Zürich

Ärger mit dem Arbeitszeugnis: Darauf müssen Sie achten

Arbeitszeugnisse sind wichtig für die weitere Karriere. Es ist gut für die Arbeitnehmerin, wenn sie weiss, was erlaubt ist.

Arbeitszeugnisse sind wichtig für die weitere Karriere. Es ist gut für die Arbeitnehmerin, wenn sie weiss, was erlaubt ist.

Lange Abwesenheiten müssen in einem Arbeitszeugnis erwähnt werden. Das Zürcher Verwaltungsgericht sagt in einem neuen Urteil auch, unter welchen Umständen eine Krankheit aufgeführt werden darf.

Petra Uhlrich* arbeitete ab November 2016 bis Ende Oktober 2018 auf einer Stadtverwaltung im Kanton Zürich. Ende Februar 2018 gebar Uhlrich ein Kind. Von den 24 Monaten ihrer Anstellung verpasste sie elf Monate im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und einem unbezahlten Urlaub.

Im Arbeitszeugnis hielt die Arbeitgeberin die Abwesenheiten wie folgt fest: «Ab November 2017 bis heute war Petra Uhlrich aus schwangerschafts- und später aus krankheitsbedingten Gründen teilweise beziehungsweise ganz in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Während dieser Zeit bezog sie den ihr zustehenden Mutterschaftsurlaub sowie einen ­zweimonatigen unbezahlten Urlaub.»

Mit dieser Formulierung war Uhlrich nicht einverstanden. Deshalb reichte sie beim Verwaltungsgericht eine Beschwerde ein. Ihr Vorschlag für die ­Passage: «Während ihrer Anstellung bezog Petra Uhlrich Mutterschaftsurlaub sowie einen zweimonatigen Urlaub.»

Zeugnis darf ungünstige Tatsachen enthalten

Wie aus dem kürzlich publizierten Urteil hervorgeht, hat das Verwaltungsgericht Uhlrich teilweise Recht gegeben. Ein Zeugnis soll Dritten erlauben, sich ein zutreffendes Bild über eine Arbeitnehmerin oder einen Arbeitnehmer zu verschaffen, hält das Gericht fest. Entsprechend dürfe und müsse das Zeugnis auch ungünstige Tatsachen enthalten.

Dazu gehören auch Krankheiten, sofern sie für die Gesamtbeurteilung erheblich sind. Konkret: Eine Krankheit ist zu erwähnen, sofern sie einen sachlichen Grund zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses bildete. Etwa, weil sie erheblichen Einfluss auf die Leistung oder das Verhalten der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers hatte.

War dies nicht der Fall und ist die Krankheit geheilt, darf sie im Zeugnis nicht erwähnt werden. Damit ist die Sache aber noch nicht erledigt. Im Zeugnis sind nämlich längere Zeitunterbrüche zu erwähnen, wenn sie im Verhältnis zur Vertragsdauer erheblich ins Gewicht ­fallen.

Andernfalls entstehe ein falscher Eindruck bezüglich der erworbenen Berufserfahrung. Das gilt auch für den Fall, dass die Zeitunterbrüche krankheitsbedingt waren. Der Grund für eine längere Abwesenheit ist anzugeben.

«Krankheit» darf nicht zusätzlich erwähnt werden

Im Fall von Uhlrich fallen die elf Monate – auf die Vertragsdauer von 24 Monaten – erheblich ins Gewicht. Allerdings gründet die Abwesenheit allein in der Schwangerschaft und der Mutterschaft. Laut Verwaltungsgericht darf «Krankheit» deshalb nicht zusätzlich erwähnt werden. Es entstünde sonst der Eindruck, sie sei auch noch aus anderen Gründen krank gewesen.

Würden im Zeugnis – wie Uhlrich verlangte – aber nur der Mutterschaftsurlaub und der unbezahlte Urlaub erwähnt, wären die Informationen nicht vollständig. Von den elf Monaten Abwesenheit wären bloss deren sechs erklärt.

Das Gericht schreibt daher folgende Formulierung vor: «Während ihrer Anstellung war Petra Uhlrich aufgrund ihrer Schwangerschaft und des nachfolgenden gesetzlichen Mutterschaftsurlaubs sowie eines zweimonatigen unbezahlten Urlaubs insgesamt elf Monate abwesend.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

* Name geändert

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