Das Hotel Atlantis am Fusse des Üetlibergs in Zürich ist nur noch ein Skelett seiner selbst: In den Gängen hängen Kabel von der Decke. An den Wänden sind Reste früherer Tapetenschichten freigelegt.

Bauarbeiter haben mit dem Umbau begonnen, der aus dem lange leerstehenden Betonbau, wo einst Muhamed Ali nächtigte, wieder ein Luxushotel machen soll.

Die Pläne sind ehrgeizig: Von einem «Pendant zum ‹Dolder›» sprach Martin Zollinger, Verwaltungsrat der Neue Hotel Atlantis AG, beim Spatenstich. Er spielte damit in erster Linie auf die Lage im Grünen mit Blick über Zürich an, die vergleichbar sei mit jener des ungleich grösseren Dolder Grand am gegenüberliegenden Ende der Stadt.

Gleichzeitig machte er klar, dass das neue «Atlantis» durchaus die Liga der Zürcher Spitzenhotels anpeilt. Ende 2014 soll es eröffnet werden.

Der geheimnisvolle Investor

Die Investitionssumme bezifferte Zollinger auf mindestens 60 Millionen Franken. Das denkmalgeschützte Haus werde im Inneren weitgehend ausgehöhlt, um die Zimmergrössen auf 35 bis 40 Quadratmeter zu erweitern.

Geplant seien etwa 100 Zimmer, im Garten ein Teich, im Hotel ein öffentlich zugängliches Schwimmbad, zudem ein Restaurant und ein Bistro mit Terrasse, ferner ein Fitnessstudio, wie heute in Luxushotels üblich. Im obersten Geschoss sind laut Zollinger drei Luxussuiten vorgesehen – auch als Absteige für den geheimnisvollen Investor aus Katar, der hinter dem Projekt steht.

Ein Stück weit lüftete Zollinger das Geheimnis um den Investor, ohne jedoch dessen Namen herauszurücken: Es handle sich um einen älteren Herrn, der schon heute öfter für längere Zeit in Zürcher Hotels weile und bereits andere Hotels in der Schweiz besitze.

Er sei aber nicht identisch mit Issa Ghanem Al Kawari, dem katarischen Präsidenten des dreiköpfigen Verwaltungsrats der Neuen Hotel Atlantis AG.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Atlantis-Investor aus der katarischen Herrscherfamilie Al Thani stammt. Deren Ölmilliardäre investierten bereits ins Luxusresort Bürgenstock am Vierwaldstätter See, wie die «Handelszeitung» berichtete.

Altes Hotel wurde 2004 geschlossen

Am Bürgenstock wie auch am Atlantis-Projekt beteiligt ist das Architekturbüro Monoplan. Und die aufs Entwickeln von Hotelprojekten spezialisierte Firma Rosebud Héritage mischte vor rund drei Jahren sowohl an Projekten fürs «Atlantis» als auch am Bürgenstock mit. Ihre Pläne, das «Atlantis» in Eigentumswohnungen umzuwandeln, scheiterten jedoch; die Alternativoption eines neuen Luxushotels versandete.

Mit Martin Zollinger ist heute ein in Zürich gut vernetzter Mann das Gesicht des «Atlantis»: Er präsidiert die Zürcher Kunsthaus-Stiftung und die Kirchenpflege Fraumünster; als FDP-Politiker war er Vizepräsident des Bankrats der Zürcher Kantonalbank.

Beim Spatenstich liess Zollinger die Geschichte des «Atlantis» Revue passieren: Nach seiner Eröffnung 1970 galt es als eines der modernsten Fünfstern-Hotels der Schweiz. 1999 ging es in Konkurs.

Nach der Schliessung 2004 stand es lange leer, ehe es als Asylunterkunft und nach einer Hausbesetzung zuletzt als Studentenunterkunft zwischengenutzt wurde.

Zollinger zeigte sich überzeugt, dass das «Atlantis» sich wieder als Hotel etablieren könne. Gesucht werde nun ein namhafter Hotelbetreiber. Auch Zürich-Tourismus-Direktor Martin Sturzenegger und Stadtrat André Odermatt gaben sich optimistisch. «Ich bin sicher, dass das neue Atlantis nicht untergeht», sagte Odermatt.