Alice Schwarzer polarisiert. Deutlich wurde das einmal mehr am Samstagabend im Zürcher Kaufleuten. Schwarzer und Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, diskutierten mit Moderator Matthias Daum («Die Zeit») über den Islam, das Burkaverbot und die Rolle der Geschlechter. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als die ersten Zwischenrufe laut wurden.

Stimmung kippte

«Raus hier, aber sofort!», soll ein Mann laut dem Tages Anzeiger (TA) aus dem Publikum aufgebracht geschrien haben. Gleichzeitig soll ein Sicherheitsmann versucht haben, einer Frau ein Gerät aus den Händen zu nehmen, aus dem ein altes deutsches Lied schepperte. Auch an Buhrufen fehlte es nicht – die Stimmung kippte. 

Unklar war bis zuletzt, aus welcher Ecke die Gruppe von mehrheitlich Frauen kam. Entsprechend trieben die Spekulationen wilde Blüten: Von türkischen Grauen Wölfen oder evangelikalen Aktivistinnen war im Publikum die Rede. Dies da die Frauen eher konservativ gekleidet und frisiert waren. Schwarzer selbst konnte sich ebenfalls keinen Reim auf das Motiv der Zwischenrufe machen: «Klar ist aber, dass sie organisiert waren.»

Schwarzer traf einen Nerv

Schwarzer deutete auf dem Podium die sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln als Kriegserklärung gegen die Frauen und den Westen. «In Köln wurde erstmals im Westen der sexuelle Terror gegen Frauen geprobt», sagte sie. Offenbar traf sie damit einen Nerv. Laut dem TA hätten die Frauen geschrien, dass Schwarzer mit ihrer Emanzipationsbewegung den Teppich gelegt habe für die Ereignisse. (rwy)