Zürich
"Ambulant vor stationär": Kanton übernimmt bei 14 Operationen Kosten nicht mehr

Nach Luzern führt auch der Kanton Zürich eine Liste mit Eingriffen ein, die in Zukunft nur noch ambulant vorgenommen werden dürfen. Führen Spitäler diese stationär durch, beteiligt sich der Kanton nicht mehr an den Kosten. Jährlich sollen so fast 10 Millionen Franken eingespart werden.

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14 Eingriffe stehen auf der Liste des Kantons Zürich, die zukünftig ambulant anstatt sationär vorgenommen werden sollen. Werden sie dennoch stationär durchgeführt, beteiligt sich der Kanton nicht mehr an den Kosten. (Archiv)

14 Eingriffe stehen auf der Liste des Kantons Zürich, die zukünftig ambulant anstatt sationär vorgenommen werden sollen. Werden sie dennoch stationär durchgeführt, beteiligt sich der Kanton nicht mehr an den Kosten. (Archiv)

Keystone

"Mit der Liste können wir grosse Einsparungen erzielen - bei gleicher Qualität der Leistungen", sagte Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) am Freitag in Zürich. Es sei dringend nötig, etwas gegen die steigenden Gesundheitskosten zu unternehmen. In der Schweiz werden jährlich 70 Milliarden Franken in diesem Bereich ausgegeben.

Für ambulante Behandlungen übernehmen die Krankenkassen und die Patienten die Kosten selber. Bei Eingriffen, bei denen die Patienten im Spital bleiben, zahlt der Kanton einen Anteil von 55 Prozent der Kosten. Dort sieht Heiniger das Sparpotenzial: "Bei vielen Menschen in guter Verfassung sind stationäre Aufenthalte nicht nötig."

Der Kanton Zürich rechnet durch die Verschiebung mit Einsparungen von fast 10 Millionen Franken pro Jahr. Die Liste wird auf den 1. Januar 2018 eingeführt. Nach Schätzungen der Gesundheitsdirektion werden damit in einem ersten Schritt rund 3400 bisher stationär durchgeführte Eingriffe ambulant erfolgen.

Die Zürcher Liste umfasst 14 Operationen. Darunter sind etwa Herzkatheteruntersuchungen, die Entfernung des grauen Stars, die Implantation von Herzschrittmachern, Eingriffe bei Krampfadern, Hämorrhoiden und Leistenbrüchen, Kniespiegelungen oder auch die Zertrümmerung von Nierensteinen. Künftige Anpassungen sind möglich.

Ausnahmen bei schweren Fällen

Gemäss Gesundheitsversorgungsbericht kostet eine stationäre Krampfadernoperation bei einem grundversicherten Patienten 7400 Franken. Ambulant kostet der gleiche Eingriff 2600 Franken. Bei zusatzversicherten Patienten verdienen die Spitäler gar 17'400 Franken mehr, wenn sie diese stationär behandeln statt ambulant.

Bei besonderen Umständen können solche Operationen aber auch in Zukunft stationär durchgeführt werden. Der Entscheid darüber liegt beim Arzt. Dies ist etwa der Fall, wenn der Patient schwer erkrankt ist oder eine Begleiterkrankung vorliegt. Auch soziale Faktoren wie zum Beispiel Obdachlosigkeit können berücksichtigt werden.

Grünes Licht für die Pläne gab am vergangenen Montag der Zürcher Kantonsrat. Er verabschiedete das dafür notwendige Gesetz deutlich - nur Grüne und AL waren dagegen. Auch die Gewerkschaft VPOD kritisierte am Freitag in einer Mitteilung, dass "die Kosten nicht gespart, sondern nur auf die Patienten abgewälzt werden".

Nicht fit für ambulantes Setting

Nicht glücklich mit der Liste sind auch die Spitäler. "Ambulante Eingriffe sind in acht von zehn Spitälern nicht kostendeckend", sagte Stefan Metzker, Direktor des Spitals Männedorf. Ausserdem stehe die Infrastruktur dafür gar nicht zur Verfügung. "Wir sind nicht fit für ein solches ambulantes Setting, und für Investitionen fehlt künftig noch mehr das Geld."

Metzker warnte davor, dass künftig stationäre Eingriffe gesplittet würden, um mehrere ambulante Operationen zu ermöglichen. "Wir fühlen uns bedroht darin, in Zukunft die Grundversorgung sicherzustellen." Der Spitaldirektor sprach von einem "falschen Anreizsystem" und zeigte sich skeptisch, ob so wirklich Kosten gespart werden könnten.

Es brauche Flexibilität aller Beteiligten, sagte Heiniger. Die stationären Ausnahmefälle müssen die Spitäler begründen. Das jährliche Leistungscontrolling der Listenspitäler durch den Kanton wird um eine postoperative Prüfung erweitert. Wenn ungerechtfertigt stationär operiert wurde, fordert der Kanton das Geld zurück.

Gesamtschweizerische Lösung

Als erster Kanton hat Luzern eine derartige Liste eingeführt. Mit einer kleinen Ausnahme im Bereich der Herzuntersuchungen unterscheidet sich diese nicht von der Zürcher Liste. "Wir waren in engem Kontakt", sagte Heiniger. Der Kanton Luzern will dadurch jährlich fünf Millionen Franken einsparen.

Es mache keinen Sinn, wenn jeder Kanton eine eigene Liste mache, sagte Heiniger, der auch die Gesundheitsdirektorenkonferenz präsidiert. Die Kantone der Ostschweiz hätten sich bereits darauf geeinigt, eine gemeinsame Liste zu machen. Auch in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft ist ein Systemwechsel ein Thema.

Die Gesundheitsdirektorenkonferenz schätzt, dass jährlich bis zu 500 Millionen Franken eingespart werden könnten, wenn alle Kantone konsequent auf das Prinzip ambulant vor stationär setzen würden. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist derzeit daran, Gespräche darüber zu führen, damit dereinst Vorgaben auf nationaler Ebene gemacht werden können.