Neun von zehn Besucher sind Rentner. Und wenn ihnen etwas gefällt, herrscht Stillstand, kein Durchkommen mehr.

Die Giardina, heuer zum 15. Mal in Zürich, nimmt vier Stockwerke ein. Die grosse Halle im Untergeschoss ist der Tempel der unerfüllten Träume. Ignoriert man die mit Scheinwerfer behangene Decke, wähnt man sich vielerorts nicht mehr in Zürich Oerlikon, sondern inmitten eines feinen Resorts auf Bali. Glitzernde Swimmingpools, Decks aus Tropenhölzern, Pavillons, Liegen mit zentimeterdicken Polstern und eine Flasche Champagner im Kühler. Hier geht es nicht um Rosenbeete und Staudenpflanzen, das ist Dolce Vita für die obersten Kaufklassen.

Das Stockwerk darüber präsentiert sich einen Hauch bescheidener. Die Inszenierung des perfekten Lebens im Garten nimmt hier kleinere Bühnen in Beschlag. Wetterfeste Sofas stehen neben wetterfesten Sofas. Die Produkte stehen im Mittelpunkt, nicht das Lebensgefühl an sich.

Im zweiten Obergeschoss hält die Nüchternheit letztlich Einzug. Hier wirds technisch. Noch geistert kaum Kundschaft durch die Korridore. Die Roboter-Rasenmäher rollen einsam über die Kunstrasenflächen, sie wirken frustriert, weil es hier nichts zu mähen gibt. Nanu, formschöne Solarduschen? «Die heizen sich selber auf, durchs Sonnenlicht», erklärt der Verkäufer. Einfach den Schlauch anschliessen. Der Mann ist einer der wenigen, die vom Schreibenden Notiz nehmen. Die Mehrheit des Personals wartet auf die Rentnerhorde, die derzeit das Untergeschoss verstopft.

Ganz zuoberst herrscht Wühltischatmosphäre. Hier reihen sich bunt bemalte Vogelhäuschen an Kisten mit Blumenzwiebeln und Deko-Material. Wer an der Giardina keinen 100 000-Franken Auftrag an einen der preisgekrönten Gartengestalter zu verteilen hat, findet hier ein paar Kleinigkeiten für den heimischen Blumentopf.

Wieder zuunterst, vor dem Glanzlicht der Messe, hat sich die erste Menschenschlange gebildet: dem von Gartenpapst Enzo Enea gestaltete Schaugarten. Wobei das Wort Garten die Szenerie nicht ganz trifft. Enea hat Innen und Aussen kombiniert. Man glaubt sich bei sehr, sehr reichen Bekannten zu Besuch, die gerade in ihre neue Villa gezogen sind. Ein älterer Mann murmelt «Wenn du so wohnst, musst du ja immer zu Hause bleiben, sonst lohnt sich das gar nicht.»

Doch passt der perfekt gestaltete Gigantismus der Gartenwelten überhaupt zur Schweiz? Wo doch ein Grossteil ihrer Bewohner in Mietwohnungen mit kleinen Balkonen leben? Schliesslich ist Dübendorf nicht Beverly Hills und das Limmattal nicht die Provence. Noch dominieren hierzulande die mit roten Pelargonien befüllten Blumenkistchen. Der Mehrheit der Messe-Besucher fehlt es an Platz, um den grossen Whirlpool mit Sprudeldüsen aufzustellen, die Körperstellen erreichen, wo das Tageslicht keinen Zugang hat. Oder den Holztisch für 16 Personen, das Birkenwäldchen, das ausladende Sonnendeck. Auf den Grossteil der hiesigen Balkone passt nicht einmal eines der Profi-Barbecue-Geräte.

Nur wenige der Aussteller scheinen ein Herz für Städter und ihre bescheidenen Balkone zu haben. Zum Beispiel die Anbieterin von urbanen Kleingärten. In ihrem Holzwagen (zum selber zusammenbauen) wachsen Tomaten, Chilis und Blattsalate. «Im Winter rollt man ihn einfach in die Wohnung», erklärt sie. Und stolz fügt sie hinzu: «Auch Enzo Enea hat einen gekauft.»

Neben dem Ausgang bietet eine Gärtnerei Holzkistchen an, in denen man Radiesli, Rüebli, Rucola und Küchenkräuter ziehen kann. Perfekt für urbane Teilzeit-Selbstversorger, kleine Idyllen also für Menschen in oberen Stockwerken, wo weder Schnecken noch der Fuchsbandwurm eine Gefahr sind. «Viele Leute kaufen beim Rausgehen eines», bestätigt die Angestellte. Für diese Besucher bleiben die Luxusgärten unerfüllbare Träume. Aber wer denkt schon an Whirlpool oder Saunahäuschen, wenn er die ersten Blättchen vom selbst gezogenen Basilikum pflückt?