Hitzewelle
Allein im Juli gab es in der Schweiz rund 300 Hitzetote

Die Hitzewellen der letzten Wochen offenbaren ihre Schattenseiten: Im Juli sind deutlich mehr ältere Menschen gestorben als zu dieser Jahreszeit üblich. Auch die Zürcher Spitäler hatten Mehrarbeit zu verrichten.

Thomas Münzel
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Ältere oder geschwächte Menschen leiden besonders unter der Hitze. Key

Ältere oder geschwächte Menschen leiden besonders unter der Hitze. Key

KEYSTONE

Der heisse Sommer 2015 fordert seinen Tribut: Allein in den ersten zwei Juliwochen dieses Jahres wurden gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älteren 2234 Todesfälle registriert. Das sind 12 bis 15 Prozent mehr, als aufgrund des Durchschnittswerts der Vorjahre in dieser Periode zu erwarten gewesen wäre. Wie das BFS bestätigt, können aufgrund des Mortalitätsmonitorings mindestens 267 Todesfälle im Monat Juli «auf die gleichzeitig beobachtete Hitzewelle zurückgeführt werden». Gewisse Schwankungen gelten zwar als zufällig. In den ersten zwei Juliwochen aber, in der die Hitze besonders markant war, wurde bei den Personen ab 65 Jahren auch die erwartete Bandbreite an Todesfällen in diesem Sommer erstmals signifikant überschritten.

Zahlen zu den ersten Augusttagen liegen hingegen noch nicht vor. Das heisse Wetter stellt laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine starke Belastung für das Herzkreislaufsystem dar und trifft vor allem ältere oder geschwächte Menschen. Das zeigte sich insbesondere im Hitzesommer 2003, in dem in der Schweiz gar 975 zusätzliche Todesfälle (Total aller Sommermonate) zu verzeichnen waren.

Viel Arbeit für Spitäler

Das heisse Wetter hat in den letzten Wochen auch einigen Zürcher Spitälern Mehrarbeit beschert. Am Universitätsspital und im Stadtspital Waid haben an mehreren Tagen im Juli deutlich mehr Patienten die Notfallstationen aufgesucht, als üblich, wie deren Sprecher bestätigen. Viele Patienten klagten aufgrund der hohen Temperaturen über Probleme.

Das Kantonsspital Winterthur registrierte den Hitzesommer indirekt. «In früheren Jahren hatten wir im Juli wegen der Sommerferien spürbar weniger Patienten, ganz einfach, weil viele Leute in den Ferien sind», sagt KSW-Sprecher André Haas. «Dieses Jahr führten die Ferienabwesenheiten im Juli kaum zu einer Reduktion der Patientenzahlen.»

Grosse Hitze und hohe Ozonwerte werden uns hierzulande auch in den kommenden Jahren begleiten. Die Zahl der Hitzetage wird laut Wetterfachleuten bis Ende des Jahrhunderts massiv zunehmen. Heute sind im langjährigen Durchschnitt in Tieflagen auf der Alpennordseite 10 bis 15 Hitzetage (30 Grad und mehr) pro Jahr zu erwarten. Gemäss einem von Meteo Schweiz berechneten mittleren Szenario wird man in Zukunft auf der Alpennordseite 30 bis 40 Hitzetage registrieren. Auf der Alpensüdseite erwartet man bis ins Jahr 2100 gar bis zu 80 Hitzetage.