Gleichstellung
Am Samstag feiert die Schweiz ihre Väter - doch in Zürich fehlt es an Aktionen

Seit sieben Jahren wird in der Schweiz der Vätertag gefeiert. Der erste Sonntag im Juni soll, ähnlich wie der Muttertag, eine Gelegenheit zur Anerkennung von väterlichen Leistungen bieten.

Sophie Rüesch
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Limmattaler Zeitung

Vor allem aber wollen die Initianten Väterlichkeit als gesellschaftspolitisches Thema ins Bewusstsein rücken. Ins Leben gerufen wurde der Feiertag vom Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen maenner.ch.

Bieridee zum Vätertag

Die Zürcher Traditionsbrauerei Hürlimann (heute im Besitz von Feldschlösschen) lanciert am Vätertag den sogenannten «Hürlimann-Rappen», wie «20 Minuten» gestern berichtete. Laut Komiker Beat Schlatter, dem Schirmherr der Aktion, soll von jedem Hürlimann-Bier, das über die Theke geht, ein Rappen in einen Fonds für Männeranliegen fliessen. Welche Projekte mit dem Geld unterstützt werden, werde im Herbst an der Generalversammlung der neu gegründeten «Hürlimann Bier AG», deren Verwaltungspräsident Schlatter ist, entschieden.

Der Vätertag hat mittlerweile Eingang in den offiziellen Schweizer Feiertagskalender gefunden. Doch in Zürich wird man auch dieses Jahr nicht viel vom Aktionstag zu spüren bekommen. «Das Projekt hat sich noch nicht überall so entwickelt, wie wir es uns erhofft hatten. So wissen wir auch nur von wenigen Aktionen in Stadt und Kanton Zürich in diesem Jahr», sagt Andreas Borter, der bei maenner.ch seit Beginn für die Koordination des Vätertags zuständig ist.

Verband organisiert selbst nichts

Auf der Veranstaltungsliste, die der Dachverband auf seiner Homepage aufgeschaltet hat, findet man denn auch nur einen Eintrag für den Vätertag: Nur gerade das Gemeinschaftszentrum Schindlergut führt ein Familienfest mit Grümpelturnier und Spielen zu diesem Anlass durch. Flächendeckend würden die Zürcher Gemeinschaftszentren weder zum Väter- noch zum Muttertag Aktionen durchführen, wie der Medienbeauftragte Stefan Feldmann sagt. «Wir haben das ganze Jahr hindurch ein familienfreundliches Angebot, und nicht nur an speziellen Tagen.»

Neben dem Gemeinschaftszentrum Schindlergut plant nur noch die reformierte Kirche eine Veranstaltung zum Vätertag. Im Rahmen der Predigtreihe «Mütter-/Väter-Geschichten» wird sich am Sonntag der Fernseh-Gottesdienst im Grossmünster der Väterlichkeit widmen.

Dass der Ball aktionsmässig noch nicht so recht ins Rollen gekommen ist, liegt wohl auch daran, dass die Väter des Vätertags nicht über genügend Ressourcen verfügen, um ihrem Kind die ersten Schritte selber beizubringen. «Der Verband organisiert selber keine Veranstaltungen. Wenn wir das wollten, müssten wir zusätzliche Stellen schaffen», so Borter.

Gegen kommerzielle Partnerschaft

Doch es sei auch gar nicht ihre Absicht, die Aktionsorganisation im Verband unterzubringen, wie Borter sagt: «Solche Anlässe müssen von unten und nicht von oben organisiert werden.» Würde man für die Väter Megaevents planen, würden sie sich nicht untereinander organisieren oder etwas mit ihren Kindern unternehmen, so die Befürchtung. «Wir wollen, dass die Väter an diesem Tag selber die Initiative ergreifen», so Borter.

Ein weiterer Grund für den lauwarmen Start des Vätertags könnte die Weigerung des Verbands sein, den Feiertag für kommerzielle Zwecke hinzugeben. «Wir erhalten jedes Jahr viele Kooperationsanfragen von Unternehmen, die mit dem Vätertag alle möglichen Produkte an den Mann bringen wollen», so Borter.

Doch der Vätertag solle nicht wie der Muttertag zur Kommerzialisierung von traditionellen Rollenverhältnissen missbraucht werden. «Sonst würden die Väter zum Beispiel eine Bohrmaschine geschenkt bekommen», befürchtet Borter. Und das würde den gleichstellungspolitischen Ansatz des Feiertags nicht wirklich fördern.

Borter zeigt sich auch enttäuscht darüber, dass der Vätertag bisher nur von einzelnen Bildungs- und Gleichstellungsfachleuten aufgenommen wurde. Dass dazu zum Beispiel von den Gleichstellungsbüros nicht mehr kommt, bedauert er.

Fachstelle: «kontinuierlich fördern»

Bei der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich ist der Vätertag tatsächlich kein Thema, wie Leiterin Anja Derungs bestätigt. «Bei uns werden Männer- und Väteranliegen das ganze Jahr hindurch kontinuierlich bearbeitet, und nicht an einem bestimmten Tag.» So würden sie etwa Lunches organisieren, bei denen sich Väter von der Stadtverwaltung nach einem Inputreferat, zum Beispiel zum Thema «Spannungsfeld Beruf und Familie», austauschen können.

So richtig zur Tradition geworden ist der Vätertag, zumindest in Zürich, also noch nicht. Doch Borter ist zuversichtlich, dass sein Kind noch wachsen wird. «Ein Feiertag braucht seine Zeit, um sich zu etablieren.»