Zürich
«Albisgüttli» und «Trimmli» sind im Tram weiterhin erlaubt

Die Tramduchsagen mit deutschem Akzent sind der SVP ein Graus. Die Volkspartei wollte Durchsagen ohne Schweizer Akzent in Trams verbieten. Der Vorstoss im Zürcher Gemeinderat war jedoch chancenlos.

Michael Rüegg
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«Streckenblockierung im Zürcher Gemeinderat wegen Ideologiekollisionen in der SVP», witzelte Severin Pflüger in der gestrigen Ratsdebatte. Den Anlass dazu bot ein Vorstoss von SVP-Mitglied Daniel Regli, der den Stadtrat zwingen wollte, Tramdurchsagen nur noch mit Schweizer Akzent zuzulassen.

Denn: «Die Vorfälle häufen sich», so das Postulat. Mit «Vorfälle» meint Regli Durchsagen von Personen, die mutmasslich in Deutschland Deutsch gelernt haben. Es sei störend, wenn das Hochdeutsche keinen typisch helvetischen Akzent aufweise. «Stehen wir zu unseren Schweizer Eigenheiten», rief Regli in den Rat (allerdings auf Schweizerdeutsch).

Antwort erhielt er in astreinem Hochdeutsch vom in Schwyz geborenen Andreas Kirstein (AL). Er spreche ein akzentfreies Hochdeutsch, so Kirstein, deshalb dürfe er wohl keine Durchsagen bei der VBZ machen.

Wieso nicht nur «Züritüütsch»?

Kein Verständnis für Reglis Heimatschutzbestrebungen hatten auch die Grünliberalen. Martin Luchsinger fragte rhetorisch: «Wieso nur Schweizerdeutsch? Wir sind hier in Zürich, wieso nicht nur Zürichdeutsch?» Es sei ja ein Skandal, so Luchsinger, dass es Stadträte gebe, die keinen «züritüütschen» Akzent hätten. Daraufhin entschuldige sich der Vorsitzende, Rats-Vizepräsident Martin Abele, für sein Berndeutsch. Der Walliser Dominique Feuillet (SP) gab zu bedenken, dass nicht nur Deutsche, sondern auch gewisse Schweizer für Durchsagen wenig geeignet seien: «Wenn der Berner mit seiner Durchsage fertig ist, ist die Störung längst behoben», so Feuillet.

Doch nicht nur auf der heiteren Ebene gabs Argumente. Peter Küng (SP) warnte vor Nationalismus. Und sein Parteikollege Nicolas Esseiva vertrat die Meinung, wichtig sei bloss die Verständlichkeit. Akzent oder Dialekt spielten keine Rolle.

Auch juristische Einwände würden laut dem zuständigen Stadtrat Andres Türler (FDP) gegen die Überweisung des Postulats sprechen. «Wir haben ein Freizügigkeitsabkommen mit der EU und dürfen niemanden diskriminieren», so Türler. Ausnahmen seien möglich, wenn die Sicherheit, die öffentliche Ordnung oder die Gesundheit gefährdet seien. «Das ist aber hier nicht der Fall», befand der Vorsteher des Departements der industriellen Betriebe.

«Teutonisch macht aggressiv»

Freunde fand Regli nur bei den Schweizer Demokraten, die bemängelten, dass es der Debatte an nötigem Ernst fehle, zudem mache «Teutonisch» die Menschen aggressiv. Die EVP wiederum hätte den Vorstoss gerne etwas abgeschwächt. Doch SVP, SD und EVP hatten keine Chance gegen die Ratsmehrheit. Es bleibt dabei, Hochdeutsch ist bei den VBZ Hochdeutsch, egal, mit welchem Akzent es gesprochen wird.

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