Zürich
Alter verschont auch Zootiere nicht

Die Haare werden grau, in den Gelenken plagt die Arthrose, die Zähne fallen aus, Seh- und Hörvermögen lassen nach. Typische Altersbeschwerden verschonen auch Zootiere nicht.

Merken
Drucken
Teilen
Ein Elefant erhält im Zoo Zürich eine Dusche (Archiv)

Ein Elefant erhält im Zoo Zürich eine Dusche (Archiv)

Keystone

«In der Wildnis wird kein Tier alt», sagt Alex Rübel, Direktor des Zoo Zürich. Ein Tier, das deutlich Schwäche zeige, werde angegriffen und getötet. Oder es verhungert, wie etwa Elefanten, die in der Wildnis sterben, wenn sie keine Zähne mehr haben.

Im Zoo wird das Futter entsprechend vorbereitet. Ein schlechtes Gebiss ist also kein Problem. Muss aber ein altes Tier leiden, wird es im Zoo eingeschläfert.

Trotz ihrer 52 Jahre ist die Gorilla-Dame Goma im Basler Zoo noch sehr vital. Auch den Umzug ins neue Affenhaus in letzten Sommer hat sie gut verkraftet. Während ihre Artgenossen sich danach erst einmal von den Strapazen erholen mussten, machte sich die Seniorin als einzige und mit grossem Appetit über die bereitgestellten Leckereien her.

Vögeln sieht man Greisenalter nicht an

Allerdings brauche Goma inzwischen deutlich mehr Ruhe als früher und wolle immer wieder alleine sein, sagt Tanja Dietrich vom Zoo Basel. Goma war 1959 das erste in Europa geborene Gorillakind und wurde vom damaligen Zoodirektor Ernst Lang und seiner Familie von Hand aufgezogen. Nun ist sie eine betagte Grossmutter, aber immer noch ein Publikumsliebling.

Vielen Tieren sieht man das zunehmende Alter an. Wie bei den Menschen werden die Haare weiss, die Haut bekommt Pigmentflecken oder bildet Verhornungen.

An einigen Tierarten gehen die fortschreitenden Lebensjahre jedoch fast spurlos vorüber, beispielsweise an den Flamingos. «Vögeln sieht man ihr Alter ganz schlecht an,» sagt Alex Rübel. Im Zoo Zürich ist einer der Vögel um die 50 Jahre alt. Im Zoo Basel lebt ein Rosaflamingo-Weibchen, das über 70 Jahre alt und damit das älteste «Zolli»-Tier ist.

Mit Falten aus dem Ei

Andere dagegen wirken nie wirklich jung und schlüpfen schon mit runzligem Hals und Falten um die Augen aus dem Ei, wie etwa die Galapagos-Riesenschildkröte Nigrita. Sie ist 75 Jahre alt und damit das älteste Tier im Zoo Zürich - aber noch im besten Schildkrötenalter.

Denn Nigritas Artgenossen können 150 Jahre alt werden. Dass ihr männlicher Begleiter Jumbo rund 30 Jahre jünger ist als sie, sieht man dem Paar nicht an.

Geplagt werden alte Tiere übrigens von denselben Krankheiten wie Menschen, nämlich Arteriosklerose, grauem Star, Problemen mit dem Bewegungsapparat oder Herz-Kreislauferkrankungen, die sich beispielsweise als Schlaganfall äussern.

Menschenaffen mit Hüftgelenksarthrose müssen Rheumamedikamente einnehmen, und alte Katzen benötigen oft Medikamente wegen Nierenproblemen. Ausserdem erhalten die älteren Zootiere häufig Mineralstoffe und Vitamine.

Starrsinnige und gelassene Alte

Doch nicht nur gesundheitliche Probleme der Tier-Greise stellen die Zoos immer wieder vor neue Herausforderungen. Mit zunehmendem Alter treten auch bestimmte Eigenarten der Tiere deutlicher zu Tage. So wurde Ruaha vom Basler Zolli, die älteste in einem Zoo lebende Elefantenkuh, im Laufe ihres Lebens immer dickköpfiger.

Hatte sie sich stets wenig sagen lassen, gehorchte sie im Greisenalter überhaupt nicht mehr, wie sich Tanja Dietrich erinnert. Im Juli 2010 starb Ruaha im Alter von geschätzten 59 Jahren.

Manchmal machen Tiere sehr deutlich klar, welche Bedürfnisse sie haben. Susi im Zoo Zürich zum Beispiel erreichte mit 38 Jahren ein nahezu biblisches Nashorn-Alter, doch sie wurde blind. Das beeinträchtigte Susi kaum, denn sie kannte ihre Umgebung gut und fand sich problemlos zurecht.

Doch als die Pfleger ihr einen neuen Baumstamm ins Gehege legten, wusste Susi die gut gemeinte Geste nicht zu schätzen. Sie griff den vermeintlichen Eindringling an, und der Baumstamm musste wieder entfernt werden.

Meistens nimmt jedoch mit dem Alter die Gelassenheit zu. Etwa verhalten sich ältere Tiere viel gleichmütiger bei Transporten. Und auch die Erfahrung wächst. Dies sieht man beispielsweise an den Zürcher Pinguinen, die sich zu Beginn der kühlen Jahreszeit praktisch auf den Tag genau vor den Ausgang ihres Stalles stellen, weil sie genau wissen, dass es nun wieder ins Freie geht.