Neues Hochschulgebiet
Alles, was es fürs Studium braucht - die Pläne der Universität Zürich

Derzeit liegen sechs Gestaltungspläne für das neue Zürcher Hochschulgebiet öffentlich auf. Die Universität plant den grossen Wurf auf dem Areal Wässerwies. Dort soll das neue Kernstück der Uni-Entwicklung entstehen.

Katrin Oller
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Vom Sportplatz zum Lehr- und Lernzentrum: Turnhallen und Sportplatz auf der Wässerwies sollen durch einen Neubau mit 94 000 Quadratmetern Geschossfläche ersetzt werden.

Vom Sportplatz zum Lehr- und Lernzentrum: Turnhallen und Sportplatz auf der Wässerwies sollen durch einen Neubau mit 94 000 Quadratmetern Geschossfläche ersetzt werden.

Nathalie Guinand

Heute ist die Universität Zürich auf zig verschiedene Liegenschaften in der ganzen Stadt verstreut. Das soll sich ändern. Die Uni will sich auf zwei Standorte konzentrieren: Irchel und Zentrum. Dies im Zuge der Neugestaltung des Hochschulgebiets zusammen mit der ETH Zürich und dem Universitätsspital.

Bereits seit mehreren Jahren wird das Grossprojekt Hochschulgebiet Zürich Zentrum geplant, kritisiert und redimensioniert. Seit 7. April und noch bis 12. Juni liegen sechs kantonale Gestaltungspläne öffentlich auf. Zwei davon betreffen Neubauten der Universität, wobei der Gestaltungsplan Wässerwies zeitlich im Vordergrund steht. Dort sind die Dimensionen beeindruckend: 94 000 Quadratmeter maximale Geschossfläche sollen auf der Wässerwies in Zukunft zur Verfügung stehen.

«Eminent wichtige Epoche»

Heute befinden sich auf dem Areal zwischen Rämi-, Gloria- und Freiestrasse Turnhallen und ein Sportplatz. Die Turnhallen wurden während des Zweiten Weltkriegs gebaut und sind sogenannte Bauten von kommunaler Bedeutung. Laut städtischer Denkmalpflege erinnern die Turnhallen durch Bezüge zum Universitätsspital und zur Landesausstellung von 1939 an eine «für Zürich und die Schweiz eminent wichtige Epoche». Dennoch sollen die Turnhallen weichen, denn die Erhaltung sei nicht nachhaltig, da die Hallen sich nicht in den geplanten Neubau integrieren liessen. Daher wurde ein Gesuch zur Entlassung der Hallen aus dem Inventar eingereicht. Darüber entscheidet der Zürcher Stadtrat.

«Das neue Lehr- und Lernzentrum Wässerwies wird vergleichbar mit dem Campus Hönggerberg der ETH.»

Universität Zürich

Sport, Hörsäle, Verpflegung

Die Schüler und Studenten, die die Turnhallen heute vor allem nutzen, werden aber in Zukunft nicht auf ihre Sportstunden verzichten müssen. Denn im geplanten Lehr- und Lernzentrum Wässerwies entstehen Sportanlagen, welche die Turnhallenkapazitäten ersetzen werden, wie die Universität Zürich und die kantonale Baudirektion gemeinsam auf Anfrage schreiben. Die Sporträumlichkeiten sollen in Zukunft vor allem vom Akademischen Sportverband (ASVZ) beispielsweise für Spinningkurse genutzt werden.

Neben Turnhallen ist auch alles andere vorgesehen, was Studentinnen und Studenten brauchen: Seminarräume, Hörsäle, Selbststudienplätze, eine Grossbibliothek, eine Mensa und das Sprachenzentrum. Für Forscherinnen und Forscher sind flexible Büro-, Besprechungs- und Projekträume geplant. Vergleichbar werde das neue Lehr- und Lernzentrum Wässerwies mit dem Campus Hönggerberg der ETH, schreibt die Uni weiter.

Die Infrastruktur soll vor allem von Angehörigen der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, der Theologie und der Geisteswissenschaften genutzt werden. Der Neubau sei ein wichtiger Schritt im Kontext der späteren Ausbauetappen im Gloriarank, wo die Medizin angesiedelt wird, und auf dem Schanzenberg, wo heute das Deutsche Seminar steht und künftig ebenfalls Institute der Geisteswissenschaften unterkommen sollen.

Neues Hochschulgebiet Zürich Zentrum

Stand der Planung

Der Regierungsrat entschied 2011, dass Universität, ETH und Universitätsspital im Stadtzentrum wachsen sollten, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen. Seither wird am neuen Hochschulgebiet Zürich Zentrum geplant. Im März dieses Jahres verabschiedete der Kantonsrat den Richtplan, im April legte die Baudirektion die ersten sechs Gestaltungspläne vor. Parallel dazu wird bis September der Studienauftrag Stadtraumkonzept Hochschulgebiet Zürich Zentrum erarbeitet.

Ebenso finden Gespräche mit Quartiervertretern statt. Bis im Herbst werden die Gestaltungspläne überarbeitet. Dann setzt Baudirektor Markus Kägi (SVP) die definitiven Pläne dreier Areale fest (darunter auch die Wässerwies), worauf die Neubauten projektiert und bewilligt werden können – vorausgesetzt, es gehen keine Rekurse ein. Sonst verzögert sich das Vorgehen. Bei den übrigen drei Gestaltungsplänen werden Gemeinderatsbeschlüsse zu den Verkehrsbaulinien abgewartet. (kme)

Die Architektur ist noch offen

58 Prozent der 25 500 Studenten der Universität Zürich werden heute zum Standort Zentrum gezählt, also rund 14 800 Personen. Bis Anfang der 2030er-Jahre rechnet die Universität mit einem Studierendenwachstum von knapp einem Prozent pro Jahr. Sie alle werden im «Kollegiengebäude des 21. Jahrhunderts», wie Rektor Michael Hengartner das neue Lehr- und Lernzentrum Wässerwies genannt hat, ein und aus gehen.

Gebaut werden könnte frühestens 2022. Sofern nach der Anpassung der Gestaltungspläne keine Rekurse eingehen, startet der Architekturwettbewerb Ende dieses Jahres. Dann wird sich herauskristallisieren, wie der voluminöse Neubau aussehen soll.

Hat die Universität im Zentrum genügend Raum geschaffen, damit die in der Stadt verstreuten Institute umziehen können, werden rund 50 Liegenschaften frei. 25 hat die Universität dem Kanton bereits zurückgegeben. Heute besetzt sie noch 23 Häuser, Villen und andere ehemalige Wohnbauten. 14 davon gehören dem Kanton, neun sind angemietet. Hat der Kanton seine Liegenschaften zurückerhalten, entscheidet er im Einzelfall, ob sie verkauft oder vermietet werden.

Sicher ist, dass dort gewohnt werden muss, denn das ist in der Stadtzürcher Bau- und Zonenordnung so vorgesehen. Während die Zürcher Wohnraum zurückerhalten, verkürzen sich für Dozenten und Studenten die Wege. Allerdings wird wohl der eine oder die andere etwas wehmütig das Büro im Grünen oder den antiken Seminarraum mit traumhafter Aussicht am Zürichberg verlassen.