Airbnb boomt. Innerhalb von zwei Jahren haben sich die Angebote auf der Buchungsplattform in der Stadt Zürich verdreifacht. Seit Juli 2015 ist die Zahl der total angebotenen Übernachtungen in Zürcher Appartements oder 1-Zimmer-Studios von knapp 5000 bis diesen Juni auf knapp 18 000 angestiegen. Diese Zahlen liefert eine Analyse von Airdna, einem amerikanischen Unternehmen, welches mittels Algorithmen die Angebote sowie Buchungen auf Airbnb, die Vermietungsdauer sowie die Zimmergrösse weltweit für Städte erhebt.

Noch stärker zugelegt haben im selben Zeitraum die tatsächlich gebuchten Unterkünfte in Zürich – sei dies in Appartements oder auch 1-Zimmer-Studio. Sie haben sich vervierfacht. Während vor zwei Jahren von den angebotenen Unterkünften tatsächlich knapp 3000 Nächte monatlich gebucht wurden, verzeichnete Airbnb im Juni 2017 in Zürich bereits 12 377 Übernachtungen. Airdna bezeichnet die Form des Aufenthalts in Appartements oder 1-Zimmer-Studios als «mit einer Hotelübernachtung vergleichbar».

Dafür bezahlen die Besucher momentan in Zürich im Schnitt knapp 125 Franken pro Übernachtung. Airdna geht noch einen Schritt weiter und multipliziert die angebotenen Übernachtungsmöglichkeiten mit der Anzahl der verfügbaren Schlafplätze pro Wohneinheit. So konnten im Juni in Zürich über 25 000 Airbnb-Übernachtungen gezählt werden. Zum Vergleich: Im Juli 2015 wurden in Zürich gerade etwas mehr als 6800 Nächte gezählt.

Städte sind bei Touristen beliebt

Nicht nur Airdna hat die Verdreifachung des Angebots in Zürich bemerkt. Auch die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich kommt in ihrer Halbjahresprognose zu einem ähnlichen Ergebnis. Airbnb ist in Zürich laut der KOF-Analyse mit einem Anteil von 16 Prozent vertreten. Und die Analysten erwarten, dass das Angebot weiter steigen wird, wie sie in ihrer Prognose schreiben.

Damit wird klar: Die Zürcher Hotelbranche hat mit den derzeit entstehenden Budgethotels wie Motel One, 25 Hours oder Green City und Airbnb starke neue Konkurrenz erhalten. Florian Hälg von der KOF sagt dazu: «Tatsache ist, dass das Angebot in Zürich gegenwärtig stark ausgebaut wird. Allerdings auch vor dem Hintergrund, dass der Städtetourismus in der Schweiz weiterhin stark zulegt. Weltweit ist der Tourismus eine Wachstumsbranche und wird es auch in absehbarer Zukunft bleiben.» Besonders Städte seien mit dem kulturellen Angebot und den guten Verkehrsanbindungen sehr beliebt – davon profitiere auch Zürich.

Monatliche Buchungen in hotelähnlichen Airbnb-Unterkünften:

  

Ferienwohnungen kommen gut an

Nach wie vor aber ist die Hotellerie im städtischen Gebiet stärker vertreten als alternative Übernachtungsformen. Neben Airbnb zählen dazu Übernachtungen in Ferienwohnungen, Berghütten und Campingplätzen. Letztere drei Formen werden unter dem Begriff der Parahotellerie zusammengefasst und werden vom Bundesamt für Statistik seit 2016 erstmals ausgewiesen.

Gerade hier orten Analysten ein Problem. Sind Ferienwohnungen explizit in der Statistik der Parahotellerie erfasst, fliessen sie wohl auch in die Übernachtungszahlen bei Airbnb ein, vermieten die Besitzer ihre Liegenschaften auch über diese Online-Plattform. Insgesamt stieg das Angebot von Ferienwohnungen im Kanton Zürich im vergangenen Jahr um 2900 Stück. Hälg sagt dazu: «Natürlich erhöht das Angebot den Konkurrenzdruck. Allerdings muss man auch sehen, dass mit Airbnb in vielen Regionen nicht unbedingt das Angebot gestiegen ist, sondern die bestehenden Ferienwohnungen über diese Plattform einfach besser vermietet werden können. Wenn bestehende Ferienwohnungen dadurch besser ausgelastet werden, ist das insgesamt positiv.»

Die KOF-Forscher sehen in der Airbnb-Plattform für die Schweiz auch eine Chance, die Parahotellerie gerade für ausländische Touristen attraktiver zu machen. Derzeit entfallen die meisten Buchungen von Ferienwohnungen auf Inländer.

Der Urner leitet seit 2006 das Hotel Storchen in Zürich. Seit 2015 ist er in der Verbandsleitung von Hotellerie Suisse und Schweiz-Tourismus-Vorstandsmitglied.

Jörg Arnold

Der Urner leitet seit 2006 das Hotel Storchen in Zürich. Seit 2015 ist er in der Verbandsleitung von Hotellerie Suisse und Schweiz-Tourismus-Vorstandsmitglied.