Alkohol
Alkohollimite auf dem Zürichsee ist umstritten

Ab 2014 dürfen Freizeitkapitäne auf dem Zürichsee nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol intus haben.

Michel Wenzler und Regine Imholz
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Das Alkoholverbot auf dem See scheidet die Geister.Regine Imholz/ZSZ

Das Alkoholverbot auf dem See scheidet die Geister.Regine Imholz/ZSZ

Die Sonne brennt, und zurzeit ist es selbst mitten auf dem See heiss. Manche Böötler gönnen sich deshalb eine Erfrischung aus der Kühltruhe oder dem Kühlschrank und längst nicht alle bleiben bei Wasser.

Die Folgen sind mitunter dramatisch: Auf dem Murtensee raste kürzlich ein alkoholisierter Fahrer in so engen Kurven über das Wasser, dass seine Begleiterin das Gleichgewicht verlor und über Bord fiel. Sie wurde lebensgefährlich verletzt.

Vorfälle wie dieser sind Wasser auf die Mühlen jener, die eine Promillegrenze für Motorbootfahrer fordern.

Das Bundesamt für Verkehr möchte, dass ab 2014 auf dem See die gleichen Regeln gelten wie im Strassenverkehr. Vorgesehen ist eine Grenze von 0,5 Promille. Ab einem Blutalkoholgehalt von 0,8 Promille könnte den Bootsführern die Lizenz entzogen werden.

Mit Verstand Tempo anpassen

Dass auf dem Wasser die gleichen Alkoholgrenzwerte gelten sollen wie auf der Strasse, scheidet die Geister der Bootsführer. «Diese Promillegrenze ist ein fertiger Blödsinn», sagt Béatrice Thomann aus Männedorf.

Da müssten alle dafür büssen, dass zwei, drei «Tuble» verantwortungslos gehandelt hätten. Für sie und ihren Mann ist Autofahren und Schiffsteuern nur bedingt vergleichbar. «Steuere ich mit 0,5 Promille einen Lastwagen, gefährde ich Leben», sagt Roland Thomann.

Aber auf dem See möge es viel mehr leiden. «Da bin ich auch mit einem Promille noch fahrtüchtig.»

Und mit 0,5 Promille funktionierten seine Reflexe noch, wie wenn er nichts getrunken hätte. Natürlich müsse man dann so viel gesunden Menschenverstand haben, sein Tempo anzupassen.

Keinen Alkohol mehr trinkt Walter Murer. Früher sei er ab und zu betrunken auf dem See unterwegs gewesen. «Ich hatte einfach Glück, dass nie etwas passiert ist.»

Er erinnere sich, dass er einmal auf dem Weg vom Restaurant zum Boot die Treppe hinuntergestürzt sei – und sich danach ans Steuer gesetzt habe. Doch seit anderthalb Jahren trinkt der Dübendorfer auf dem See keinen Alkohol mehr. Nicht wegen eines bestimmten Auslösers, es sei einfach das Resultat eines Reifeprozesses.

Nicht den Spass verderben

Roby Scherwey, Motorbootfahrlehrer aus Männedorf, begrüsst es, dass dem Thema der Alkoholgrenze Beachtung geschenkt wird. Ob die vorgesehene Regelung der richtige Weg sei, könne er aber noch nicht abschliessend beurteilen.

«Es sind noch zu viele Fragen offen, wie die Regeln genau umgesetzt werden», sagt er. Problematisch würde es seiner Meinung nach dann, wenn man den Leuten mit allzu rigorosen Kontrollen den Spass am Böötlen nehmen würde.

Die Seepolizei führe regelmässig Kontrollen durch, sagt Esther Surber, Mediensprecherin der Kantonspolizei. Die Seepolizei, die der Kantonspolizei angegliedert ist, hat es jedoch nicht oft mit alkoholisierten Freizeitkapitänen zu tun. «Es sind wenige Einzelfälle im Jahr.»

Unfälle würden sich hauptsächlich wegen Unaufmerksamkeit der Bootsfahrer ereignen. Zudem würden viele Leute nachts die Geschwindigkeit nicht an die Sichtverhältnisse anpassen. «Alkohol ist aber selten im Spiel.»