Es ist heiss, die Spannung steigt: Wer übersteht die K.-o.-Phase? Wann kommt das drohende Gewitter? Die Fussball-Weltmeisterschaft ist längst zum Massenereignis geworden, das Fernsehzuschauer und -zuschauerinnen gerne draussen, zusammen mit anderen verfolgen. Doch in den Zürcher See- und Flussbädern, wo sich das gemeinsame Fussball-Gucken perfekt mit einem Sprung ins kühle Nass verbinden liesse, spielt die WM zumeist eine Nebenrolle – wenn überhaupt. Auf grosse Public Viewings verzichten sowohl die städtischen als auch die privat geführten Bäder. Da und dort stehen jedoch Fernseher in mehr oder weniger sommerlichem Ambiente bereit:

  • Flussbad Oberer Letten (Lettensteg 10, 8037 Zürich): Die Spiele werden im zur Limmat hin offenen Flussraum direkt unterhalb der «Panama Bar» gezeigt – aber nur bei schönem Wetter oder wenn der Raum nicht für Privatanlässe vermietet ist. Bei schlechtem Wetter hat die Bar geschlossen, dann gibts auch keine Fussball-Übertragung. Der Andrang in diesem Mini-Lounge-Public-Viewing am Fluss blieb bislang bescheiden. Nur bei den Panama-Spielen war etwas mehr los, wie vom Badi-Chef zu erfahren ist. Grossleinwand-Übertragungen, wie es sie früher am Letten rechts und links der Limmat auch schon gab, finden diesmal nicht statt.
  • Gleich gegenüber, am rechten Limmatufer, bietet die Primitivo-Bar (Kloster-Fahr-Weg, 8006 Zürich) alles, was das Public-Viewing-Herz begehrt: Zwei Fernseher sind im Schatten eines Baumes auf einer Säule montiert, darum herum stehen Biergarten-Tische, gleich nebenan ein Grill. Dahinter glitzert die Limmat in der Nachmittagssonne. Einem erfrischenden Halbzeit-Schwumm steht somit nichts im Wege. Und ein paar Schritte flussabwärts warten die Beachvolleyball-Felder darauf, bespielt zu werden. Die Bar ist bis Mitternacht geöffnet, womit auch die Abendspiele drinliegen.
  • Etwas weiter flussaufwärts beim Jugendhaus Dynamo lieg mit der Chuchi am Wasser (Wasserwerkstrasse 21, 8006 Zürich) eine weitere Beiz direkt am Fluss – WM-Übertragung und Sprung ins Wasser inbegriffen.
  • Die vor 20 Jahren eröffnete Rimini-Bar (Badweg 10, 8001 Zürich) in der Badi am Schanzengraben setzt abends auf Fussball: acht bis neun grosse Fernseher stehen bereit, zwei davon sind auf Plattformen direkt auf dem Wasser reservierbar. Weil die tagsüber Männern vorbehaltene Badi von vielen orthodoxen Juden besucht wird, werden nur die Abendspiele gezeigt, wie Rimini-Geschäftsführer Allen Jaber sagt. Das Ambiente: gemütlich-gediegen. Die für grössere Public Viewings typischen Fans in Fussballer-T-Shirts sieht man hier kaum.
  • Im Seebad Enge (Mythenquai 9, 8002 Zürich) ist ein Fernseher über der Plattform bei der Bar platziert. Hier lassen sich sowohl die Nachmittags- als auch die Abendspiele mit einem Schwumm im Zürichsee verbinden. Die Bar bietet nebst Getränken aller Art auch leichte Sommerküche und leckere Kuchen an. An sonnigen Nachmittagen wird es hier eng.
  • Im Strandbad Mythenquai (Mythenquai 95, 8002 Zürich) laufen die Nachmittagsspiele auf einem Beamer im sogenannten Theorieraum bei der Herrengarderobe. Laut Betriebsleiter Hans Peter Burkhard wird das Angebot nur wenig genutzt: «Die Leute kommen hauptsächlich zum Baden.» Und für die Abendspiele reichen die Betriebszeiten nicht: Die Badi schliesst um 20 Uhr.
  • Weiter stadtauswärts an der Pfnüselküste des Zürcher Seebeckens liegt das Strandbad Wollishofen (Seestrasse 451, 8038 Zürich). Die WM fristet auch hier ein Schattendasein: Übertragen werden die Spiele im Aufenthaltsraum mit Pingpong-Tisch.

WM-freie Goldküste

  • WM-freie Zone sind die Badis auf der Goldküstenseite: Im Strandbad Tiefenbrunnen (Bellerivestrasse 200, 8008 Zürich) gibts keine Fernseher, nichts WM-Spezifisches. Früher hatte das Restaurant im Strandbad mal ein Zelt für Fussball-Übertragungen. Jetzt nicht. «Es gibt diverse Leute, die gerne mal eine WM-freie Zeit haben», sagt Jürg Randegger, Betriebschef des Strandbads Tiefenbrunnen. Wohl wahr.
  • Ein nicht auf Fussballfans abzielendes Konzept verfolgt auch das Seebad Utoquai (Utoquai 50, 8008 Zürich): Kulturelle Veranstaltungen und Lesungen sind in der schmucken alten Holzbadi nahe beim Opernhaus eher daheim als Ronaldo und Co.
  • Limmatabwärts, in der Badi Unterer Letten (Wasserwerkstrasse 141, 8037 Zürich), verzichtet man ebenfalls auf WM-Angebote. Dafür gibts hier ab 11. Juli grosses Kino: Der Filmfluss startet am Abend des zweiten WM-Halbfinals mit dem Schweizer Film «Die göttliche Ordnung», einer Komödie über den Kampf ums Frauenstimmrecht, in die neue Open-Air-Kino-Saison. Die Alternative zum Finale am 15. Juli wäre hier «Quartet» mit Dustin Hoffman.