Jeans-Pionier
Ältester Army und Jeans-Shop der Schweiz steht zum Verkauf

Bruno Imbachs Army und Jeans Shop steht zum Verkauf – nach über 50 Jahren. Auf einer Verkaufsfläche von 130 Quadratmetern arbeiteten bis zu 15 Angestellte und setzten 3,5 Millionen Franken im Jahr um.

Benjamin Weinmann
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Schluss mit Jeans und Armee-Produkten: Bruno und Renate Imbach vom legendären Shop im Kreis 3 verkaufen ihren Laden. Annika Bütschi

Schluss mit Jeans und Armee-Produkten: Bruno und Renate Imbach vom legendären Shop im Kreis 3 verkaufen ihren Laden. Annika Bütschi

«Ich habe mein ganzes Leben im Geschäft gearbeitet, jetzt möchte ich die Zeit mit meiner Frau Renate geniessen. Das Leben ist schliesslich nicht unendlich.» Mit dem Verkauf des legendären Geschäfts tritt eine Schweizer Pionierfamilie ab. Es war Bruno Imbachs Vater Arthur, der 1956 an der Zürcher Bäckerstrasse im Kreis 4 damit begann, Jeans der Marken Lee und Levi Strauss zu verkaufen.

Laut Bruno Imbach war es der erste Jeansshop der Schweiz. Container um Container voll mit Blue Jeans importierte Arthur Imbach aus den USA. Gegen Ende der Siebzigerjahre erreichte das Geschäft seine Blütezeit. Auf einer Verkaufsfläche von 130 Quadratmetern arbeiteten bis zu 15 Angestellte und setzten 3,5 Millionen Franken im Jahr um. «Alle kamen zu uns: Rocker, Hippies, Biker, aber auch Durchschnittsbürger», erinnert sich Imbach, der mit 18 Jahren begann, den Shop mitzuführen.

Vietnam, Kalifornien, Zürich

Später übernahm Bruno die Geschäftsleitung ganz. Und mit dem Ende des Vietnam-Krieges wandelte sich plötzlich das Sortiment. «Viele Armee-Kleider und -Ausrüstungen wurden von Vietnam nach Kalifornien verschifft. Und von dort importierten wir die Ware nach Zürich.» Der Sortimentswandel kam zur rechten Zeit, denn die Jeans wurde zur günstigen Massenware. «Damals hatten wir die Jeans von New York grauimportiert, Lee-Jacken aus Kansas City und Western Mode aus Denver, Colorado.

Es gab nur zwei, drei Jeans-Marken, heute hingegen unendlich viele, in allen Warenhäusern und alles made in China», sagt Bruno. Für die Importgeschäfte legte sich das Ehepaar einen der ersten Telex-Geräte der Schweiz zu. «Wir mieteten das Gerät von der PTT und konnten so jederzeit in New York Bestellungen aufgeben.»

1990 starb Arthur Imbach, 1991 Bruno Imbachs Schwester Hedi. «Sie war eine begnadete Jeansverkäuferin», betont ihr Bruder. Vor drei Jahren kam es zum grossen Umzug. Weil der Mietpreis an der Bäckerstrasse angehoben wurde, entschloss sich das Ehepaar Imbach, einen neuen Standort zu suchen und wurde an der Weststrasse im Kreis 3 fündig. «Sicher haben wir mit dem Umzug einige Stammkunden verloren, aber die konnten wir ziemlich gut mit unserem Internetshop kompensieren», sagt Bruno Imbach.

Früher sei die Qualität der Denim-Jeans definitiv besser gewesen, sagt Renate, die ab 1978 im Geschäft mitarbeitete. Heute machen die Jeans nur noch einen kleinen Anteil am Umsatz aus, das meiste Geld erzielen Imbachs mit Armee-Modekollektionen: Stiefel, Helme, Jacken. Insgesamt setzt der Army und Jeans Shop mittlerweile weniger als eine Million Franken um, verfügt aber zusätzlich noch über ein 200 Quadratmeter grosses Warenlager, und laut Bruno und Renate Imbach lässt sich nach wie vor rentabel wirtschaften. Der Verkaufspreis für das Geschäft liegt bei 420 000 Franken.

Kinder wollten nicht übernehmen

Das rüstige Ehepaar hat zwei erwachsene Kinder. «Sie haben beide studiert, und möchten das Geschäft nicht übernehmen», sagt Renate. Sie hätten absolutes Verständnis für diesen Entscheid. Umso mehr hoffen sie, dass sich jemand finden lässt, der das Geschäft übernimmt und weiterführt. Schliesslich habe man heute noch eine langjährige Stammkundschaft. Manche von ihnen kennen sogar noch Brunos Vater Arthur und kaufen seit Jahren immer dieselbe Jeans. «Wer auch immer den Shop kauft, er soll Freude daran haben», sagt Bruno. «Wir brauchen Mode, die China in den Schatten stellt. So wie damals, als wir auf unseren USA-Reisen in Arizona Indianer-Stämme kennenlernten und von ihnen Mokassins importierten.»

Vergangene Woche schalteten Imbachs die Verkaufsanzeige. «Es gab schon einige Bewerber, aber noch nichts Konkretes», sagt Bruno Imbach. Er möchte gar nicht daran denken, dass sich niemand finden lässt. Doch ist für ihn klar, dass irgendwann Schluss ist. «Wir möchten unbedingt noch reisen gehen. Wir haben manchmal sechs Jahre lang ohne Ferien durchgearbeitet und zu Hause die Kinder grossgezogen.

Während meine Freunde in jungen Jahren ins Ausland gingen, ‹krüppelten› wir ständig weiter.» Am liebsten möchten Bruno und Renate für zwei Monate nach Australien. Sicher würden sie irgendwann in ein Loch fallen, sagt Bruno. «Aber wir haben zum Glück genügend andere Hobbys, wir gehen gerne wandern und musizieren zusammen.»