Lazio Rom - FC Zürich. Es hätte ein Fussballfest werden sollen. Das Gegenteil entwickelt sich. «Das Blut spritzte Fontänen-mässig aus dem Arm des Jungen», erzählt FCZ-Präsident Canepa. Der Verletzte will sich jedoch nicht helfen lassen. Dann erhalte er nur ein Stadionverbot, war Canepa zu Folge sein Kommentar.

«Abgrundtief dumme Idioten»

Der FCZ-Präsident ist tief geschockt. Doch vor allem ist er verärgert. «Eine Schweinerei» bezeichnet er was diese «Idioten» angestellt haben. Die Fans, die im Stadion Knallpetarden angezündet haben, müssen «abgrundtief dumm» sein, findet Ancillo Canepa. Er fühle sich «verarscht» von den Fans.

Man habe so viel für sie getan und dies sei der Dank, ereifert sich der FCZ-Präsident. Und auch für die eigentlich anständigen Fans hat er keine guten Worte übrig. Dass Fans die solche «kriminellen Taten» auch noch decken, versteht er überhaupt nicht.

Canepas Angst

Ancillo Canepa ist aber nicht nur verärgert. Er hat Angst: «Das ist das schlimmste was dem FCZ hat passieren können. Das Image im In- und Ausland ist dadurch zerstört. Viele Sponsoren werden sich zurückziehen wollen. Niemand will sich mit so etwas identifizieren.»

Weiter belastet ihn schwer, dass ein unschuldiger Balljunge durch eine auf die Bahn fliegende Petarde verletzt wurde. Er habe ein schlechtes Gewissen, weil der 12-Jährige ins Spital eingeliefert wurde. Leider wisse er nichts über den Zustand des Jungen, man werde aber an der Sache dran bleiben.

Im Krieg

Solche Fans befänden sich im Krieg mit dem FCZ. Als Reaktion hat der FC Zürich beschlossen, keine Tickets für das Auswärtsspiel gegen Lissabon zu verkaufen. Zu gross ist die Angst von erneuten Ausschreitungen.

Fliegt der FCZ aus dem Letzigrund?

Von der Stadt Zürich gibt es ebenfalls Reaktionen. Stadtrat Gerold Lauber, schon lange ein Kämpfer gegen Gewalt und Pyros in den Stadien, fordert den FCZ zu sofortigem Handeln auf. Sonst ziehe man Massnahmen, wie den Rauswurf des FC Zürichs aus dem Letzigrund, in Betracht. Den Fans droht Lauber ebenfalls: «Ändert sich nichts, könnte man die Spiele der Axpo Super League auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen.»

Die wohl wahrscheinlichste Reaktion wird momentan aber im Stadtrat diskutiert. Die Rede ist davon, dass man für jedes Spiel der Axpo Super League eine Bewilligung bei der Stadt einholen müsste. Hochrisikospiele würden schlicht nicht mehr bewilligt und damit verhindert werden.

Wie auch Canepa ist er der Meinung, sich im Krieg gegen die Fans zu befinden. Forderungen, wie die von der Südkurve gepriesene Selbstkontrolle, kann er nicht verstehen. «Die Verantwortlichen der Gruppierungen haben die Chaoten nicht im Griff», weiss er ganz genau. Allerdings ist er offen für Gespräche mit den Fans. Gegen legale pyrotechnische Gegenstände hätte er auch nichts, erklärt er.

Gerold Lauper ist aber schon bewusst, wie stark die Clubs von ihren Unterstützern abhängig sind. Auch sieht er ein, dass «eine Choreographie inklusive Pyro-Show stark aussieht». Man könne es aber nicht Allen recht machen. Entweder die Hardcore-Fans oder die normalen Fans, ist seine Devise. Der Spagat zwischen den beiden Gruppen sei halt einfach nicht zu schaffen.

«Man kennt die Klientel mit Namen»

Die Schuld für die Ausschreitungen schiebt Lauber der Liga, und damit allen Clubs, in die Schuhe. «Man kennt diese Klientel mit Namen, aber tut nichts gegen sie», ist er sich sicher. «Man könnte sich wehren, doch stattdessen beschränkt man sich darauf, Alles zu verharmlosen», meint er.

Ein weiteres Problem sieht er im Datenschutz. Die Clubs dürfen gefilmte Übeltäter zum Beispiel nicht Online stellen. Aus diesem Grund werde man in Zukunft auf die Tickets schreiben, dass man sich durch den Kauf eines Tickets damit einverstanden erklärt, während einem Match gefilmt zu werden.

Die Liga aber weigert sich weiterhin gegen solche Ideen. Auch gegen die Null-Toleranz. Es sei eine Verfälschung des Spiels, wenn man mit dem Zünden einer pyrotechnischen Fackel einen Spielabbruch herbeiführen könne, ist die Meinung der Liga.

Für Gerold Lauber ist die Sache allerdings klar: «Die Liga muss jetzt mitmachen. Es ist zu spät für halbe Sachen. Sonst kann die Sicherheit in den Stadien nicht mehr lange garantiert werden.» (cht)