Schiesserei
Amoklauf in Zürich: Wer war der Mann hinter der Tat?

Das Bild des Schützen wird immer präziser: Der 24-jährige Schweizer mit ghanaischen Wurzeln lebte alleine in Dübendorf und hegte einen Hang zum Okkultismus.

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Polizei-Grosseinsatz in der Nähe des Hauptbahnhofs in Zürich: Nach einer Schiesserei im Islamischen Zentrum mit drei Verletzten sichern Schwerbewaffnete das Gebiet.

Polizei-Grosseinsatz in der Nähe des Hauptbahnhofs in Zürich: Nach einer Schiesserei im Islamischen Zentrum mit drei Verletzten sichern Schwerbewaffnete das Gebiet.

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Der 24-jährige Schütze von Zürich war nicht nur für den Angriff auf eine Moschee vom Montag, sondern auch für ein Mordfall in Schwamendingen verantwortlich: Der mutmassliche Täter hatte gemäss Recherche des Tagesanzeigers seit 2014 alleine in einer Wohnung in Dübendorf gelebt. Das Mehrfamilienhaus liegt in einem ruhigen Quartier, keine zwei Kilometer von dem Spielplatz entfernt, auf dem er am Sonntag einen gleichaltrigen Bekannten skrupellos niederstach.

Die Nachbarn beschrieben ihn als anständige und zurückhaltende Person, die keinesfalls gewalttätig wirkte. Lediglich ein Anwohner hielt die lackierten Zehen- und Fussnägel des Täters sowie seine religiösen Symbole und Statuen für merkwürdig, wie der Tagesanzeiger schreibt. Er habe ihn zudem mehrmals auf das Neue Testament angesprochen und sich dabei abfällig über den Islam geäussert.

Abgesehen von seinen Jugendsünden in Form von Veloklau und einer Tätlichkeit, war der mutmassliche Schütze nie strafrechtlich aufgefallen. Der mutmassliche Täter hatte gemäss Tagesanzeiger ein unstetes Leben geführt, in der Vergangenheit wechselte er oft den Wohn- und Arbeitsort. (az)

Die Timeline des Verbrechens

  • 2009: Der Velodiebstahl

2009 klaut der Täter ein Fahrrad. Am Tatort hinterlässt er seine DNA. Ein wichtiger Hinweis, der der Polizei sieben Jahre später helfen sollte, ihn zu überführen.

  • Freitag, 16. Dezember: Die Kündigung

Aus bisher unbekannten Gründen nimmt das Leben des 24-jährigen Mannes am letzten Freitag eine verheerende Wendung. Er kündigt seine Stelle als Verkäufer und verlässt seinen Arbeitsplatz per sofort. Ob er unter psychischen Problemen leidet, ist unklar. «Bei seinen Taten wäre dies aber nicht völlig abwegig», sagt Christiane Lentjes Meili, Chefin der Kriminalpolizei.

  • Nacht auf Sonntag, 18. Dezember: Die Tötung

Auf einem Spielplatz im Böszelg in Zürich-Schwamendingen eskaliert ein Streit. Der 24-jährige Täter sticht mehrmals mit einem Messer auf seinen langjährigen Freund, ein gleichaltriger Chilene, ein, mit dem er in letzter Zeit gemäss Polizei immer mehr gestritten hat.

Er lässt den Toten liegen und geht irgendwann in seine Wohnung im Bezirk Uster im Kanton Zürich zurück. Der Mann wohnt allein, Hinweise auf eine Familie findet die Polizei in seiner Wohnung keine. Dafür stellen sie mehrere Gegenstände sicher, die dem Jungen einen Hang zum Okkultismus belegen.

  • Sonntagmorgen: Der Leichenfund

Kurz vor 9 Uhr entdeckt ein Passant den toten Chilenen beim Spielplatz. Aufgrund der DNA-Spuren auf der Leiche kann die Polizei das Tötungsdelikt dem 24-Jährigen zuordnen. Die Polizei leitet eine Fahndung ein und verschickt Bilder des Mannes an unzählige Smartphones von patrouillierenden Polizisten.

  • Montagmorgen: Die missglückte Verhaftung

Am Montagmorgen rückt eine Einheit der Kantonspolizei aus. Der Wohnort des 24-jährigen Tatverdächtigen konnte ermittelt werden. Doch als die Polizei vor der Türe in Uster steht, ist der Verdächtige bereits nicht mehr zu Hause. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren.

  • Montagmittag: Das Telefonat

Die Polizei erhält von Angehörigen Hinweise auf einen Anruf des Täters. Dank dem Telefonat gelingt es den Beamten, den Standort des Täters festzustellen: Die Koordinaten entpuppen sich als anonyme Telefonkabine. Die Polizei zapft die Videoanlagen der Umgebung an und erhält innerhalb von zwei Stunden neue Bilder vom Täter. Wieder werden diese an alle Einheiten verschickt.

  • Montagabend, 17:30 Uhr: Die Moschee-Attacke

Dunkel gekleidet und mit einer Wollmütze auf dem Kopf dringt der 24-Jährige in eine somalisch-islamische Moschee nahe des Zürcher Hauptbahnhofs ein. Er betritt den Gebetsraum und eröffnet das Feuer auf die betenden Menschen.

  • Späterer Montagabend: Der Selbstmord

Die Polizei leitet unverzüglich eine Grossfahndung nach dem Täter ein. Hunde schnüffeln die Gegend ab. Nur wenige 100 Meter entfernt stösst die Polizei schliesslich unter einer Brücke auf eine weitere Leiche: Der Täter hat sich neben der Sihl selbst gerichtet. (watson)