Winterthur
Am Anfang von Winterthur stand das Stadtrecht

Winterthur feiert seinen 750. Geburtstag — und erinnert an seine bewegte Geschichte.

Regula Sieber (SDA)
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Hunderte Winterthurer feierten gestern das 750-Jahr-Jubiläum der Stadt mit einem grossen Festakt beim Bahnhof.

Hunderte Winterthurer feierten gestern das 750-Jahr-Jubiläum der Stadt mit einem grossen Festakt beim Bahnhof.

Landbote/Marc Dahinden

Am 22. Juni 1264 hat Graf Rudolf von Habsburg Winterthur das Stadtrecht gewährt. Gestern fand deshalb auf dem Bahnhofplatz der offizielle Festakt der 750-Jahr-Feier statt. Mit Pferden, Tambouren, dem Musikkollegium und Kirchenglocken wurde die Übergabe des Stadtrechtsbriefs inszeniert. Und über dem Bahnhofplatz schwebte eine Klangwolke des Künstlers Andres Bosshard.

Winterthur wies zwar bereits einige Jahrzehnte vor 1264 Merkmale einer Stadt auf. Schriftlich festgehalten ist das Stadtrecht aber erst in der Urkunde vom 22. Juni 1264. Graf Rudolf von Habsburg gewährte damals den meisten Bürgern von Winterthur das Marktrecht in einem bestimmten Gebiet. Die Bürger mussten zudem jährlich je 100 Pfund abliefern und durften den Eschenbergwald nutzen.

Die Urkunde wird bis Mitte des 19. Jahrhunderts kaum erwähnt. Erstmals 1864 feierte die Stadt Winterthur den 22. Juni im grossen Stil. Gegen 500 Winterthurerinnen und Winterthurer machten damals bei einem Festumzug mit. Ähnlich war dann auch die 700-Jahr-Feier im Jahr 1964.

Heute werfe das Schriftstück viele Fragen und Rätsel auf, heisst es auf der Website www.stadtgeschichte2014.ch. «Trotzdem ist und bleibt die Urkunde der älteste aussagekräftige Fixpunkt in der Winterthurer Geschichte.»

Seit 2008 eine Grossstadt

Stadtpräsident Michael Künzle bezeichnet im Festführer die Verleihung des Stadtrechts «als wichtigen Meilenstein für die Unabhängigkeit und Entwicklung der Stadt». Der Anlass solle nicht nur geschichtlich betrachtet und gefeiert, sondern als Gelegenheit für eine Standortbestimmung genutzt werden. «Winterthur hat sich in den letzten Jahren enorm verändert.»

So hatte die Krise in den 1990er-Jahren dem Industrie- und Dienstleistungsplatz Winterthur schwer zugesetzt. Seit 2000 sei ein erneutes Aufblühen des Wirtschaftsstandortes Winterthur festzustellen, heisst es auf der Website zum Jubiläum weiter.

Im Jahr 1850 zählte die Stadt 5341 Einwohnerinnen und Einwohner. Mit der Industrie und der Eingemeindung der fünf Vororte im Jahr 1922 wuchs die Zahl der Bevölkerung rasant. Aber auch in den letzten Jahren ist die Stadt weiter gewachsen. 2008 wurde die 100 000-Einwohner-Grenze überschritten und Winterthur zur Grossstadt.

Bereits seit 2011 wird das Jubiläumsjahr vorbereitet. Trotz knapper Stadtfinanzen bewilligten Stadtrat und Parlament 1,6 Millionen Franken dafür. Insgesamt beträgt das Budget rund fünf Millionen Franken. Botschaft des Jubiläumsjahrs ist «Wir sind Winterthur». Über das ganze Jahr sind Aktivitäten und Anlässe geplant.

Ab Juli ziehen die Franzosen ein

Mit dem Festakt von gestern sind die Feierlichkeiten des Stadtrechtsjubiläums also noch nicht vorbei: Den Einmarsch der Franzosen im Jahr 1798 thematisiert etwa das Freilichtspiel «Guete Bonjour!». Es wird vom 11. Juli bis 15. August auf der Lindwiese hinter dem Stadthaus aufgeführt.

Die Franzosen hatten bei ihrer Besetzung von der Winterthurer Bevölkerung 12 000 Paar Soldatenstiefel gefordert. Knapp die Hälfte kam damals zusammen. Der Verein wollte es nun noch einmal wissen und sammelte Anfang Mai alte Schuhe für das Freilichtspiel.

Ende August kommen dann die Kyburger in die Stadt. Denn obwohl ein Habsburger das Stadtrecht verliehen hat, gilt Winterthur als Kyburger Stadt. Das Mittelalterspektakel mit Turnier, Markt und Lagerleben findet vom 28. bis 31. August auf der Zeughauswiese statt.

Gleich alt wie Thun

Neben Winterthur feiert in diesem Jahr mit Thun eine weitere Schweizer Stadt ihr 750-jähriges Stadtrecht. Am «Sommermärit» am Pfingstsamstag empfingen die Thuner Behörden eine Delegation der Stadt Winterthur.

Das Abschlussfest der Feierlichkeiten in Winterthur ist am 29. November im Kongresshaus an der Liebstrasse. Noch ist geheim, was im «letzten Akt» passieren wird. Am 31. Dezember wird dann das Jubiläumsjahr so ausgeläutet, wie es eingeläutet worden ist: mit einem «Stadtglüüt» kurz vor Mitternacht auf dem Kirchplatz.