Zürich-Oerlikon

Alternative gesucht: «Ikea-Dorf» für Flüchtlinge ist brandgefährlich

Brandgefahr: Verzögerung bei Zürcher Flüchtlingsdorf in Messehalle.

Brandgefahr: Verzögerung bei Zürcher Flüchtlingsdorf in Messehalle.

Die Selbstbau-Häuschen, welche die Stadt Zürich für Asylsuchende in der Messehalle 9 in Zürich-Oerlikon einrichten wollte, genügen den Brandschutzbestimmungen nicht. Die Häuschen sind zu leicht entflammbar und verursachen giftigen Rauch.

Es ist deshalb offen, ob die so genannten «Shelter» der Ikea-Stiftung überhaupt verwendet werden können.

Am gleichen Tag, an dem das Stadtzürcher Sozialdepartement darüber informierte, dass es in einer Messehalle ab Januar 250 Asylsuchende in Ikea-Häuschen unterbringen will, wurde von der Kantonalen Gebäudeversicherung ein Brandtest mit den Wohneinheiten durchgeführt.

Das Resultat ist ernüchternd: Die Ergebnisse der Tests hätten starke Zweifel an der Einsatzfähigkeit der Wohneinheiten aufkommen lassen, heisst es in einer Mitteilung der Stadt vom Freitagnachmittag. «Nach momentanem Erkenntnisstand wäre die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner bei einer Verwendung der 'Shelter' nicht gewährleistet.»

Wie die für den Brandschutz zuständige Kantonale Gebäudeversicherung Zürich auf Anfrage erklärt, sind die Ikea-Häuser zu stark entflammbar und sie würden im Brandfall giftigen Rauch entwickeln. Eine Alternative stellten Holzhäuschen dar. Diese könnten bis zum 4. Januar bereit stehen.

Die Ergebnisse des Brandtests kamen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für die Stadt Zürich. Noch am Morgen hatte sie zahlreichen Medienschaffenden den Aufbau der geplanten 62 Ikea-Häuschen und ihre Unterbringungspläne präsentiert. Am 4. Januar hätten die ersten Asylsuchenden in die Häuschen in der Messehalle einziehen sollen.

Konsequenzen abschätzenDie Stadt arbeite mit Hochdruck daran, die Konsequenzen der Ergebnisse des Brandtests abzuschätzen. Man befinde sich in engem Kontakt mit anderen Kantonen und Gemeinden, welche auf diese Art der Unterbringung gesetzt hätten sowie mit dem Hersteller, heisst es in der gemeinsamen Mitteilung der Stadt und der Asylorganisation Zürich (AOZ).

Am Entscheid, die Asylsuchenden in der Messehalle unterzubringen, will das Sozialdepartement nichts ändern. Höchstwahrscheinlich werde man aber andere Wohneinheiten suchen müssen.

Die so genannten «Shelters» sind Selbstbau-Hütten, die von der Ikea-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR entwickelt wurden. Sie werden weltweit eingesetzt, zur Zeit etwa in Griechenland zur Bewältigung der Flüchtlingsströme. Auch der Kanton Aargau plant, Asylsuchende in solchen unterzubringen.

Weitere drei Container-Siedlungen geplantInsgesamt 780 zusätzliche Asylsuchende muss die Stadt Zürich nach Vorgaben des Kantons aufnehmen. Lässt sich eine Lösung für die 250 für Oerlikon vorgesehenen Personen finden, kann die Stadt die kantonalen Vorgaben erfüllen. Verschiedene temporäre Durchgangszentren wurden bereits in Betrieb genommen.

Innerhalb von zwei Monaten für so viele zusätzliche Menschen eine Unterkunft zu finden, habe für alle Beteiligten einen enormen Aufwand bedeutet, sagte Sozialvorsteher Raphael Golta vor den Medien. Er sprach von einem «ziemlichen Hosenlupf», welcher der Stadt auferlegt worden sei. «Wir konnten nicht wählerisch sein.»

Einige Asylsuchende konnten seit September auch bei Privaten untergebracht werden. «Wir haben rund 60 Angebote erhalten, von denen rund die Hälfte geeignet waren», sagte Golta. Die Stadt und die AOZ seien weiterhin dringend darauf angewiesen, zusätzlichen Wohnraum zu finden.

Weil verschiedene Zwischennutzungen in nächster Zeit auslaufen, plant die Stadt bis 2018 drei zusätzliche temporäre Container-Siedlungen in Schwamendingen, Altstetten und Wollishofen. (OG/SDA)

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