Josef Staub
Am neuen Hardplatz wird nichts von Josef Staub übrig sein

Fredi Staub ist enttäuscht darüber, dass die Platzgestaltung seines Vaters Josef verschwinden muss – zumindest für einen Teil des Werks besteht jedoch noch Hoffnung

Florian Niedermann
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Hardplatz Staub in Luft auflösen
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 Im Sommer trafen sich auf dem "alten" Hardplatz Passanten und genossen die Wärme der Sonne, die das rötliche Pflaster bis in den späten Abend hinein abstrahle.
 Passanten auf dem "alten" Hardplatz.

Hardplatz Staub in Luft auflösen

Guido Magnaguagno / ZVG

Dem Zürcher Hardplatz sieht man nicht mehr an, dass er einst als künstlerische Pionierarbeit galt: Das südliche Hardbrückenende ragt derzeit aus einer morastigen Fläche, den einzigen Farbtupfer darauf bilden die rot-weiss gestreiften Bauzäune entlang der Wendeschlaufe der Tramlinie 8. Zu Stosszeiten eilen Pendler auf den wenigen Fussgängerwegen über den Platz – niemand bleibt hier länger als nötig.

Während der letzten drei Jahrzehnte war das anders: Wer an einem Sommerabend über den Hardplatz ging, wähnte sich fast in Italien. Jugendliche versammelten sich am Abend auf den Sitzbänken, lachten und flirteten und genossen die Wärme, die der rötliche Pflastersteinboden nach einem heissen Tag bis spät in die Nacht hinein abstrahlte. Das mediterrane Flair des Platzes verdankte Zürich dem Dietiker Künstler Josef Staub, der ihn 1979 entworfen hatte. Über 34 Jahre blieb sein Werk bestehen. Doch dann, im vergangenen Juni, wurde es innert weniger Wochen zunichtegemacht.

Im Zuge der neuen Linienführung des Achtertrams und des damit verbundenen Ausbaus der Hardbrücke liess das städtische Tiefbauamt die Platzstrukturen abreissen. Bis Ende 2017 soll an seiner statt ein neuer Platz entstehen. Einiges liebloser gestaltet, dafür auf seine künftige Funktion als Durchfahrtsstation ausgerichtet.

Urheberrecht galt nicht

Enttäuscht sei er gewesen, sagt Fredi Staub, der Sohn des 2006 verstorbenen Künstlers, als von den Bauplänen der Stadt erfahren habe: «Mein Vater investierte zwei Jahre in die Konzipierung des Hardplatzes. Es war ihm eine Herzensangelegenheit.» Sohn Fredi ging damals umgehend auf das Tiefbauamt der Stadt Zürich zu und wies darauf hin, dass der Platz unter Urheberrecht stehe. Ein mit solchen Fällen vertrauter Anwalt erklärte ihm jedoch, dass angesichts der Regelungen im Werkvertrag seines Vaters keine rechtliche Handhabe bestehe, dieses geltend zu machen.

Plätze von bauhistorischer Bedeutung kann das Zürcher Tiefbauamt ins «Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen von kommunaler Bedeutung» aufnehmen. Betrifft ein Baugesuch ein inventarisiertes Objekt, so wird dieses von der städtischen Gartendenkmalpflege mitbearbeitet.

Wurde hier also ein kunsthistorisch bedeutender Platz leichtfertig einem Verkehrsprojekt geopfert? Das Tiefbauamt nennt auf Anfrage zwei Gründe, weshalb der Hardplatz nicht in das Gartendenkmalpflege-Verzeichnis aufgenommen wurde. Zum einen lag die Genehmigung des Bundes für die Tramverbindung über die Harbrücke bereits vor, als das Tiefbauamt Gebäude, Gartenanlagen und Plätze der Jahre 1960 bis 1980 auswählte, die ins Gartendenkmalpflege-Inventar aufgenommen werden sollten. «Der Platz hätte der Tramlinie sowieso weichen müssen», schreibt Martin Etter, Projektleiter Kommunikation beim Tiefbauamt. Zum andern begründet er den Entscheid gegen den Hardplatz auch damit, dass von Landschaftarchitekt Neukom mehrere andere, wichtige Anlagen ins Inventar aufgenommen worden seien. So etwa das Krematorium Nordheim oder die Sportanlage Hardhof.

Schon der Lohn war zu tief

Fredi Staub glaubt heute zwar, dass es nicht im Sinne seines Vaters gewesen wäre, ein solch zukunftsgerichtetes Verkehrsprojekt wie das Hardbrückentram zu behindern. Er bedaure es aber sehr, sagt der Künstlersohn, dass die Stadt Zürich dem Hardplatz keinerlei Würdigung entgegengebracht habe. Umso mehr, als es nicht das erste Mal ist, dass die Behörden den Wert des Werks verkennen: Für seine Arbeit wurde der Künstler Ende der Siebzigerjahre «verhältnismässig bescheiden» entlöhnt, wie Staub sagt: «Dabei genoss er damals bereits einiges Renommee über die Landesgrenzen hinaus.»

Restlos zerstört wurde Josef Staubs Platz dann doch nicht: Acht Skulpturen, allesamt Tetraeder aus Stahl, die früher dort standen, sind beim Tiefbauamt eingelagert. Für kurze Zeit waren sie der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Die Stadt stellte sie von Mai bis September 2012 nämlich im Aussenbereich des Bellerive-Museums aus – zur Freude von Sohn Fredi: «Ich würde mir wünschen, dass die Plastik auch längerfristig wieder einen festen Platz erhält», sagt er.

Und dieser Wunsch könnte in Erfüllung gehen: Das Tiefbauamt teilt nämlich mit, dass nicht nur die Pyramidenelemente, sondern auch ein von Staub gestalteter Trinkbrunnen gerettet worden seien. Und weiter: «Es werden zurzeit Möglichkeiten geprüft, ob diese Elemente auf dem neugestalteten Hardplatz aufgestellt werden können.» Vielleicht löst sich der «echte Staub» am Hardplatz also doch nicht ganz in Luft auf.