Züri-Fäscht
Alle wollen zusätzliche WCs, nur niemand neben dem eigenen Stand

Ab heute stehen in der Innenstadt Hunderte zusätzlicher Toiletten zur Verfügung.

Florian Niedermann
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Am Züri-Fäscht werden zusätzliche Toiletten aufgestellt.

Am Züri-Fäscht werden zusätzliche Toiletten aufgestellt.

Florian Niedermann

Eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn sich von heute bis zum Sonntag wieder zwei Millionen Menschen in der Innenstadt tummeln, werden Wildpinkler über kurz oder lang an einigen Ecken einen strengen Geruch hinterlassen. Das Organisationskomitee hat das Angebot an zusätzlichen mobilen WCs dieses Jahr gegenüber 2013 um 180 auf 580 Einheiten aufgestockt. OK-Chef Roland Stahel bekam deswegen entrüstete Anrufe: «Als wir begannen, die WCs aufzustellen, beschwerten sich einige Standbetreiber. Alle wollen zwar mehr solche Stationen, nur ja nicht neben dem eigenen Stand», sagt er. Doch die Anrufer waren chancenlos. Ausnahmen machte das OK nur bei einzelnen Ladenlokalen, Bäckereien oder Banken, die kein öffentliches Klo neben ihrem Eingang wollten. «Die Betreiber der Feststände haben bei der Platzierung der WCs hingegen nichts zu sagen», so Stahel.

Kein WC mehr beim Baur au Lac

Eingeschränkt waren die Organisatoren bei der Platzierung der Klos auch wegen des Crowd Managements. Mit gezielten Massnahmen soll dieses eine Massenpanik oder auch brenzlige Situationen verhindern, wie sie 2013 nach dem grossen Feuerwerk wegen des immensen Besucheraufkommens entstanden sind. Einige Klos hätten deswegen nicht dort hingestellt werden können, wo sie vor drei Jahren noch standen, sagt Stahel: «Beim Baur au Lac hatte es damals zum Beispiel 20 WCs. Diese mussten wir wegen des Crowd Managements nun in der Fraumünsterstrasse platzieren.»

Bei 400 der 580 mobilen Toiletten handelt es sich um chemische Anlagen. Sie wurden jeweils in Fünfergruppen à vier Unisex-WCs und einem Pissoir für sechs Personen gruppiert. Während des Fests werden sie täglich geleert und gereinigt – sofern dies möglich ist: «Wenn wir an einzelnen Stellen mit den Absaug-Fahrzeugen nicht immer hinfahren können, werden wir den Tagesrhythmus dort nicht einhalten», so Stahel.

Weniger anspruchsvoll dürfte der Unterhalt jener 180 Klos und Pissoirs sein, die an vier Standorten zu sogenannten WC-Burgen formiert wurden: Sie verfügen über Frischwasser- und Abwasserleitungen, sind im Gegensatz zu den chemischen Einheiten jedoch umzäunt und kosten die Nutzer etwas: 2 Franken für die Sitztoiletten, 1 Franken fürs Pissoir. WC-Burgen befinden sich beim Zwinglidenkmal vor der Wasserkirche, am Bellevue, beim Stadthaus am Bürkliplatz und bei der Frauenbadi am Stadthausquai.

Auch doppelt so viele reichten nicht

Alleine für Miete und Reinigung der 400 Gratis-WCs gab das OK dieses Jahr über 100 000 Franken aus. Ob das reicht? Für Stahel ist klar: «Auch doppelt so viele Toiletten würden nicht verhindern, dass manche Besucher wild urinieren.» Man könne an die Besucher – insbesondere die Männer – nur appellieren: «Bitte nutzt die vielen WCs, die vorhanden sind.» Dazu zählt das OK auch jene der vielen Restaurants im Festeinzugsgebiet. Stahel sagt, viele Besitzer hätten 2013 gute Erfahrungen damit gemacht, den Festbesuchern ihre Klos gegen Gebühr zugänglich zu machen. Mit dem Entgelt könne eine Person angestellt werden, die einkassiert und die Reinigung der Toiletten übernimmt.