Uetikon

Am rechten Zürichseeufer entsteht eine neue Kantonsschule - Chemie zieht weg

Seeufer als Pausenplatz? Mit dem Entscheid des Regierungsrates könnte dies bald möglich werden.

Seeufer als Pausenplatz? Mit dem Entscheid des Regierungsrates könnte dies bald möglich werden.

Der Kanton Zürich will in Uetikon am See eine Kantonsschule bauen: Er kauft für 52 Millionen Franken ein direkt am Seeufer gelegenes Fabrikareal. Die Standortgemeinde will sich am Landkauf ebenfalls beteiligen, um einen offenen Seezugang zu erhalten. Die Chemie Uetikon AG verlagert ihre Produktion.

Die Verhandlungen haben lange gedauert: Der Entscheid, wo die am rechten Zürichseeufer benötigte neue Kantonsschule erstellt wird, war einst auf Sommer 2014 angekündigt. Nun hat der favorisierte Standort Uetikon am See definitiv das Rennen gemacht.

Der Regierungsrat stimmte dem Kauf des 65'500 Quadratmeter grossen Areals der Chemie Uetikon AG zu, wie er am Dienstag mitteilte. Auf einem Teil des Geländes, das sich vom Hafen Uetikon bis zur Nachbargemeinde Meilen erstreckt und rund 650 Meter Seeanstoss aufweist, soll eine neue Mittelschule gebaut werden.

Der Seezugang wird offener

Der Kanton beansprucht nur etwa die Hälfte des Landes. Die andere Hälfte will die Gemeinde Uetikon am See dem Kanton abkaufen. Die Verhandlungen zwischen Kanton und Gemeinde sind weit fortgeschritten, wie Gemeindepräsident Urs Mettler auf Anfrage sagte.

Was die Gemeinde plant, lässt sie vorerst aber noch offen. Es soll, sofern die Gemeindeversammlung dem Kauf zustimmt, eine Planung über das gesamte Areal erfolgen, bei der auch Anliegen der Bevölkerung berücksichtigt werden.

Was laut Mettler aber sicher ist: "Es wird offener." Heute sei das Areal in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

Der Boden muss saniert werden

Der Kaufpreis für das gesamte Areal beträgt 52 Millionen Franken. Im Quadratmeterpreis von rund 800 Franken ist gemäss Mitteilungen des Kantons und des Unternehmens auch ein Teil der Altlastensanierung eingerechnet. So muss etwa belastetes Erdreich entsorgt werden.

Die CPH Chemie und Holding AG, zu der die Chemie Uetikon AG gehört, wird gemäss Vertrag auch einen grossen Teil der Kosten für die Sanierung des Seegrundes in Fabriknähe übernehmen. Bis diese Arbeiten abgeschlossen sind, hält der Kanton 32 Millionen Franken des Kaufpreises zurück.

Die CPH-Gruppe bleibt vorerst am Uetiker Standort. Sie mietet das Areal vom Kanton für zwei Jahre. Teile der Produktion werden geschlossen oder nach China oder in die USA verlagert. Davon sind insgesamt 69 der 113 Mitarbeitenden betroffen.

Für die restlichen Produktbereiche wird eine Verlagerung in die nähere Umgebung geprüft. Der Entscheid soll gemäss Mitteilung des Unternehmens im Sommer fallen.

Weniger Schüler in der S-Bahn

Die neue Mittelschule am rechten Zürichseeufer wird nötig, weil die Schülerzahlen kantonsweit bis 2027 um einen Viertel steigen.

Bereits heute pendeln vom rechten Seeufer über 1500 Schüler in die Stadt Zürich. Der Regierungsrat erhofft sich, dass die neue Schule in Uetikon, die in Bahnhofsnähe liegt, dereinst die Schülerströme umleiten und so die S-Bahn-Linien in Richtung Zürich entlasten wird.

Gemäss der bestehenden Planung wird die Schule mit Seeanstoss für rund 1000 Schüler erstellt. Bis sie steht, wird in Uetikon an einem anderen Standort ein Provisorium betrieben. Bereits ab Schuljahr 2018/2019 sollen die ersten Mittelschulklassen in Schulcontainern geführt werden.

Der Kanton Zürich plant auch am linken Zürichseeufer den Bau einer neuen Kantonsschule. Zudem ist die Vergrösserung der bestehenden Mittelschule in Urdorf vorgesehen.

Forderung nach einem offenen Seezugang

Vier Geschwister der Familie Schnorf gründeten 1818 in Uetikon am See einen Gewerbebetrieb zur Schwefelsäure und Sulfatsalzen. Dieser Betrieb ist heute als Chemie Uetikon AG bekannt. Sie ist im Besitz der CPH Chemie + Papier Holding AG in Perlen bei Luzern.

Teile der Anlage stehen seit 2012 im Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder von nationaler Bedeutung.

Über die Nutzung des Areals wurde in Uetikon am See lange diskutiert. 2007 sollten auf einem Teil des Grundstücks Wohnungen und Gewerbebetriebe sowie gewisse Freiräume realisiert werden. Den Stimmbürgern ging dies zu wenig weit. Ein Verein mit dem Namen "Uetikon an den See" forderte einen besseren öffentlichen Seezugang.

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