Wettstreit

An der Physik-Olympiade messen sich die Einsteins von morgen

Studenten messen ihre Kräfte an der Olympiade.

Studenten messen ihre Kräfte an der Olympiade.

Am Montag beginnt auf dem Campus Irchel die Physik-Olympiade. Die Universität Zürich hat viel in den wissenschaftlichen Wettkampf investiert – um Talente zu fördern und sie ans Institut zu holen.

Beim Stichwort Physik mag es den einen die Nackenhaare hochstellen. Andere wiederum begeistern sich für dieses Fach. Wer sich über den Schulstoff hinaus für Physik interessiert, hat sogar die Möglichkeit, sich in einem wissenschaftlichen Wettstreit mit anderen Schülern zu messen.

Dazu gibt es jedes Jahr die Physik-Olympiade. Nächste Woche wird sie in Zürich durchgeführt. Auf dem Campus Irchel messen sich 400 Mittelschülerinnen und -schüler aus 84 Ländern. Veranstalter sind die Universität Zürich (UZH), das Schulamt des Fürstentums Liechtenstein, der Verband der Schweizer Wissenschafts-Olympiaden sowie der Verband der Schweizer Physik-Olympiade.

Für Laien nicht lösbar

Der Wettbewerb umfasst zwei fünfstündige Prüfungen mit anspruchsvollen theoretischen Aufgaben und physikalischen Experimenten: Herausforderungen, die selbst Physik-Studierenden Mühe bereiten dürften, sagt Bernhard Schmid, Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Zürich. «Ich als Biologe könnte die Aufgaben nicht lösen.»

Die Prüfungsfragen sind für Laien nicht lösbar und wurden von Physikern der UZH in einem aufwendigen Verfahren erarbeitet, mit Verantwortlichen der Länderdelegationen finalisiert und in die Sprachen der Teilnehmenden übersetzt. Für die praktischen Tests wurden extra Apparaturen in den Physik-Werkstätten der Uni Zürich hergestellt.

Praktisch das ganze Physikinstitut, das Dekanat sowie weitere Mitarbeitende der Uni stehen während der Olympiade im Einsatz. Zudem betreuen Freiwillige die aus fünf Teilnehmenden pro Land bestehenden Teams und achten darauf, dass sie sich während der Prüfungen nicht mit Externen oder involvierten Professoren austauschen können. Elektronische Geräte werden während dieser Zeit eingezogen.

Die Schweiz wird von vier jungen Männern und einer Frau aus den Kantonen Freiburg, Luzern, St. Gallen und Wallis vertreten. Die fünf Mittelschüler mussten sich in einem mehrstufigen Auswahl- und Trainingsverfahren qualifizieren. Im Vergleich zu anderen Ländern fällt ihre Vorbereitung jedoch bescheiden aus.

Zwar hat die Schweiz an Physik-Olympiaden immer wieder gute Resultate erzielt. So gewann das Team letztes Jahr in Mumbai zwei Bronzemedaillen und drei Ehrenmeldungen. Zu den Favoriten zählen aber asiatische Länder wie China, Südkorea, Taiwan, Singapur, Vietnam und Russland. Auch die USA sind meist stark vertreten. «Das ist bei vielen Wissenschafts-Olympiaden so», sagt Kurt Bodenmüller, Medienbeauftragter der Uni Zürich. Die Bedeutung der Olympiade ist in diesen Ländern grösser. «Es steht für sie mehr auf dem Spiel.»

3-Millionen-Budget

Finanziert wird die Olympiade von den Veranstaltern. An den Kosten von 3 Millionen Franken beteiligen sich zudem Stiftungen und das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. «Die Olympiade an die UZH zu holen, ist ein Prestigeerfolg», sagt Dekan Bernhard Schmid. Dem Physik-Institut und der Fakultät biete sich die Chance, sich innerhalb der Physik-Szene zu präsentieren und auch in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen zu werden – und allenfalls ein Talent nach Zürich zum Studium zu locken.

Mit einem Parcours durch die Institute sowie Ausflügen ans Cern, ans Paul-Scherrer-Institut, nach Liechtenstein und auf die Rigi werden den Teilnehmenden die beiden Gastgeberländer und insbesondere der Uni-Standort Zürich schmackhaft gemacht.

Zwar geniesst das UZH einen guten Ruf und die Studienrichtung Physik auch dank Nobelpreisträgern wie Albert Einstein und Erwin Schrödinger ein hohes Ansehen. Es bestehe aber noch viel Potenzial, sagt Bernhard Schmid. «Im Lehrplan der Mittelschulen nimmt das Fach keine prominente Rolle ein. Das Lobbying könnte besser sein.»

Gute Aussichten

Umso mehr begrüsst es Schmid, dass nun die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik gefördert werden. Das Science Lab der Uni bietet Schulklassen besondere Forschungs- und Lernformate in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern an. «Zudem sind wir bestrebt, mit dem Science Lab mehr Bezug zu aktuellen Fragen wie etwa Energie und Nachhaltigkeit zu schaffen.»

Derzeit studieren an der Universität Zürich 247 Personen Physik als Hauptfach, ein Viertel ist weiblich. Ihre Aussichten für das Berufsleben stuft Schmid als sehr gut ein. «Logisches und strategisches Denken ist überall gefragt – auch in der Beratung oder in der Finanzbranche. Gute Physikerinnen und Physiker finden immer einen Job.»

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