Die Besucherzahlen auf dem ersten Schweizer Strichplatz mit Sexboxen sind sehr unterschiedlich. Am meisten Betrieb herrscht jeweils am Zahltag. Zwei Monate nach der Eröffnung zogen die Verantwortlichen der Stadt Zürich eine Zwischenbilanz und zeigten sich grundsätzlich zufrieden.

Zwischenbilanz des Zürcher Strichplatzes

Zwischenbilanz der Stadt Zürich zum Zürcher Strichplatz

Wie viele Besucher der Strichplatz bisher insgesamt hatte, kann die Stadt nicht genau beziffern. Die Autos, die über den Platz fahren, und die Boxenbesuche würden nicht gezählt, hiess es am Dienstag vor den Medien in Zürich.

Gemäss Schätzungen fuhren pro Abend 50 bis 100 Fahrzeuge über den Rundkurs in Zürich-Altstetten. Anfänglich seien es hauptsächlich Gaffer gewesen, sagte Michael Herzig, Vizedirektor der Sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich.

Wichtigen Einfluss auf die Besuche haben gemäss Herzig Wochentag und Wetter. Sehr wichtig sei auch jeweils der Zahltag. Dann kämen mehr Besucher, ganz unabhängig von Wochentag und Wetter.

Ähnliche viele Prostituierte wie vor der Eskalation am Sihlquai

Im Durchschnitt arbeiten allabendlich 14 Prostituierte auf dem Areal, etwa gleich viele wie am Sihlquai, bevor dort die Situation mit durchschnittlich 32 Prostituierten pro Abend eskalierte und die Stadt sich zum Eingreifen gezwungen sah.

Dass auf dem Strichplatz mit seinen Boxen weniger laufe als zu «Spitzenzeiten» am Sihlquai sei logisch und decke sich mit den Zielen der Stadt, sagte Herzig. Am Sihlquai hätten sich Ausgangsszene und Freierszene vermischt. Dies sei auf dem Platz nicht mehr möglich.

Zudem hätten am Sihlquai grosse, straff organisierte Gruppen mit gewaltbereiten Zuhältern gearbeitet. Rund 90 Prozent der Sexarbeiterinnen am Sihlquai stammten aus Ungarn. Auf dem Strichplatz sei die Gruppe der Sexarbeiterinnen nun «deutlich heterogener», weil nicht mehr Zuhälter bestimmten, wer, wo anschaffen darf.

Herzig vermutet, dass diese Gruppen «wohl ins Ausland gezogen sind, wo sie ihr Gesetz des Dschungels durchsetzen können» und es einen ähnlich grossen Markt gebe wie in Zürich. Eine Verlagerung innerhalb von Zürich oder in eine andere Schweizer Stadt habe man nicht festgestellt.

Strichplatz nur ein Puzzleteil

Der Strichplatz ist lediglich ein Bestandteil eines Massnahmenpakets im Zusammenhang mit der Prostitution in der Stadt Zürich. Wie Stadtrat Martin Waser, Vorsteher des Sozialdepartementes, sagte, macht die Strassenprostitution weniger als zehn Prozent des Sexgewerbes aus.

Dennoch sei es wichtig, dass auch die Strassenprostitution in einem menschenwürdigen und stadtverträglichen Rahmen stattfinde. Einen solchen Rahmen biete der vom Sozialdepartement betriebene Strichplatz. Dieser erfülle bis anhin die Erwartungen der Stadt.

«Wir haben die Situation im Griff, ohne übergriffig zu sein», bilanzierte Waser. Schliesslich wolle die Stadt nicht alles steuern, sondern lediglich Auswüchse verhindern.

Die Aufhebung des Strassenstrichs am Sihlquai sei problemlos verlaufen, unter anderem auch dank klarer Kommunikation und flankierenden Massnahmen, sagte Waser weiter.

Strassenstrich im Langstrassenquartier gefordert

Ausser auf dem Strichplatz ist die Strassenprostitution im Niederdorf und auf der Allmend Brunau gestattet. Heilsarmee, Zürcher Stadtmission und die Fachstelle Frauenhandel und Migration (FIZ) fordern auch einen Abschnitt im Langstrassenquartier als legalen Strassenstrich (inklusive Fensterprostitution) für Fussgänger und Autofahrer, wie sie am Dienstag mitteilten.

Ihrer Ansicht nach bietet der Strichplatz keine Alternative zum Sihlquai. Die Frauen würden nun einfach weniger sichtbar anschaffen, etwa in Salons, Bars und Zimmern. Dadurch verschlechtere sich für die Organisationen der Zugang zu den Frauen. Bei der Stadt kann man dieser Argumentation nichts abgewinnen.