Hintergrund dieser Entwicklung sind neue Erkenntnisse in der Gentechnologie. Sie ermöglichten gewissermassen eine Angleichung von Menschen und Mäusen – oder, wie es Claudine Blaser, Geschäftsführerin des ETH Phenomics Centers, formuliert: «ein Abbild von menschlichen Erkrankungen in der Maus». Daraus ergaben sich neue Grundlagen zur Erforschung von Krankheiten.

Ein neues Forschungsfeld

Ein neues, interdisziplinäres Forschungsfeld tat sich auf: molekulare Gesundheitswissenschaften. Die neu gegründete «Molecular Health Sciences Platform» richtet sich derzeit im Neubau am Hönggerberg ein. Sie umfasst mehr als 15 Forschergruppen.

Mit dem neuen Forschungsschwerpunkt geht auch der Bedarf an Laborflächen und zeitgemässer Infrastruktur für tierexperimentelle Forschung einher, so Blaser. Dieser Bedarf wird mit dem ETH Phenomics Center angegangen, das Bestandteil der «Molecular Health Sciences Platform» ist. Die Baukosten belaufen sich insgesamt auf 112 Millionen Franken. Geldgeber ist der Bund.

Die Investition kommt laut Blaser auch dem Tierwohl zugute: Durch den steten Austausch unter den Forschergruppen, die im Phenomics Center arbeiten werden, «sollen nicht nur neue und bessere Methoden etabliert, sondern auch die Zahl der eingesetzten Versuchstiere vermindert werden», sagt sie. So müsse künftig nicht mehr jede Forschergruppe ihre Versuchstiere selber halten und züchten, sondern könne auf den gemeinsamen Pool der ETH Zürich zurückgreifen.

Kleinere Anlagen gehen zu

Noch ist das Phenomics Center allerdings nicht ganz fertig. Die Laborgeschosse sind zwar termingerecht fertiggestellt und bezogen. Bis die zentrale Labortier-Unterbringung bezugsbereit ist, dauert es aber noch einige Monate. «Wir erwarten, dass wir ab 2014 den Forschern unsere Dienstleistungen anbieten können», sagt Blaser.

Parallel zur Zentralisierung an einem Standort werde die ETH mehrere kleinere Labortieranlagen schliessen und zusammenführen. Bis zur vollen Belegung mit 40 000 Mäusen könnten gemäss Blaser noch einige Jahre vergehen.

Die eigentliche Tierhaltung werde sich mit dem Bau des Phenomics Centers nicht grundsätzlich verändern. Schon die bisherigen Labortierhaltungen an der ETH hätten die gesetzlichen Richtlinien vollumfänglich umgesetzt. «Wir haben aber jetzt den Vorteil, dass wir auf moderne Haltungssysteme zurückgreifen können, die zum Beispiel in den Käfigen für die Tiere möglichst geeignete klimatische Bedingungen erlauben», so Blaser.

Zunahme an den Hochschulen

Die Anzahl der in Tierversuchen eingesetzten Tiere hat in der Schweiz nach einer Abnahme bis zur Jahrtausendwende in den letzten Jahren wieder zugenommen. «Die Zunahme war an den Hochschulen deutlich stärker als in der Pharma-Industrie», sagt Markus Stauffacher, Delegierter der ETH Zürich für Tierschutzbelange. Als Grund führt auch er die neuen Möglichkeiten zur Grundlagenforschung mit gentechnisch veränderten Tieren an.

Zwar kämen vielfach statt lebender Tiere Computersimulationen oder Gewebekulturen zum Einsatz. «Aber Tierversuche bleiben unabdingbar. So muss man untersuchen können, wie bestimmte Mechanismen oder Prozesse im ganzen Organismus wirken», erklärt der ETH-Tierschutzdelegierte.

In der Schweiz muss jeder Tierversuch von einer kantonalen Tierversuchskommission begutachtet werden. Für die Bewilligung ist das jeweilige kantonale Veterinäramt zuständig. Die Kriterien beschreibt das Bundesamt für Veterinärwesen wie folgt: «Die Forschenden müssen aufzeigen, dass der Nutzen für die Gesellschaft grösser ist als das Leiden der Tiere und dass es keine Alternativmethoden gibt.»