Einer 88-jährigen Bewohnerin eines Alterszentrums in Kilchberg ZH sei wohl gewaltsam ein mit Salmiakgeist getränktes Tuch aufs Gesicht gedrückt worden, so die Mediziner. Diesen Schluss legen gemäss den Fachleuten die am Todesopfer vorgefundenen inneren und äusseren Verletzungen nahe. Die vom Hausarzt als Schürfungen beurteilten Verletzungen im Gesicht hätten sich bei einer genaueren Untersuchung als Ätzverletzungen herausgestellt. Sie können laut Gerichtsmediziner "nicht von einem Sturz herrühren".

Wie lange das Tuch der Frau aufs Gesicht gedrückt worden sei, können die Rechtsmediziner nicht genau sagen. Verletzungen an der Innenseite der Lippe wiesen darauf hin, dass mit "erheblichem Kraftaufwand" gedrückt worden sei.

Die Staatsanwaltschaft wirft zwei Frauen im Alter von 26 und 30 Jahren vor, in der Nacht vom 10. November 2013 mit einem gestohlenen Schlüssel in die Alterswohnung eingedrungen zu sein und der schlafenden Frau einen mit Salmiakgeist getränkten Lappen auf Nase und Mund gedrückt zu haben. Dadurch sei die 88-Jährige erstickt.

Die beiden Täterinnen hätten darauf Geld, Schmuck und eine Bankkarte aus der Wohnung gestohlen. Bei einer der Beschuldigten handelt es sich um eine Gesundheitsfachfrau, die im Alterszentrum als Nachtwache tätig war, bei der anderen um eine Verkäuferin.

Opfer hat Gegenwehr geleistet und Schmerzen erlitten

Gemäss Rechtsmediziner muss die schlafende Frau durch den Salmiakgeruch erwacht sein und Gegenwehr geleistet haben. Vor dem Tod habe sie sicher Schmerzen erlitten und sei nicht sofort bewusstlos geworden. Sie sei aber wegen einer schweren Lungenkrankheit, aufgrund der sie in ihrer Wohnung regelmässig ein Sauerstoffgerät nutzte, schneller gestorben als dies eine gesunde Gleichaltrige wäre.

Blutergüsse an Armen und Beinen könnten zwar durch das Festhalten der Frau entstanden sein, die Seniorin könnte sie sich allerdings auch ohne Fremdeinwirkung zugezogen haben. Eine Verletzung an der Brust habe sie aber "sicher nicht wegen eines Sturzes erlitten".

Unklarheit gab es betreffend Todeszeitpunkt. Während der Bezirksarzt den Todeszeitpunkt auf 3 bis 5 Uhr früh berechnete, könnte er nach Ansicht der Rechtsmedizin-Fachärzte aufgrund einer möglichen Erkältung auch früher eingetreten sein.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Die Plädoyers von Anklage und Verteidigung stehen nächste Woche an. Das Urteil wird am 27. November eröffnet.