In der Zürcher Finanzdirektion steht ein doppelter Abgang bevor. Zum einen hat Regierungsrätin Ursula Gut (FDP) kürzlich bekannt gegeben, dass sie im Frühjahr nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Zum andern nimmt auch einer ihrer wichtigsten Untergebenen den Hut: Gregor Messerli, Personalchef von 34 000 Staatsangestellten. Er quittiert seinen Dienst nach fünf Jahren und wechselt spätestens im September als Leiter Human Resources Management zur Valiant Bank in Bern. Gut und Messerli, beide freisinnig, gaben ihre Demission fast gleichzeitig bekannt. Das habe aber nichts zu bedeuten, versichert Messerli. Er habe einfach genug gesehen im jetzigen beruflichen Umfeld und es reize ihn das Neue, sagt der 48-jährige Berner.

Bank zahlt deutlich besser

Obwohl hinter dem Abgang nichts Spektakuläres zu stecken scheint, lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen. Einerseits verläuft Messerlis Karriere bemerkenswert ungewöhnlich, anderseits ist er als politisierender Personalchef einer der grössten Verwaltungen der Schweiz ein origineller Kopf. Zur Karriere: Bevor der studierte Betriebswirtschafter mit Nachdiplomstudium Personalmanagement als Personalchef zum Kanton stiess, war er Leiter Human Resources bei Postfinance und danach bei der Allianz Suisse. Finanziell sei der Wechsel zum Kanton ein Abstieg gewesen, sagt Messerli, der heute mit rund 235 000 Franken Jahresgehalt zu den bestbezahlten Staatsangestellten gehört. Zum Kanton sei er trotz Lohnrückschritt gekommen, «weil ich als politisch Interessierter in einem politischen Umfeld tätig sein wollte». Wie viel er neu bei der Bank verdient, will er nicht verraten. Mehr als beim Kanton, sagt er. Deshalb wechsle er aber nicht. Laut Auskunft von Headhuntern dürfte Messerli bei der Valiant Bank inklusive variabler Lohnanteile auf ein Jahresgehalt von rund 300 000 Franken kommen. International tätige Personalchefs von Grossbanken oder Chemiekonzernen bezögen Saläre zwischen 500 000 Franken und mehreren Millionen pro Jahr.

Messerli stimmt der oft gehörten Analyse zu, wonach die Löhne der bestbezahlten Zürcher Chefbeamten – Maximallohn rund 265 000 Franken – gegenüber der Privatwirtschaft nicht konkurrenzfähig seien. Trotzdem ist es laut Messerli nicht so, dass sich auf Spitzenjobs beim Kanton keine Leute meldeten. Die Zahl der Bewerbungen sei jeweils hoch, allerdings erwiesen sich nur eine Handvoll als wirklich qualifiziert.

Als Kommunalpolitiker erlebte Messerli kürzlich den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere: Er wurde zum Präsidenten des Worber Parlamentes gewählt. In seiner Antrittsrede rief er die Parlamentarier dazu auf, «spontane, pointierte Statements abzugeben». Solche sind von ihm selber derzeit allerdings nicht erhältlich. Jedenfalls nicht, wenn es darum geht, Bilanz als Personalchef zu ziehen. Angesprochen auf strukturelle Schwierigkeiten des Jobs, erwähnt er seine beiden Hüte: Einerseits ist Messerli Regierungsrätin Gut unterstellt, anderseits dem gesamten Regierungsrat. Es liege in der Natur der Sache, dass es da Reibungsverluste gebe. In öffentlichen Verwaltungen dauere vieles länger, weil «konsensorientiert» gearbeitet werden müsse, will heissen: Vernehmlassungen durchführen, Kommissionen anhören oder politische Entscheide abwarten. Das Klischee vom trägen Beamten hält er aber für läppisch. Er habe viele gute Leute in der Verwaltung angetroffen.

Mühsames Zugspendeln

Nicht erst, seit er beim Kanton arbeitet, sondern schon seit acht Jahren pendelt Messerli mit dem Zug zwischen seinem Wohnort Rüfenacht und Zürich. Auf dem täglich dreistündigen Arbeitsweg arbeite er aber nur ausnahmsweise am Laptop, sondern lese Zeitung oder schlafe. Selbst im Erstklassabteil gelinge es ihm nicht, im Zug effizient zu arbeiten. Zudem sei er abends zu müde dazu. Nach Hause komme er um halb acht oder halb neun, morgens breche er um halb sechs oder sechs auf. Den Wohnort zu wechseln sei wegen des Widerstands seiner Frau und seiner beiden Töchter nie infrage gekommen. Das Zugspendeln sei in den letzten Jahren mühsam geworden, sagt Messerli. Die Hektik und das Gedränge hätten zugenommen. «Es macht nicht mehr wirklich Spass.» Manchmal müsse er trotz Erstklassbillett auf der Treppe sitzen. Dank kurzem Arbeitsweg hat er nun bald mehr Freizeit. Sie erlaubt es ihm, seine Harley-Davidson wieder häufiger aus der Garage zu holen.