halt teurer als in Dielsdorf», sagt Dosé.

Und Canepa rechnet vor, dass das eigentliche Stadion nur 85 Millionen Franken koste. Der Rest seien Kosten für Dinge wie die Zuschauerpasserelle, die nötig ist, weil die Fans beider Clubs auf einer eigenen Fankurve beharrten; für das Land, das die Stadt schon bezahlt habe; oder Reservegelder.

Dann düst Dosé ab nach Basel, ein dringender Termin. Canepa bleibt noch ein wenig, ehe punkt zwölf Uhr der Rasenteppich eingerollt wird. Der Stadionbus fährt weiter.

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